Wie werden die Schweizer Städte in der Zukunft aussehen? Entstehen glitzernde Wolkenkratzer und hängende Gärten? Geprägt werden die Städte der Zukunft mit grosser Wahrscheinlichkeit von älteren Menschen und von Frauen. Und es wird sich zeigen, dass die Science-Fiction Filme mit ihren kühnen Visionen nicht immer Unrecht haben.

Städte sind seit historischen Zeiten der Brennpunkt menschlichen Zusammenlebens, Wirtschaftens und Politisierens. Dabei gilt das traditionelle bildungsbürgerliche Interesse nicht nur dem Blick zurück auf die grossen Zentren der Antike wie Athen oder Rom, unser christlich-europäischer Kulturraum kennt seit rund 2000 Jahren auch die grosse Sehnsucht nach einer perfekten Zukunftsstadt. Etwa dem himmlischen Jerusalem, das im Gegensatz zu Babylon steht.
Und bereits in diesem alten symbolischen Gegensatzpaar verdeutlicht sich die Spannung zwischen Traum und Alptraum, die sich in den aktuellen Zukunftsbildern in Politik, Fachstudien, Science Fiction, Filmen und Games immer wieder abbildet.
Bereits heute leben in der Schweiz knapp drei Viertel der Bevölkerung in städtischen Gebieten. Weltweit geht die UN davon aus, dass noch in unserer Generation über 70 Prozent der Weltbevölkerung in Megacities mit mehr als 10 Millionen Einwohnern leben werden. Kein Wunder, dass also gerade die Stadt der Zukunft sowohl fantastische Visionen, wie auch schreckliche Ängste freisetzt. Sie steht als Kombination von menschgeschaffener Infrastruktur und sozialem Zusammenleben für kühne Ideen und grosse Emotionen.
Science Fiction und Zukunftsstudien als Orientierungslinien
Seien es Jules Vernes fantastische Romane aus dem 19. Jahrhundert oder die zahlreichen Science Fiction Filme aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – die Stadt der Zukunft wird als Projektionsfläche von Fortschritt verstanden. Dabei wächst sie in alle Richtungen: in die Breite, in die Höhe und in die Tiefe. Die Stadt steht für grossen, menschgewollten Fortschritt. Und mit grossem, technologischem Heilsglauben wird in Science Fiction und Future Studies optimistisch darauf vertraut, dass Fragen von Verkehr, Logistik, Energie und Sicherheit gelöst werden können. Rückblickend ist es in der Tat erstaunlich, wie viele Phänomene und technische Hilfsmittel, die unsere Väter und Grossväter noch in die ferne Zukunft projizierten, nun bereits in unserer Generation Realität geworden sind. Für unsere Kinder werden sie gar eine Selbstverständlichkeit sein. Aktuelle Schlagworte wie digitale Transformation, das Management von Megacities, die Vorstellung einer smart city oder Konzepte wie Industrie 4.0, vertical urban gardening oder urban mining stehen als Codes für diese zweckoptimistische Haltung – kühnste Träume sollen wahr werden, ermöglicht durch innovative Technologien.
Zugleich konkretisieren sich aber auch viele sogenannte «Doom Saying Szenarien», etwa sozial und kulturell bedingte Bürgerkriege innerhalb der Siedlungsräume, Verteilkämpfe um Wasser und Nahrung und neue Umweltkatastrophen. Dies zwar nicht in unseren beschaulichen Schweizer Städten, jedoch aber in asiatischen oder afrikanischen Megacities.
Auch Schweizer Städte denken über die Zukunft nach

In der Schweiz entwickeln zahlreiche Städte Szenarien und Leitbilder bis ins Jahr 2050, die sich insbesondere um die Herausforderungen Verkehr, Energie und Klimawandel bemühen. Das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung rief für 2015 das Wissenschaftsjahr zum Thema «Zukunftsstadt» aus. Und auch der Städtetag 2016 des Schweizerischen Städteverbandes fokussiert auf die Zukunft der Stadt und geht dabei Fragen nach, wie die Stadt nicht zum menschenfressenden Moloch wird, sondern weiterhin ein lebenswerter Wohnraum bleibt. Zudem geht es darum zu diskutieren, wie digitale Transformation und künstliche Intelligenz neue Konzepte für das urbane Leben und Arbeiten ermöglichen werden oder wie Innovationen die Mobilität gestalten können.
Verschiedene Aspekte in der städtischen Entwicklung werden noch unterschätzt

Andere Fragen werden dagegen erst zögerlich thematisiert, etwa, was es bedeuten wird, dass angesichts des demografischen Wandels die Stadt der Zukunft keine Stadt der Jungen, sondern eine Stadt der Alten sein könnte. Notabene mit nicht wenigen alleinstehenden Senioren, was auch für die Organisation der Alters-Infrastruktur berücksichtigt werden muss.
Weiter muss politisch berücksichtigt werden, dass Städte als Ballungsräume von Wirtschaft und Bevölkerung politisch wichtiger werden können als ihre territorialen Nationalstaaten. Oder dass Stadtluft nicht mehr frei machen wird, weil aufgrund der wachsenden Angst vor Kriminalität und Unfällen gerade der urbane Raum ein rund um die Uhr überwachter Raum werden könnte. Hierzu tragen nicht zuletzt die grossen technischen Möglichkeiten bei. Last but not least gilt es auch zu diskutieren, wie eine «weibliche Stadt» aussehen wird, denn gerade in den urbanen Generationen Y und Z werden die jungen Frauen und Mädchen ihre männlichen Altersgenossen punkto Bildungsniveau deutlich überrunden.
Die Stadt der Zukunft ist kein zufälliges magisches Schicksal
Auch wenn der alte Traum des himmlischen Jerusalem als perfekte Zukunftsstadt ein religiöses Bild war – Stadtentwickler, Architekten und Zukunftsexperten sind keine Halbgötter, die das optimale Modell der Future City vorgeben werden. Gerade in der Schweiz ist der Gedanke der Partizipation im genetischen Code einer Stadt eingeprägt. Somit wird die Zukunft der Stadt kein vorgegebenes Schicksal, sondern eine Konsequenz von wirtschaftlichen und politischen Entscheiden und den entsprechenden Taten und Untaten der Bevölkerung sein.

Ursprünglich publiziert in: http://staedteverband.ch/cmsfiles/focus_4-16_d_1.pdf
Wie so häufig im menschlichen Leben stehen wir bei diesem Phänomen vor einem der grossen Irrtümer der heutigen Zeit, der grossen Irrtümer des heutigen Geschäftslebens, die ungehindert auch im politischen und gesellschaftlichen Leben Einzug gehalten haben: dem Irrtum, das menschliche Leben, insbesondere das Beziehungsleben zwischen Menschen, lasse sich wie ein industrieller Prozess planen, berechnen und minutiös per Countdown steuern.
Auch wenn Heerscharen von Consultants und Wissenschaftlern vielen Unternehmern, Managern und Politikern in den letzten Jahren dies erfolgreich weisgemacht haben: Organisierbarkeit hat ihre Grenzen. Ja, die Verschwendung von Ressourcen soll verbessert werden und auch Arbeitszeit kann als Ressource verstanden werden. Ja, Abläufe können verbessert werden. Ja, Verantwortungsbewusstsein und
Aber einer impliziten Meinung trete ich ganz entschieden entgegen: der Mensch ist nicht einfach eine Art altmodischer Roboter aus Fleisch und Blut. Der Mensch ist etwas anderes. Eine Firma, insbesondere eine Dienstleistungsfirma, ist kein Fliessband, das nach den Prinzipien der industriellen Produktion funktionieren soll. Eine menschliche Gemeinschaft ist keine grosse fleischgewordene Maschine. In der aktuellen Wirtschafts- und Sozialpolitik sprechen alle davon, dass die Wirtschaft familientauglicher werden müsse. Aber stimmt das tatsächlich? Steht nicht eher die Absicht dahinter, dass die Familie endlich wirtschaftstauglich wird?
Stehen wir heute in der Wirtschaft und in der Gesellschaft nicht in einer zu einem komplexen Labyrinth verschlossenen Sackgasse? Stehen wir nicht vor einem grossen Clash of Cultures? Den die
All Ihr Neurologen und Gehirnforscher dieser Welt – eigentlich wollen wir genau das von Euch wissen – wo sind die qualitativen Unterschiede zwischen einem Gehirn und einem Computer? Was unterscheidet einen Menschen von einem Roboter, den Ihr mit
In der Wissenschaft und gerade auch in den Studien für die Politik haben wir systematisch daran glauben wollen, dass diese Studien neutral und objektiv seien, aber die Paradigmen von Materialismus und Industrialismus sowie die Konsequenzen des homo oeconomicus liegen diesen Studien einfach unausgesprochen zu Grunde. Dass es eben Paradigmen sind und nicht die Wahrheit. Dass Paradigmen eben Axiome sind – Grundannahmen. Und dass Erkenntnisse und Schlussfolgerungen in diesen Forschungen und Studien eben nicht neutral und objektiv und absolut sind, sondern abhängig von diesen Paradigmen.
Diese Diskussion findet gegenwärtig nicht statt – weil wir akzeptiert haben, dass der Mensch ein homo oeconomicus ist, der primär ökonomische Bedürfnisse hat und sich entsprechend auch ökonomisch sinnvoll verhält. Sogar die Wertediskussion hat uns in die Irre geführt, weil auch „Werte“ letztlich einem ökonomischen Konzept entstammen. Übrigens eine Diskussion, die wir mit dieser Begrifflichkeit in dieser Art vor einer Generation noch gar nicht geführt haben. So sind wir heute selbstverständlich bereit, menschliche und gesellschaftliche Werte volkswirtschaftlich zu berechnen und zu vergleichen – in Franken, Euro und Dollars. Und so werden wir wohl auch zum Schluss kommen, dass Roboter aus betriebswirtschaftlicher Sicht mehr wert sein werden als arbeitende Menschen.