Sehnsucht nach mehr Ruhe und Ordnung in der Schweiz?

Die Hoffnungen auf intakte und harmonische Beziehungen im nahen sozialen Umfeld, nach persönlicher Gesundheit und nach einer sinnvollen Aufgabe belegen auch im Hoffnungsbarometer 2014 Schweiz die Spitzenpositionen. Auffällig ist aber, dass gegenüber dem Vorjahr die Bereiche „Ordnung“ / „Sicherheit“, zugleich aber auch „Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“ wie auch „Freizeit“ / „Zeit zur Entspannung“ einen Bedeutungszuwachs erfahren. Scheinbar ein Widerspruch, den gemeinhin werden diese Begriffe eigentlich den unterschiedlichen Sozialmilieus „Neo-Konservativ“, „Liberal“ und „Hedonistisch“ zugeordnet.

0 = nicht wichtig ; 1 = teils teils ; 2 = sehr wichtig

Bei der Detailanalyse zeigen sich einige interessanten Aspekte:

Effektiv lassen sich anhand der Beantwortung der persönlichen Hoffnungen vier Milieus definieren, die in sich eine relativ hohe Korrelation aufweisen:

  • Milieu „Hoffnung auf ein geruhsames Leben“, mit starken Korrelationen für „Persönliche Gesundheit“ + „Mehr Sicherheit im persönlichen Umfeld“ + „Harmonie im Leben“ + „Ordnung in meinem Leben“
  • Milieu „Beziehungsorientiert“, geprägt durch „Gute und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen“ + „Sinnvolle und zufriedenstellende Aufgabe“ + „Anderen Menschen helfen können“
  • Milieu „Hedonismus“ mit den korrelierenden Hoffnungen „Mehr Freizeit“ + „Mehr Zeit zur Entspannung“ + „Mehr Spass mit Freunden“ + „Mehr Sex“
  • Milieu „Beruf“, bestimmt durch „Erfolg am Arbeitsplatz (Bonus, Beförderung)“ + „Mehr Geld“ + „Sicherer Arbeitsplatz“

Die Hoffnung auf „Ordnung in meinem Leben“ zeigt eine auffällige Altersverteilung: So weisen einerseits Jugendliche einen erstaunlich hohen Wert auf, andererseits ist diese Hoffnung bei den über 50 Jährigen wieder stark vertreten. Gesellschaftlich bedeutend wird dieses Phänomen, da die grösste Alterskohorte, die sogenannten „Babyboomer“ nun genau in dieses Alter hineinwachsen. So ist anzunehmen, dass dieses Bedürfnis in den kommenden Jahren weiter zunehmen und politische und wirtschaftliche Effekte zeigen wird.

0 = nicht wichtig ; 1 = teils teils ; 2 = sehr wichtig

Die vorschnelle politische Prognose, dass diese Generation nun zukünftig aufgrund ihrer Alterung in typische „law and order“ Muster fallen könnte, ist aber nicht zulässig. Denn für die Hoffnung auf „mehr Sicherheit im persönlichen Umfeld“ lässt sich keine Abhängigkeit vom Alter erkennen. Und zugleich misst dieselbe Alterskohorte der liberalen Hoffnung auf „persönliche Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“ eine hohe Bedeutung zu – wesentlich höher als bei den unter 50 Jährigen. Wobei hier anzunehmen ist, dass dabei die finanzielle Absicherung, die körperliche Mobilität und die körperliche Gesundheit im Fokus stehen.

0 = nicht wichtig ; 1 = teils teils ; 2 = sehr wichtig

Auffällig ist auch die unterschiedliche Gewichtung der Hoffnungen auf „Mehr Freizeit“ und auf „Mehr Zeit zur Entspannung“. So nimmt die in jungen Jahren wichtige Hoffnung auf „Mehr Freizeit“ mit dem Alter schrittweise ab, wird aber wohl durch das Bedürfnis nach mehr Entspannung ersetzt.

Hoffnungsbarometer 2014: Schweizer wollen sinnvolle Arbeit

Allgemeine Info

Bereits zum fünften Mal erhoben Dr. Andreas M. Walker und Dr. Andreas Krafft von swissfuture.ch im November 2013 das Hoffnungsbarometer für das kommende Jahr mit einer grossen Internet-Umfrage in deutscher, französischer, englischer und erstmals auch in tschechischer Sprache. 21’812 Personen aus der Schweiz, Deutschland, Tschechien, Frankreich und weiteren Ländern nahmen dieses Jahr an der Umfrage teil. Für die Schweiz wurden 2’936 vollständige und korrekte Fragebogen ausgewertet. Für das schweizerische Sample betrug der statistische Stichprobenfehler ±1.8 Prozentpunkte. Dies ist ein sehr guter Wert, so dass von einer breit abgestützten Umfrage gesprochen werden kann.

swissfuture ist die Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung und wurde 1970 gegründet. Co-Präsidenten von swissfuture sind Dr. Andreas M. Walker und Cla Semadeni. swissfuture fördert als parteipolitisch und religiös neutraler Verein und Mitglied der Schweizerischen Akademie für Geistes- und Sozialwissenschaften SAGW die Zukunftsforschung und -gestaltung in der Schweiz und macht deren Ergebnisse der Bevölkerung zugänglich. swissfuture führt Tagungen, Seminare und Studien durch und äusserst sich in den Medien zu Zukunftsfragen. Vgl. www.swissfuture.ch

Dr. Andreas M. Walker ist seit 2009 Initiator und Gesamtverantwortlicher des Hoffnungsbarometers. Er ist Co-Präsident von swissfuture und Leiter des Think Tanks „weiterdenken.ch – your partner for future, hope & responsibility„. Vgl. www.weiterdenken.ch . Dr. oec. HSG Andreas Krafft ist seit 2012 der akademische Leiter des Hoffnungsbarometers. Er ist designiertes Vorstandsmitglied von swissfuture, Strategieberater und Dozent an der Universität St. Gallen. Stefan Schwarz begleitet das Projekt als Psychotherapeut.

Die Studie wurde international begleitet: Frau Prof. Dr. Tatjana Schnell, Universität Innsbruck, die führende Sinn-Forscherin Österreichs, Frau Prof. Dr. Alena Slezáčková, Masaryk University, Brno, führende Spezialistin für positive Psychologie der Tschechischen Republik, Prof. Dr. Charles Martin-Krumm, Maître de Conférences à l’Institut Universitaire de Formation des Maîtres de Rennes.

Erwartungshaltung für das kommende Jahr 2014

1 = sehr pessimistisch; 2 = eher pessimistisch; 3 = ausgewogen; 4 = eher optimistisch; 5 = sehr optimistisch

Entwicklung über die letzten Jahre

Die Erwartungshaltung für das private Leben bewegt sich seit Jahren auf der optimistischen Seite.

Für die wirtschaftlichen Erwartungen zeigt sich nach einem Tiefpunkt für Jahr 2012 nun bereits das zweite Mal eine steigende Erwartungshaltung für das kommende Jahr und tendiert nun nicht mehr auf die pessimistische Seite. Damit hat auch bereits das zweite Mal die Erwartungshaltung an die Wirtschaft jene an die Politik deutlich überholt.

Für 2011 Für 2012 Für 2013 Für 2014
Für mein privates Leben 3.6 3.96 3.93 3.88
  +10% -1% -1%
    -2%
Für die nationale Politik 2.49 2.76 2.73 2.68
  +11% -1% -2%
    -3%
Für die nationale Wirtschaft 2.93 2.6 2.83 3.02
  -11% +9% +7%
    +16%

Bei grossen persönlichen Hoffnungen für 2014 sind enge soziale Beziehungen und eine sinnvolle Arbeit wichtiger als Geld oder Karriere

Zum wiederholten Mal ist die „glückliche Ehe, Familie, Partnerschaft“ die grösste persönliche Hoffnung, noch vor der „persönlichen Gesundheit“. Spitzenpositionen belegen Hoffnungen für das enge soziale Umfeld, berufliche Anliegen rangieren deutlich weiter hinten.

Sinnvolle Arbeit wichtiger als Karriere

Die Hoffnung auf eine „sinnvolle Aufgabe“ ist grösser als auf einen sicheren Arbeitsplatz bzw. auf Erfolg am Arbeitsplatz. Im Sinne der Maslow’schen Bedürfnispyramide ist in der Schweiz anscheinend die Furcht vor einem Arbeitsplatz oder das existentielle Bedürfnis nach Einkommen relativ gering:

Hoffnung2010 Hoffnung2011 Hoffnung2012 Hoffnung2013 Hoffnung2014
Erfolg am Arbeitsplatz Erfolg am Arbeitsplatz Sinnvolle Arbeit Sinnvolle Arbeit Sinnvolle Arbeit
Sicherer Arbeitsplatz Sinnvolle Arbeit Erfolg am Arbeitsplatz Sicherer Arbeitsplatz Sicherer Arbeitsplatz
Sicherer Arbeitsplatz Sicherer Arbeitsplatz Erfolg am Arbeitsplatz Erfolg am Arbeitsplatz

Bei Berufsgruppen spielen Wirtschaftsgrössen nur eine kleine Rolle als Hoffnungsträger

Personen aus dem unmittelbaren familiären oder sozialen Umfeld sind wichtiger für die Hoffnung als Wirtschaftsgrössen.

0 = nicht wichtig ; 1 = teils teils ; 2 = sehr wichtig

Die neue Umfrage “Hoffnungsbarometer 2014″ ist gestartet

Heute sind wir mit der neuen Umfrage gestartet:

Auf deutsch: http://www.hoffnung2014.com

En français: http://www.espoir2014.com

Wir konnten den Fragebogen nochmals entscheidend weiterentwickeln und danken für die Zusammenarbeit mit: