Sehnsucht nach mehr Ruhe und Ordnung in der Schweiz?

Die Hoffnungen auf intakte und harmonische Beziehungen im nahen sozialen Umfeld, nach persönlicher Gesundheit und nach einer sinnvollen Aufgabe belegen auch im Hoffnungsbarometer 2014 Schweiz die Spitzenpositionen. Auffällig ist aber, dass gegenüber dem Vorjahr die Bereiche „Ordnung“ / „Sicherheit“, zugleich aber auch „Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“ wie auch „Freizeit“ / „Zeit zur Entspannung“ einen Bedeutungszuwachs erfahren. Scheinbar ein Widerspruch, den gemeinhin werden diese Begriffe eigentlich den unterschiedlichen Sozialmilieus „Neo-Konservativ“, „Liberal“ und „Hedonistisch“ zugeordnet.

0 = nicht wichtig ; 1 = teils teils ; 2 = sehr wichtig

Bei der Detailanalyse zeigen sich einige interessanten Aspekte:

Effektiv lassen sich anhand der Beantwortung der persönlichen Hoffnungen vier Milieus definieren, die in sich eine relativ hohe Korrelation aufweisen:

  • Milieu „Hoffnung auf ein geruhsames Leben“, mit starken Korrelationen für „Persönliche Gesundheit“ + „Mehr Sicherheit im persönlichen Umfeld“ + „Harmonie im Leben“ + „Ordnung in meinem Leben“
  • Milieu „Beziehungsorientiert“, geprägt durch „Gute und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen“ + „Sinnvolle und zufriedenstellende Aufgabe“ + „Anderen Menschen helfen können“
  • Milieu „Hedonismus“ mit den korrelierenden Hoffnungen „Mehr Freizeit“ + „Mehr Zeit zur Entspannung“ + „Mehr Spass mit Freunden“ + „Mehr Sex“
  • Milieu „Beruf“, bestimmt durch „Erfolg am Arbeitsplatz (Bonus, Beförderung)“ + „Mehr Geld“ + „Sicherer Arbeitsplatz“

Die Hoffnung auf „Ordnung in meinem Leben“ zeigt eine auffällige Altersverteilung: So weisen einerseits Jugendliche einen erstaunlich hohen Wert auf, andererseits ist diese Hoffnung bei den über 50 Jährigen wieder stark vertreten. Gesellschaftlich bedeutend wird dieses Phänomen, da die grösste Alterskohorte, die sogenannten „Babyboomer“ nun genau in dieses Alter hineinwachsen. So ist anzunehmen, dass dieses Bedürfnis in den kommenden Jahren weiter zunehmen und politische und wirtschaftliche Effekte zeigen wird.

0 = nicht wichtig ; 1 = teils teils ; 2 = sehr wichtig

Die vorschnelle politische Prognose, dass diese Generation nun zukünftig aufgrund ihrer Alterung in typische „law and order“ Muster fallen könnte, ist aber nicht zulässig. Denn für die Hoffnung auf „mehr Sicherheit im persönlichen Umfeld“ lässt sich keine Abhängigkeit vom Alter erkennen. Und zugleich misst dieselbe Alterskohorte der liberalen Hoffnung auf „persönliche Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“ eine hohe Bedeutung zu – wesentlich höher als bei den unter 50 Jährigen. Wobei hier anzunehmen ist, dass dabei die finanzielle Absicherung, die körperliche Mobilität und die körperliche Gesundheit im Fokus stehen.

0 = nicht wichtig ; 1 = teils teils ; 2 = sehr wichtig

Auffällig ist auch die unterschiedliche Gewichtung der Hoffnungen auf „Mehr Freizeit“ und auf „Mehr Zeit zur Entspannung“. So nimmt die in jungen Jahren wichtige Hoffnung auf „Mehr Freizeit“ mit dem Alter schrittweise ab, wird aber wohl durch das Bedürfnis nach mehr Entspannung ersetzt.

Hoffnungsbarometer 2014: Schweizer wollen sinnvolle Arbeit

Allgemeine Info

Bereits zum fünften Mal erhoben Dr. Andreas M. Walker und Dr. Andreas Krafft von swissfuture.ch im November 2013 das Hoffnungsbarometer für das kommende Jahr mit einer grossen Internet-Umfrage in deutscher, französischer, englischer und erstmals auch in tschechischer Sprache. 21’812 Personen aus der Schweiz, Deutschland, Tschechien, Frankreich und weiteren Ländern nahmen dieses Jahr an der Umfrage teil. Für die Schweiz wurden 2’936 vollständige und korrekte Fragebogen ausgewertet. Für das schweizerische Sample betrug der statistische Stichprobenfehler ±1.8 Prozentpunkte. Dies ist ein sehr guter Wert, so dass von einer breit abgestützten Umfrage gesprochen werden kann.

swissfuture ist die Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung und wurde 1970 gegründet. Co-Präsidenten von swissfuture sind Dr. Andreas M. Walker und Cla Semadeni. swissfuture fördert als parteipolitisch und religiös neutraler Verein und Mitglied der Schweizerischen Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften SAGW die Zukunftsforschung und -gestaltung in der Schweiz und macht deren Ergebnisse der Bevölkerung zugänglich. swissfuture führt Tagungen, Seminare und Studien durch und äusserst sich in den Medien zu Zukunftsfragen. Vgl. www.swissfuture.ch

Dr. Andreas M. Walker ist seit 2009 Initiator und Gesamtverantwortlicher des Hoffnungsbarometers. Er ist Co-Präsident von swissfuture und Leiter des Think Tanks „weiterdenken.ch – your partner for future, hope & responsibility„. Vgl. www.weiterdenken.ch . Dr. oec. HSG Andreas Krafft ist seit 2012 der akademische Leiter des Hoffnungsbarometers. Er ist designiertes Vorstandsmitglied von swissfuture, Strategieberater und Dozent an der Universität St. Gallen. Stefan Schwarz begleitet das Projekt als Psychotherapeut.

Die Studie wurde international begleitet: Frau Prof. Dr. Tatjana Schnell, Universität Innsbruck, die führende Sinn-Forscherin Österreichs, Frau Prof. Dr. Alena Slezáčková, Masaryk University, Brno, führende Spezialistin für positive Psychologie der Tschechischen Republik, Prof. Dr. Charles Martin-Krumm, Maître de Conférences à l’Institut Universitaire de Formation des Maîtres de Rennes.

Erwartungshaltung für das kommende Jahr 2014

1 = sehr pessimistisch; 2 = eher pessimistisch; 3 = ausgewogen; 4 = eher optimistisch; 5 = sehr optimistisch

Entwicklung über die letzten Jahre

Die Erwartungshaltung für das private Leben bewegt sich seit Jahren auf der optimistischen Seite.

Für die wirtschaftlichen Erwartungen zeigt sich nach einem Tiefpunkt für Jahr 2012 nun bereits das zweite Mal eine steigende Erwartungshaltung für das kommende Jahr und tendiert nun nicht mehr auf die pessimistische Seite. Damit hat auch bereits das zweite Mal die Erwartungshaltung an die Wirtschaft jene an die Politik deutlich überholt.

Für 2011 Für 2012 Für 2013 Für 2014
Für mein privates Leben 3.6 3.96 3.93 3.88
  +10% -1% -1%
    -2%
Für die nationale Politik 2.49 2.76 2.73 2.68
  +11% -1% -2%
    -3%
Für die nationale Wirtschaft 2.93 2.6 2.83 3.02
  -11% +9% +7%
    +16%

Bei grossen persönlichen Hoffnungen für 2014 sind enge soziale Beziehungen und eine sinnvolle Arbeit wichtiger als Geld oder Karriere

Zum wiederholten Mal ist die „glückliche Ehe, Familie, Partnerschaft“ die grösste persönliche Hoffnung, noch vor der „persönlichen Gesundheit“. Spitzenpositionen belegen Hoffnungen für das enge soziale Umfeld, berufliche Anliegen rangieren deutlich weiter hinten.

Sinnvolle Arbeit wichtiger als Karriere

Die Hoffnung auf eine „sinnvolle Aufgabe“ ist grösser als auf einen sicheren Arbeitsplatz bzw. auf Erfolg am Arbeitsplatz. Im Sinne der Maslow’schen Bedürfnispyramide ist in der Schweiz anscheinend die Furcht vor einem Arbeitsplatz oder das existentielle Bedürfnis nach Einkommen relativ gering:

Hoffnung2010 Hoffnung2011 Hoffnung2012 Hoffnung2013 Hoffnung2014
Erfolg am Arbeitsplatz Erfolg am Arbeitsplatz Sinnvolle Arbeit Sinnvolle Arbeit Sinnvolle Arbeit
Sicherer Arbeitsplatz Sinnvolle Arbeit Erfolg am Arbeitsplatz Sicherer Arbeitsplatz Sicherer Arbeitsplatz
Sicherer Arbeitsplatz Sicherer Arbeitsplatz Erfolg am Arbeitsplatz Erfolg am Arbeitsplatz

Bei Berufsgruppen spielen Wirtschaftsgrössen nur eine kleine Rolle als Hoffnungsträger

Personen aus dem unmittelbaren familiären oder sozialen Umfeld sind wichtiger für die Hoffnung als Wirtschaftsgrössen.

0 = nicht wichtig ; 1 = teils teils ; 2 = sehr wichtig

Chancen und Grenzen von Zukunftsgestaltung

«2050» ist ein ferner Horizont – doch weltweite Planungen zeigen, dass eine aktive Beschäftigung mit langfristiger Zukunft sinnvoll ist. Verschiedene Methoden können helfen, die Denkfallen von exakt berechneten Fehlprognosen zu vermeiden.Hier geht’s zu meinem aktuellen Artikel zur metrobasel Vision 2050.
(S.21, S. 22-24 Tagungsbericht)

Die neue Umfrage “Hoffnungsbarometer 2014″ ist gestartet

Heute sind wir mit der neuen Umfrage gestartet:

Auf deutsch: http://www.hoffnung2014.com

En français: http://www.espoir2014.com

Wir konnten den Fragebogen nochmals entscheidend weiterentwickeln und danken für die Zusammenarbeit mit:

Hat der Mann eine Zukunft? Eine Materialsammlung

In der Futurologie denken wir viel über die Zukunft von Verkehr, Energie und Klima nach. Oder über die neue Geo-Politik und das zukünftige Verständnis von Sicherheit. Oder über die Zukunft von Cyberspace und Medizintechnologie.

Aber über die Zukunft unseres Verständnisses von Ehe und Familie, von Elternschaft und Partnerschaft, über die Zukunft von „Gender“ und „Sex“ – „Was wird ein Mann sein?“ „Was wird eine Frau sein?“ „Was wird Geschlecht 3.0 sein?“ findet kaum eine Debatte statt. Zwar reden wir viel über „reife Gesellschaft“, „Silver Ager“ und „Überalterung“ – aber wie die Kindheit der Zukunft und die Entwicklung des Buben zum Mann aussehen wird, machen wir uns kaum Gedanken.

Der Megatrend der „Feminisierung“ ist in allen unseren Referaten und Studien allgegenwärtig und die „Emanzipation der Frau“ hat als Wertewandelt stattgefunden und ist in unseren Welt- und Menschenbilder in selbstverständlicher Weise integriert – aber wo bleibt eine vergleichbare Entwicklung der Männer und der Männer- und Väterrolle?

Aufgrund meiner Vaterschaft von vier Kindern, darunter 3 Buben im Schulalter, und aufgrund des erziehungs- und gender-politischen Engagements meiner Frau möchte ich diese Männer-Diskussion über ein verdrängtes Männer-Thema anstossen.

An dieser Stelle möchte ich fortlaufend Literaturhinweise sammeln, dabei werde ich diesen BLOG hier laufend fortführen.

Bedenkens- und lesenswerte Artikel sind beispielsweise: Walter Hollstein

Prof. Dr. Walter Hollstein 

  • Er war 36 Jahre lang Soziologieprofessor in Berlin, und Gutachter des Europarates für Männer- und Geschlechterfragen, http://www.walter-hollstein.ch/. Nachdem ich bereits als junger Student eines seiner Bücher gelesen habe, durfte ich ihn letzte Woche in Basel bei einem Gespräch in der Campari Bar persönlich kennenlernen.
  • 2013: „Genderdebatte: Der öffentliche Diskurs ist seit Jahren frauenfokussiert“ – Johannes Richardt interviewt Prof. Walter Hollstein, http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001426
  • 2013: „Abschied vom starken Geschlecht – Invasion der Loser“ – Ein Gastbeitrag von Walter Hollstein, http://tinyurl.com/nouv7tx
  • 2013: „Single, männlich, sucht keine Heirat“ Artikel von Walter Hollstein im Tagesanzeiger mit 585 Kommentaren, http://tinyurl.com/q9j5kan

Was ist die „evangelische Familie“ der Zukunft (nicht)?

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat im Juni 2013 definiert, was er unter einer Familie versteht – und hat rund 160 Seiten dazu benötigt – als Orientierungshilfe wohl verstanden.

Dabei wird nicht ganz klar, wer sich denn nun mit Hilfe dieses Papieres orientieren soll. Die evangelischen Christen als Mitglieder dieser Kirche, die selbst Familie leben bzw. fördern wollen? Die Mitglieder der anderen christlichen Kirchen und weiterer Religionsgemeinschaften, die wissen wollen, ob sie gemeinsame Leitbilder leben oder ob sie sich distanzieren sollen? Die zahlreichen Mitmenschen, Institutionen und Bewegungen, die sich als religionsneutral oder gar religionslos neben der Kirche befinden, und die Gründe und Anlässe suchen, um die Kirche zu meiden oder gar zu verspotten und zu bekämpfen? Der Staat, der Steuergelder einsetzt, um Lebensformen gezielt zu fördern? Die Gesellschaft im Allgemeinen – wer immer das auch sei?

Konservative evangelische Kreise, die katholische Kirche und zahlreiche Freikirchen sind empört. Empört wohl weniger darüber, was der Rat der EKD auf 160 Seiten schreibt, denn viele Gedankengänge, historische und soziologische Herleitungen gesellschaftlicher Realitäten sind aus geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektive gut nachvollziehbar und vernünftig, ausgesprochen angenehm zu lesen im Sinne des aktuellen Mainstreams. Zahlreiche sonst sehr lautstarke Interessensgruppen, denen gegenwärtig in der politischen, behördlichen, medialen und akademischen Diskussion eine breite Plattform eingeräumt und eine wohlwollende Popularität zugestanden wird, werden sich durch dieses Papier nicht provoziert fühlen und nicht zum Kreuzzug gegen die EKD aufrufen müssen, da diese sich offensichtlich ganz gezielt im Rahmen der aktuellen political correctness bewegt.

Vielmehr entsteht die Empörung wohl darüber, was der Rat der EKD eben gerade nicht schreibt, um Orientierung im individualistischen, pluralistischen und relativistischen Zeitgeist zu geben. So findet sich im Opus der 160 Seiten der Orientierungshilfe kein Stellungsbezug für eine profilierte Definition einer Familie – weder für eine evangelische oder christliche Familie noch eine Familie im Allgemeinen:

  • weder für das Verständnis, dass Ehe und Familie göttliche Stiftungen bzw. Sakramente seien, und dass sie sich deshalb an gottgegebenen Offenbarungen jenseits von Zeitgeist, Gesellschaft und Kultur orientieren,
  • noch für ein normatives Verständnis von Ehe und Geschlechterrollen, die entsprechend aus der Bibel hergeleitet würden,
  • noch für eine Definition, dass eine Familie primär auf einer Kernfamilie aufbaue, die primär aus Eltern und Kind(ern) bestehe,
  • noch dass mit „Eltern“ ein Vater (sowohl Sex als auch Gender männlich) und eine Mutter (sowohl Sex als auch Gender weiblich) gemeint seien,
  • noch für ein Primat irgendwelcher Art eben dieser Lebensform von Vater – Mutter – Kind gegenüber Alleinerziehenden, Patchworkfamilien und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften,
  • noch für das Primat der Erziehungsberechtigung bei den Eltern gegenüber dem Staat oder sonstigen Institutionen.

 Der Rat der Evangelischen Kirchen Deutschlands schlägt nicht den Weg der Profilierung, sondern den der Political Correctness und des Pluralismus ein, um die Zukunft der Familie zu sichern – was immer auch Familien sein werden unter den Prämissen von „Verbindlichkeit, lebenslange Verlässlichkeit, Verantwortung und Sorge füreinander, Geschlechtergerechtigkeit“. Was das wohl an Novellierungen in Gesetzestexten, behördlichen Weisungen und Stiftungszwecken nach sich ziehen wird? Ein Schalk, wer böses dabei denkt … hier geht es nicht einfach um Privatleben und Moral, sondern um sehr viel „öffentliches“ Geld, das (um)verteilt wird unter dem Titel der Familie, die eigentlich mal als Kernzelle der Eigenverantwortung galt …

Wer für sein persönliches Leben oder für sein gesellschaftliches Verständnis an einen der oben erwähnten definitorischen Ansätze glauben möchte, wird wohl nicht auf die Evangelische Kirche in Deutschland als Verbündeten zählen können.

Welchen Weg die reformierten Kirchen und Theologen der Schweiz einschlagen werden? Ob auch wir als Synode der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt über unser Ehe- und Familienverständnis diskutieren werden?

Literatur:

Im Auftrag des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland herausgegeben vom Kirchenamt der EKD (2013) Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken – Eine Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-05972-3, oder via Internet

Päpstlicher Rat für die Familie (2000) Ehe, Familie und die „faktischen Lebensgemeinschaften“, via Internet

Die Zukunft der akustischen Landschaft Schweiz – eine Analyse von langfristigen Megatrends

Unsere Studie für das Bundesamt für Umwelt ist heute publiziert worden, sie ist via Internet als pdf in Deutsch, Französisch und Englisch verfügbar.

Auftrag

Um Impulse zur Entwicklung der zukünftigen Strategie der Lärmbekämpfung zu liefern, sollen lärmrelevante Zukunftstrends erkannt, beschrieben und mit Hilfe der DPSIR-Methode analysiert werden. Dabei soll einerseits ein langfristiger Zeithorizont gewählt werden, andererseits soll auf die bekannten und in der Fachwelt als wahrscheinlich angenommenen Trends fokussiert werden. (Kapitel 2)

Methodik

Um diese Trends beschreiben und analysieren zu können, soll mit sogenannten Megatrends gearbeitet werden. Megatrends sind langfristige soziale, ökonomische, politische oder technische Veränderungen, die Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Technologie über mehrere Jahrzehnte hinweg strukturell beeinflussen. Dabei gibt es keine verbindliche Definition und keinen abschliessenden Katalog, was Megatrends sind, vielmehr sollen diese aus relevanten Zukunftsstudien abgeleitet werden. (Kapitel 3.5.)

Um bewusst langfristig analysieren zu können, soll der Zeithorizont „2050“ verwendet werden, wobei dies nicht im kalendarischen Sinne gemeint ist. Vielmehr geht es darum, bewusst mit einem Zeithorizont zu arbeiten, der die üblichen politischen und behördlichen Planungs- und Entscheidungs-Zyklen übersteigt. Das Jahr 2050, also ein Zeithorizont von rund 40 Jahren, steht also als symbolischer Zeithorizont für nachhaltiges Planen. Die Chance einer derartig langfristigen Betrachtungsweise besteht darin, dass im Sinne der Früherkennung Veränderungen aufgespürt werden, die heute erst als schwache Signale eingestuft werden. Sie erscheinen somit heute gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich vielleicht noch nicht als relevant, könnten aber zukünftig sehr wohl eine grosse Bedeutung haben – sowohl als Risiko aber auch als Chance. (Kapitel 3.3, 5)

Zur Analyse der langfristigen Megatrends soll das DPSIR-Modell der Europäischen Umweltagentur als eine wichtige Methode zur Arbeit mit Umweltinformationen angewendet werden. Dabei zeigt die vorliegende Studie, dass die vorgegebene DPSIR-Methode an ihre Grenzen stösst, da Megatrends nicht einfach isolierbare „Driver“ mit eindeutiger Wirkungsweise sind, sondern ein komplexes Konglomerat von Treibern, Belastungen, neuen Zuständen, Wirkungen, Nebenwirkungen und Rückkopplungen darstellen, die aufgrund der Randbedingungen dieser Studie nicht tiefer behandelt werden konnten. (Kapitel 3.7, Anhang 1 Kapitel 8.2)

Weitere Methoden zur vertieften Beschäftigung mit möglichen zukünftigen akustischen Landschaften in der Schweiz sind das Arbeiten mit Zukunftsszenarien, das Arbeiten mit Wild Cards bzw. Black Swans, sowie die Modellierung von qualitativen oder quantitativen Prognosemodellen. Auf diese Methoden wurde aufgrund der Randbedingungen dieser Studie verzichtet. Die vorliegenden Erkenntnisse, Beschreibungen der Megatrends sowie Detailanalysen im Anhang stellen aber eine geeignete Grundlage für eine entsprechende Weiterarbeit dar. (Kapitel 3.6)

Megatrends

Aufgrund der Literaturrecherche wurden folgende acht Megatrends ausgewählt (Kapitel 3.5 und 6):

Tabelle 1: Kurze Beschreibung der acht Megatrends

Demografische Entwicklung Bevölkerungswachstum global und in der Schweiz, Migration in die Schweiz hinein, Strukturwandel in der Bevölkerung durch Langlebigkeit und niedrige Geburtenziffer
Technischer Fortschritt Fortschrittsglaube, Technikakzeptanz, Informations- und Kommunikationstechnologie, Digitalisierung, Cyber Space, Miniaturisierung, Datenschutz, Human Enhancement, Nebenwirkungen, Umweltbelastungen, Systemrisiken, Ethik
Globalisierung globale Vernetzung und Mobilität, Migrationsströme, Internationalisierung von Wirtschaft und Politik, Bedeutungszuwachs der supranationalen Organisationen
Verschärfung der ökologischen Situation Verknappung natürlicher Ressourcen, insbesondere fossile Energiequellen, Klima und Witterung, Ökosysteme, Biodiversität, Abfall
Urbanisierung Megacities, Verstädterung, verdichtetes Bauen, Nutzungsdurchmischung, globale Durchmischung der städtischen Kulturen und 24-h-Gesellschaft
Wirtschaftlicher Strukturwandel zur Informationsgesellschaft Weiterentwicklung von III. zum IV. Sektor und Dominanz des quartären Sektors in der Schweiz, Cyber Space, New Work
Komplexitäts-, Vernetzungs- und Mobilitätszunahme inkl. zunehmender Interaktionen und Kommunikation
Wachsende Bedeutung des Lifestyle of Health and Sustainability LOHAS als neuer Leitkultur Langlebigkeit, Wohlstand in der zweiten Lebenshälfte, hohe Sensibilität für persönliche Gesundheitsfragen, für ökologische und sozialethische Anliegen, persönliche Bereitschaft in technische und medizinische Innovationen zu investieren

Thesen als Fazit

Als Fazit der auf den Megatrends aufbauenden DPSI(R) Methode werden elf Thesen formuliert (Kapitel 7 und Anhang 1 Kapitel 8.2 bis 8.5):

T1 „Ruhe“ ist auch zukünftig ein wichtiger Standortfaktor für Wohnen, Wirtschaft und Erholung, aber durch zahlreiche Entwicklungen ist dieser Standortfaktor in unterschiedlicher Weise gefährdet.
T2 „Durch die Zunahme von Interaktion und Mobilität bleibt die Eindämmung und Lenkung von „Mobilitätslärm“ eine zentrale Aufgabe der Lärmpolitik.“
T3 „Der technische Fortschritt wird grosse Erfolge an technischen Lärmquellen ermöglichen – wenn dieser Fortschritt entsprechend gefordert und gefördert wird.“
T4 „Technische Standards werden globalisiert werden.“
T5 „Der gesellschaftliche Konsens über Tageszeiten geht verloren, insbesondere über Mittags- und Nachtruhe sowie Feiertagsruhe.“
T6 „Der gesellschaftliche Konsens über das Verständnis von Lärm und Ruhe geht verloren.“
T7 „Nachbarschaftliche Konflikte aufgrund störender Geräusche werden zunehmen und aggressiver ausgetragen.“
T8 „Der Umgang mit Alltags- und Freizeitlärm wird an Bedeutung für die Lärmpolitik gewinnen. Diese Problematik kann nicht mit den bisherigen, quantitativ orientierten Ansätzen bewältigt werden.“
T9 „Im urbanen Raum wird das Bedürfnis nach Ruhe-Inseln in Fussdistanz zum Arbeitsplatz und zur Wohnung stark ansteigen.“
T10 „Die Akzeptanz von künstlichen Indoor-Lösungen als Erholungs- und Ruheräume wird steigen“
T11 „Umgang mit Lärm wird Bestandteil eines umfassenden Gesundheitsverständnisses werden.“

 

Hoffnungsbarometer 2013 Schweiz: 1. Die wichtigsten Resultate


Die „Helden des Alltags“ stabil an der Spitze als Hoffnungsträger 2013

  • Wie im Vorjahr betrachten die deutliche Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer (62%) primär „die vielen Helden des Alltags ohne grossen Namen“ als ihre Hoffnungsträger. Bundesräte oder Wirtschaftskapitäne werden von weniger als 10% gewählt.
  • Als Ausnahme stößt der im November frisch wiedergewählte US-Präsident Barak Obama mit 43% in die Spitzengruppe vor. Als er 2009 den Friedensnobelpreis erhielt, wurde er bereits einmal auf Platz 1 gewählt und tauchte in den Zwischenjahr auf die Plätze 4 bzw. 7 ab.


  • Die Insel der Hoffnung für 2013
  • Privat sind die Schweizerinnen und Schweizer optimistisch für das Jahr 2013 eingestellt (total 74%).
  • Auch für die nationale Politik (61%) und die nationale Wirtschaft (61%) überwiegt die optimistische Sicht auf 2013.
  • Kritischer sieht es mit der globalen Sicht aus: rund 70% sind pessimistisch für die globale Politik und Wirtschaft gesinnt. Für humanitäre Anliegen wie die Friedenssicherung oder die Bekämpfung von Hungersnöten sind über 75% pessimistisch eingestellt.
  • Auffällig: Je näher die eigene Betroffenheit ist, desto grösser ist der Optimismus – ist das nun ein Zeichen für Engagement und Verantwortungsübernahme im eigenen Bereich, den man selbst überblicken und beeinflussen kann? Oder eher ein Rückzug aus den globalen, ökologischen und humanitären Herausforderungen und Krisen?

Nahe Beziehungen in Familie und Lebenspartnerschaft sind weiterhin der primäre Hort der Hoffnung

  • Die „glückliche Ehe, Familie, Partnerschaft“ ist für 89% die am meisten gewählte sehr wichtige persönliche Hoffnung – noch deutlich vor der persönlichen Gesundheit mit 82% und deutlich höher gewichtet als die in der Umfrage abgefragten gesellschaftlichen Hoffnungen.
  • Trotz vielfältigen Theorien über weak ties, Social Medias im Cyber Space, global business oder supranationale Organisationen – Hoffnung als Wille zur Zukunft wird in der Schweiz primär durch die engen sozialen Beziehungen im familiären und privaten Umfeld geprägt.
  • Mit dem Ehe-/Lebenspartner (Platz 4), den eigenen Kindern (6) und den eigenen Eltern (8) belegen drei Kategorien von Familienangehörigen einen Drittel der Top Ten bei den Hoffnungsträgern für das kommende Jahr.
  • So stehen auch bei den Personengruppen, die in besonderer Weise Hoffnung stiften sollten, das engste (familiäre) Umfeld auf den Spitzenplätzen: der Ehe-/Lebenspartner ist entsprechend für 78% sehr wichtig, die Eltern/Grosseltern seit Jahren in ihrer Bedeutung wieder anwachsend nun für 72% und die Freunde für 70%.
  • Auch bei den eigenen Aktivitäten ist für 47% das Gespräch mit dem Lebenspartner bzw. für 41% die Motivation der Familie und für 39% die Motivation der Freunde sehr wichtig.
  • Bei den verschiedenen Indices als Komponenten des Hoffnungsbarometers schwingt entsprechend auch der Beziehungs-Index mit 4.08 Punkten (bei einer Skala von 1 bis 5) oben auf.

Selbstvertrauen und Eigenverantwortung weniger wichtig?

  • Obwohl wie schon im Vorjahr „Ich übernehme Verantwortung und engagiere mich“ für 63% sehr wichtig und somit auf Rang 1 der eigenen Massnahmen zur Erfüllung der eigenen Hoffnung steht, könnte sich eine Krise von Selbstvertrauen und Eigenverantwortung andeuten:
  • So ist bei den wichtigsten Hoffnungsträgern „Ich setze meine Hoffnung auf mich selbst“ in den letzten drei Jahren schrittweise vom 1. auf den 3. Rang zurückgefallen. Entsprechend ist auch bei den Personengruppen, die in besonderer Weise Hoffnung vermitteln sollen, die „Eigenverantwortung“ in den letzten vier Jahren vom 1. auf den 6. Rang zurückgefallen.
  • Demgegenüber steigt die Erwartungshaltung an die „Profis“: „Ärzte und Psychologen“ sind auf den 4 und „Lehrpersonen“ sind auf den 5. Rang vorgerückt. Deutet sich hier ein Fatalismus an, dass es zukünftig „die Profis“ richten sollen? Oder empfinden die Teilnehmenden eine Ohnmacht gegenüber immer komplexer und dynamischer werdenden Entwicklungen?
  • Ebenso ist die „persönliche Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“ nach drei Jahren auf Spitzenplätzen aus den Top Ten herausgefallen. Deutet sich hier eine Rochade mit dem Wert „Sicherheit“ an?

Gesellschaftliche Hoffnungen sind stark von der medialen Präsenz und der politischen Aktualität geprägt

  • Bei der Frage nach den gesellschaftlichen Hoffnungen fällt über die Jahre auf, dass hier wahrscheinlich die mediale Präsenz und tagespolitische Aktualität der Treiber ist.
  • War der Religionsfriede Ende 2009 angesichts der Minarett-Abstimmung noch auf dem 5. Platz, so ist dieses Thema nun seit Jahren wieder verschwunden.
  • Die Hoffnung des „Erfolgs gegen den Klimawandel“ scheint in einer Rochade mit der Hoffnung auf „neue Energiequellen als Ersatz für Öl, Uran und Erdgas“ getauscht zu haben.
  • Und die Hoffnung auf „weniger Kriminalität“ ist gemeinsam mit der Hoffnung auf „sozialen Frieden“ auf den 1. Platz vorgestossen. Sowohl bei der Hoffnung auf „weniger Kriminalität“ wie auch auf „weniger Jugendgewalt“ fällt zudem die Korrelation mit dem Ausbildungsniveau und dem Geschlecht auf: schlecht ausgebildeten Frauen sind diese Aspekte wichtiger als gut ausgebildeten Männern.

Kuriosum: Welche Minderheit will eigentlich die Frauenquote?

  • Trotz der hohen medialen Präsenz in den letzten Monaten: Bei der Frage nach den gesellschaftlichen Hoffnungen für 2013 fand die „Frauenquote“ keine Beachtung. Sowohl bei den Männern wie auch bei den Frauen landete sie auf dem letzten Rang: mit 1.535 Punkten bei einer Skala von 1-3.

Zur Umfrage:

Die grosse, breit abgestützte Hoffnungsumfrage (Hoffnungsbarometer) wurde im November 2012 zum vierten Mal gemeinsam mit 20 Minuten als Medienpartner und über diverse Social Media Kanäle durchgeführt – mit 7’575 Teilnehmenden aus der Schweiz und 11’339 Teilnehmenden aus Deutschland.

Erstmals wurde dieses Jahr die Umfrage auch in der welschen Schweiz und in Deutschland durchgeführt. Für die Romandie konnte 20minutes als Medienpartner gewonnen werden, für Deutschland die Bild-Zeitung.

  • Für die Auswertung in der Schweiz wurden 4’456 vollständige Fragebögen aus der Schweiz mit 149 Variablen ausgewertet.
    • 3’794 aus der Deutschschweiz
    • 662 aus der Suisse romande / Romandie / französischsprachigen Schweiz
  • Für die Auswertung in Deutschland wurden 6’956 vollständige Fragebögen aus Deutschland ausgewertet.

Verantwortlich für die Umfrage sind der Initiant Dr. Andreas M. Walker, Gründer von weiterdenken.ch und Co-Präsident von swissfuture, der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung, und der akademische Leiter Dr. Andreas Krafft, Mitglied von swissfuture, Dozent an der Universität St. Gallen. Swissfuture ist eine Mitgliedsgesellschaft der SAGW Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften.

Medienkontakte: Dr. Andreas M. Walker

Hoffnungsbarometer 2013 Deutschland – die wichtigsten Resultate

Einleitung

Die grosse, breit abgestützte Hoffnungsumfrage (Hoffnungsbarometer) wurde vom 19. – 30. November 2012 zum ersten Mal gemeinsam mit BILD als Medienpartner und über diverse Social Media Kanäle in Deutschland durchgeführt – 11’339 Personen aus Deutschland haben teilgenommen.

Die Hoffnungsumfrage (Hoffnungsbarometer) basiert auf der mehrjährigen Erfahrung der schweizerischen Hoffnungsumfrage, die im November 2012 zum vierten Mal in der Schweiz gemeinsam mit 20 Minuten als Medienpartner und über diverse Social Media Kanäle durchgeführt wurde. 7’575 Personen haben in der Schweiz teilgenommen.

Die vorliegende Studie bezieht sich auf die Auswertung der deutschen Daten, 6’956 vollständige Fragebögen wurden ausgewertet. (Die mehrheitlich unvollständigen sowie offensichtlich absichtlich falschen oder mit obszönen und rassistischen Bemerkungen ausgefüllten Fragebogen wurden eliminiert.)

Verantwortlich für die Umfrage sind der Initiant Dr. Andreas M. Walker, Gründer von weiterdenken.ch und Co-Präsident von swissfuture, der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung, und der akademische Leiter Dr. Andreas Krafft, Mitglied von swissfuture, Dozent an der Universität St. Gallen. Swissfuture ist eine Mitgliedsgesellschaft der SAGW Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften.

Weitere Details finden Sie auf Internet: http://www.hoffnungsbarometer.com

Die wichtigsten Erkenntnisse

Grosse persönliche Hoffnungsträgerinnen und Hoffnungsträger

Die „Helden des Alltags“ liegen gemeinsam mit den „Ehe-/LebenspartnerInnen“ nahe an der Spitze.

„Ich selbst“ liegt als Hoffnungsträger in eigener Sache auf Platz 3 – dies zeugt eigentlich von einem gesunden Selbstbewusstsein – Hoffnung bedeutet, an die eigene Zukunft zu glauben, Hoffnung bedeutet, das eigene Schicksal prägen zu wollen.

4 Gruppen des unmittelbaren familiären Umfeldes liegen unter den ersten sechs: Ehe/Lebenspartner, Ich selbst, Kinder/Enkel, Eltern/Grosseltern (Hier ist der einzige geschlechtsspezifisch grosse Unterschied: m: 22%, f: 35%)

Gott, als religiöses Verständnis eines übermächtigen Schicksal, rangiert zwar noch unter den Top Ten, aber doch erst auf Platz 7. Erstaunlich: Zwar nennen 22% „Gott“ als Hoffnungsträger, aber nur 11% nennen Jesus Christus. Was feiert Deutschland eigentlich noch an Weihnachten, wenn die Adventszeit als Erwartung des „Messias“ nicht mehr als „das“ Fest der Hoffnung verstanden wird? D.h. ein knappes Viertel der Teilnehmenden glaubt zwar an einen „Gott“ – aber offensichtlich nicht mehr an einen, der in direktem Zusammenhang mit der biblisch-christlichen, weihnächtlichen Jesus Christus-Botschaft verbunden ist. Damit keine vorschnellen Fehlinterpretationen aufkommen: es handelt sich nicht um eine Islamisierung, da nur 2% „Allah“ gewählt haben. Ebenfalls erstaunlich ist, dass die „Generation Benedikt“ nicht besser erkennbar ist, da auch der aktuelle Papst nur zu 2% gewählt wurde. Demgegenüber ist erstaunlich, dass mit 3.8% knapp doppelt so viele den Dalai Lama genannt haben. Oder lesen die deutschen Christen keine Bild-Zeitung und haben deshalb gar nicht an der Umfrage teilgenommen?

Aus Aussensicht erstaunlich ist, dass die „starken Männer und Frauen Deutschland“ hinten klassiert sind. Zwar stößt der soeben wiedergewählte US-Präsident Obama mit 27% auf den fünften Rang vor, die wichtigste deutsche Politikerin Angela Merkel liegt aber mit 18% auf dem achten Rang deutlich dahinter. Ebenso wurden andere Politgrössen wie Gauck von nur 11% oder Steinbrück von nur 5% genannt. Beachtenswert – auch der eigene Chef/Vorgesetzte ist nur für 4% ein Hoffnungsträger – nur einen Rang vor dem Dalai Lama bzw. zwei Ränge vor Jogi Löw.

Die grossen persönlichen Hoffnungen

Die Hoffnungen auf „Persönliche Gesundheit“, „glückliche Ehe/Familie“ und „Harmonie im Leben“ liegen auf den Spitzenplätzen und zeigen, dass das unmittelbare Leben Priorität geniesst. Beachtenswert ist, dass diese Anliegen noch vor den wirtschaftlichen Anliegen eines sicheren Arbeitsplatzes, vor mehr Geld oder Erfolg am Arbeitsplatz liegen. Beachtenswert ist auch, dass „sichere Arbeit“ vor „sinnvoller Arbeit“ und vor „Erfolg in der Arbeit“ liegen. Offensichtlich nur untergeordnete Themensind : mehr Sex, religiöse Erfahrungen sowie Einfluss und Macht über Menschen.

Die grossen gesellschaftlichen Hoffnungen

In Analogie zur persönlichen Hoffnung „persönliche Gesundheit“ sind auch die „neuen Heilmittel und Therapien“ auf einem Spitzenplatz, gemeinsam mit den Anliegen der inneren Sicherheit: „Weniger Kriminalität“ und „weniger Jugendgewalt“

Beachtenswert: Die wirtschafts-politischen Kernthemen sind breit gestreut, die Bildung steht dabei im Vordergrund, „Mehr Innovation und Fortschritt“ ist weit abgeschlagen. Beachtenswert: die „grünen Anliegen“ sind deutlich zweitrangig, dabei liegt die Hoffnung auf „Keine Umweltkatastrophen“ deutlich vor „neue Energiequellen“ und vor „Erfolg gegen Klimawandel“. Beachtenswert: Trotz der politisch und medial präsenten Thematisierung des Islamismus ist die Bedeutung der Hoffnung auf „Religionsfriede“ weit abgeschlagen

Kuriosum: Obwohl in Politik und Medien zunehmend thematisiert, landet die „Frauenquote“ als gesellschaftliche Hoffnung deutlich auf dem letzten Platz (1.53 bei einer Skala Range von 1-3)

Berufe und Personengruppen, die in besonderer Weise Hoffnung vermitteln sollten

Familienangehörige und „Profis“ wechseln sich in den Spitzenrängen ab: Ehe/Lebenspartner auf Rang 1, Eltern/Grosseltern auf Rang 3, Freunde auf Rang 4, Kinder/Enkel immerhin noch auf Rang 7. Die Gesundheitsberufe belegen den 2. Rang, die Bildungsberufe den 5. Rang.

Politiker/innen belegen zwar erst den 8.Rang, liegen aber immer noch deutlich vor Kirche, Wirtschaft und Medien.

Die Exponenten aus Wirtschaft und Medien scheinen für das Verständnis von Hoffnung keine Rolle zu spielen, sie erhalten weniger als zwei Punkte und landen deutlich abgeschlagen im hinteren Drittel – noch hinter den Vertretern der Religionen.

Aktivitäten, die Sie selbst unternehmen, damit sich Ihre Hoffnungen erfüllen

Deutschland scheint noch immer ein Land der „Denker“ (und Dichter?) zu sein. Dabei scheint auch Eigenverantwortung und eigenes Engagement ein wichtiges Thema zu sein.

Hoffnung wächst auch aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld von Familie und Freunden heraus: Rang 3: Familie, Rang 4: Ehepartner, Rang 5: Freunde

Die religiösen Verhaltensmuster sind nur noch für eine Minderheit eine Option (Gottvertrauen, Gebet, Kirchgang) (Werte liegen unter 2) Auch das eigene politische Engagement scheint in Deutschland keine Option zu sein.

Sprachlich beachtenswert: „Hoffnung“ wird also nicht etwa mit Beten und Glauben, sondern mit Denken und Analysieren verbunden – und mit gelebten Beziehungen.

Mit welcher Grundstimmung erwarten Sie das Jahr 2013? D 2013

Für das eigene private Leben sind die Teilnehmenden eher optimistisch. Für alle anderen Bereiche eher pessimistisch. Für die Entwicklung der Energiepreise gar gegen sehr pessimistisch. Je näher die Betroffenheit liegt, desto grösser ist der Optimismus. Für die Wirtschaft eher etwas optimistischer als für die Politik

Wie optimistisch/pessimistisch sind Sie für Ihr privates Leben für 2013?

Im Durchschnitt hat die deutsche Bevölkerung eine optimistische Grundstimmung was ihr privates Leben im kommenden Jahr 2013 anbelangt. Überaus optimistisch für ihr privates Leben sind Familien und Menschen, die in einer Partnerschaft leben. Insbesondere jene im Alter bis 39. Frauen sind leicht optimistischer als Männer. Je höher die Ausbildung, desto ausgeprägter ist der Optimismus. Weniger optimistisch blicken Singles und Alleinerziehende im Alter zwischen 30 und 60 auf das neue Jahr.

Wie optimistisch/pessimistisch sind Sie für die nationale/globale Wirtschaft und Politik für 2013?

Generell ist die deutsche Bevölkerung wenig optimistisch was die Entwicklungen in Wirtschaft und Politik für 2013 anbelangt, sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene. Frauen sind etwas pessimistischer als Männer. Die negative Haltung der wirtschafts-politischen Entwicklungen in 2013 gegenüber nimmt mit dem Alter zu. Besonders pessimistisch sind Menschen mit lediglich Hauptschulabschluss im Alter zwischen 30 und 39 Jahren sowie Alleinerziehende zwischen 40 und 49.

Wie optimistisch/pessimistisch sind Sie für Klima und Umwelt, Frieden in Asien/Afrika und für die Bekämpfung von Hungersnöten für 2013?

Auch dieser Frage steht die deutsche Bevölkerung im Allgemeinen eher pessimistisch gegenüber. Ältere Menschen sind besonders pessimistisch, besonders wenn sie lediglich einen Hauptschul- oder Realschulabschluss haben.

Wie glücklich ist die deutsche Bevölkerung mit ihren Beziehungen zu anderen Menschen?

Beziehungen, die Hoffnung stärken, basieren auf positive Erlebnisse mit Partnern, Familienangehörigen und Freunden, die von Offenheit, gegenseitiges Verständnis, Respekt, Vertrauen und Hilfsbereitschaft gekennzeichnet sind. In Deutschland scheinen Frauen mit ihren sozialen Beziehungen zufriedener zu sein als Männer. Menschen mit einer höheren Ausbildung sind im Allgemeinen zufriedener mit ihren sozialen Beziehungen als weniger gebildete Menschen. Besonders zufrieden mit ihren sozialen Beziehungen sind die Menschen im Alter zwischen 60 und 69.

Persönliche Fähigkeit, Kompetenz und Engagement, um persönliche Ziele zu erreichen (Snyder)

Wir fragten die deutsche Bevölkerung nach ihrer persönlichen Fähigkeit und ihrem Engagement bzw. ihrer Ausdauer, eigene Ziele zu verfolgen und zu erreichen. Hier zeigte sich, dass je höher das Ausbildungsniveau ist, desto stärker sind auch das Engagement und die Ausdauer. Interessanterweise ist nebst dem Ausbildungsniveau bei Menschen, die Familie mit Kindern haben oder mit eine/m Partner/in zusammenleben, dieses Engagement etwas stärker ausgeprägt, besonders bei Männern. Mit dem Alter nimmt diese Kompetenz ebenfalls tendenziell zu.

Optimistische Grundstimmung der Zukunft gegenüber.

Optimismus
bezieht sich auf die grundsätzliche Haltung, dass gute und positive Dinge im Leben geschehen werden. Aufgrund der Umfrage konnten wir feststellen, dass auch hier das Bildungsniveau die stärkste Ursache für eine optimistische Grundstimmung ist. Des Weiteren haben jüngere Menschen eine eher optimistischere Grundstimmung. Ebenfalls fördert das Leben in einer Familie oder in einer festen Beziehung eine optimistische Grundstimmung der Zukunft gegenüber. Frauen und Männer unterscheiden sich diesbezüglich nicht signifikant.

Wie wichtig ist Hoffnung für die Bewältigung des eigenen Lebens? Überwiegen die Hoffnungen oder die Ängste?

Mit zunehmendem Alter werden das Gefühl der Hoffnung und die Bedeutung von Hoffnung wichtiger. Für jüngere Menschen (bis 40 jährig) scheint Hoffnung weniger von Bedeutung zu sein bzw. ist die Hoffnungskompetenz noch weniger ausgeprägt. Für Frauen spielt Hoffnung eine wichtigere Rolle als für Männer. Je höher die Ausbildung desto stärker ist die Hoffnungskompetenz. Diese Personengruppen fühlen sich eher hoffnungsvoll in ihrem Leben und können auch in schwierigen Zeiten hoffnungsvoll bleiben. Singles und Alleinerziehende weisen diesbezüglich niedrigere Werte auf.

Wie sinnvoll erleben Sie Ihr eigenes Leben?

Das Empfinden des eigenen Lebens als sinnvoll gründet vor allem in der Wahrnehmung einer erfüllenden Aufgabe und/oder der Möglichkeit, anderen Menschen helfen zu können. So zeigt sich innerhalb der deutschen Bevölkerung, dass Familien mit Kindern, vor allem Frauen, ein stärkeres Gefühl von Sinnhaftigkeit erleben. Alleinstehende Männer zwischen 40 und 49 weisen die niedrigsten Sinn-Werte aus. Eine höhere Ausbildung trägt positiv zum Erleben von Sinnhaftigkeit im Leben bei.

Wie stark erleben Sie positive Gefühle in Ihrem Leben?

Positive Gefühle sind angenehme Eindrücke, die im Zusammenhang mit dem Erleben schöner Situationen entstehen. In Deutschland zeigen ältere Menschen im Durchschnitt positivere Gefühle als jüngere Personen. Menschen mit einer höheren Ausbildung sowie Menschen die in einer Partnerschaft oder Familie leben, empfinden im Allgemeinen häufiger positive Gefühle und seltener Gefühle wie Traurigkeit, Verzweiflung oder Sorge.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben?

Lebenszufriedenheit gründet auf Aspekten wie persönlichem Wohlbefinden, wahrgenommener Lebensqualität sowie einem allgemeinen Glücksgefühl. Eine Ursache für Lebenszufriedenheit ist die Erfüllung begehrter Lebensziele. Zur allgemeinen Lebenszufriedenheit tragen vor allem familiäre Beziehungen und/oder Partnerschaften bei. Singles und Alleinerziehende sind mit ihrem Leben weniger zufrieden. Ältere Menschen (60+) berichten über eine stärkere Lebenszufriedenheit als jüngere Personen. Eine höhere Ausbildung schlägt sich positive auf die Lebenszufriedenheit nieder.

Wie wichtig ist Religion/Spiritualität in Ihrem Leben?

Eine positive Religiosität/Spiritualität kann Menschen bei der Bewältigung von Schicksalsschlägen und Problemen unterstützen. In Deutschland scheint Religiosität/Spiritualität in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle zu spielen. Je höher das Alter, desto wichtiger wird die Bedeutung von Religion und Spiritualität für die Menschen. Für Frauen, insb. bei Familien mit Kindern und Alleinerziehenden, ist Religiosität/Spiritualität von grösserer Bedeutung als für Männer.

Das Hoffnungsbarometer wurde unter der Leitung von Dr. Andreas M. Walker und Dr. Andreas Krafft entwickelt und ausgewertet. Es konnte dank der Unterstützung der Firma Innotix AG mit dem Umfragetool InnoSurvey realisiert werden.

Kennzahlen zur Struktur und Qualität der Daten-Stichprobe des Hoffnungsbarometers 2013 in Deutschland

Methode:    Online-Befragung

Instrument:     Elektronischer Fragebogen

Grundgesamtheit:     web- und e-mail-aktive Personen aller Altersgruppen aus der Schweiz

Sample-Größe:     11’339 Teilnehmende; 6’956 ausgewertete Fragebögen

Repräsentativität:     breit abgestützte Umfrage durch die Zusammenarbeit mit Bild als Medienpartner, mit seniorweb und swissfuture sowie breiter Präsenz auf diversen Social Media Plattformen

Statistischer Stichprobenfehler:    ±1.5 Prozentpunkte für Gesamtsample

Erhebungszeitraum:     19.11.2012 – 30.11.2012

Studienleitung:     Dr. Andreas M. Walker und Dr. Andreas Krafft

Kontakt:     walker@weiterdenken.ch

Zitierweise:     Verwendung unter Quellenangabe gestattet

Für die Detailauswertung fokussieren wir auf diejenigen Fragebogen

  • die vollständig ausgefüllt waren
  • die nicht offensichtlich mit Obszönitäten u.ä. ausgefüllt waren

Dies entsprach 6’956 ausgewerteten Fragebogen von insgesamt 11’339 Fragebogen. Deren demografische Struktur sieht wie folgt aus: