K wie Kybernetik

Seit dem Bericht «Die Grenzen des Wachstums» des Club of Rome hat sich die Erkenntnis manifestiert, dass die Erde ein geschlossenes System ist, das nicht unbegrenzt wachsen kann. Und technische Katastrophen haben uns die Augen geöffnet, dass unerkannte und unterschätzte Gefahren häufig viel grösser sein können als die offensichtlichen.

Darum wird seit einer Generation versucht, die Welt als ganzheitliches System zu modellieren und bewusst zu steuern. So soll eruiert werden, ob Eingriffe in dieses System nicht unerwartete Nebenfolgen und Kettenreaktionen auslösen, deren Schaden umfangreicher ist als der anvisierte Nutzen. Mit enormem Aufwand werden Daten erhoben und Zusammenhänge erforscht, um die Folgen und Nebenfolgen von Änderungen abzuschätzen. Dabei führen die Verfügbarkeit von billiger Rechnerkapazität und ein technisch-materialistisches Weltbild immer wieder zu der Vorstellung, dass es tatsächlich möglich sein könnte, alle Daten und Verknüpfungen zu erheben und korrekt abzubilden.

Experten und Politiker akzeptieren immer wieder die Vorstellung, dass tatsächlich eine Maschine gebaut werden kann, die weiss, was für die Menschheit gut ist, wenn sie nur schnell genug, lang genug und umfassend genug rechnet und so den fehlbaren menschlichen Steuermann ersetzen kann.

Doch vielleicht sind wir uns in einer wertepluralistischen und freiheitlichen Gesellschaft nicht einig, wer der Steuermann sein soll? Oder im Sinne des «Female Shift» die Steuerfrau? Oder wir sind uns nicht einig, welches Ziel angesteuert werden soll? Oder wer den Preis für die Überfahrt in die Zukunft bezahlen soll?

J wie Japan

L wie LOHAS

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H wie Human Enhancement

Das «Updating» und «Upgrading» von Maschinen sind eine Selbstverständlichkeit für uns. Und nachdem frühere Generationen mit äusseren Hilfsmitteln wie Brille, Hörrohr oder Gehstock ihre körperlichen Schwächen auszugleichen suchten, sind Herzschrittmacher, künstliche Gelenke oder das Einsetzen einer künstlichen Linse ins Auge bei einem grauen Star für die heutige Generation alltäglich geworden. Massive Fortschritte in Medizin und Materialtechnologie, insbesondere was die Miniaturisierung betrifft, haben dies ermöglicht. Die entsprechenden Investitionen und Hoffnungen in weitere Fortschritte sind kaum abschätzbar. So weit, so gut – jeder von uns will länger, besser und einfacher leben. Doch taucht die Frage nach dem Menschenbild auf: Gibt es eine biologische Grenze für diesen technischen Fortschritt und soll es eine ethische Grenze geben? Welchen Mindestanteil an Biomasse muss ein Mensch noch aufweisen, damit er nicht als Cyborg oder Android gilt? Dürfen wir den perfekten Roboter bauen und ihm dann ein menschliches Gehirn einpflanzen? Brauchen wir in Zeiten von Artificial Intelligence überhaupt noch menschliche Gehirne?

G wie Gender Mainstreaming

I wie Insekten (folgt demnächst)

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G wie Gender Mainstreaming

«Wann ist ein Mann ein Mann?», sang einst Herbert Grönemeyer. Wenn wir gewissen Strömungen glauben wollen, ist diese Frage politisch nicht mehr korrekt. Und für die Zukunft auch gar nicht mehr relevant. Obwohl jeder Vater weiss, wie wichtig diese Frage für seine Söhne ist. Gender Mainstreaming ist ein politisches Konzept mit mehreren, teilweise widersprüchlichen Stossrichtungen. Es versucht, das Menschen- und Gesellschaftsbild entscheidend zu verändern. Aufgrund von medizinischen, ethischen und kulturellen Entwicklungen sind Frauen heute nicht mehr auf eine biologisch determinierte Mutter- und Ehefraurolle festgelegt (biologisch vorgegebenes «Sex»-Geschlecht), sondern haben vielfältige Möglichkeiten, ihre gesellschaftliche und partnerschaftliche Rolle selbst zu wählen und zu entwickeln (kulturell verhandelbares «Gender»-Geschlecht). Der «Female Shift» wird in unserem Jahrhundert weitere grosse Veränderungen vorantreiben. Die umstrittene Frage besteht darin, ob und welche Rolle biologische Vorgaben des eigenen Körpers überhaupt spielen sollen – in einer Zeit von Freiheit, Wertepluralismus und beinahe grenzenloser medizinischer Machbarkeiten. Und auch falls archaische körperliche Relikte nie überwunden werden können: Darf das zukünftig in gesellschaftlichen Fragestellungen noch einen Unterschied machen? Gibt es «die» Frau und «den» Mann oder soll es eigentlich nur noch «das» Mensch geben? Das ist wissenschaftlich und kulturell nach wie vor umstritten, denn neben den Fragen nach Körperbau und äusseren Geschlechtsmerkmalen stehen komplexe Debatten bezüglich Hormonhaushalt, Neurowissenschaften, Fortpflanzung und Religion.

F wie Female Shift

H wie Human Enhancement (folgt demnächst)

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F wie Female Shift

Werden die «Amazoninnen» demnächst das männliche Geschlecht doch noch besiegen, wie es dereinst die griechische Mythologie beschworen hat? Dass Frauen freie, gleichwertige Menschen wie Männer sind, war in Europa nicht immer selbstverständlich – und ist es manchenorts selbst heute noch nicht. Heute besuchen weltweit in über 45 Ländern mehr Mädchen als Knaben weiterführende Schulen. In der Schweiz haben 1980 noch rund 9 Prozent der jungen Frauen und rund 13 Prozent der jungen Männer die Matura erreicht; aktuell sind es knapp 17 Prozent der Männer und 23 Prozent der Frauen. Oder anders formuliert: 43 Prozent der Maturazeugnisse gehen an junge Männer, 57 Prozent an junge Frauen. Dies wird eine weitere Stärkung der Frau in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Folge haben. Einerseits ermöglichten die Erfindung der Antibabypille und die breite gesellschaftliche Anerkennung der Fristenlösung, dass Frauen ihren gesellschaftlichen und beruflichen Werdegang frei von einer Fixierung auf die biologische Mutterrolle planen können. Andererseits waren typische Männerrollen von körperlicher Muskelkraft geprägt: als Soldat, als Jäger, als Bauer, als Bauarbeiter. Doch in der Berufswelt wird Körperkraft immer weniger wichtig, da sie bald vollständig an Maschinen und Roboter delegiert wird. Sogar die kriegerische Bewältigung von Konflikten wird immer mehr von Maschinen, vom Cyberspace und vom ökonomischen Schlachtfeld geprägt. In einer zukünftigen politischen und wirtschaftlichen Welt, in der Dienstleistungen, flexible Kundenorientierung, Verhandlungsgeschick und Sprachkompetenz an Bedeutung gewinnen, werden Macht und Aufgaben anders verteilt als in einer historischen Welt, in der die männliche Muskelkraft und Aggression die ausschlaggebenden Erfolgsfaktoren waren.

E wie Evaluation

G wie Gender Mainstreaming

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Das ABC der Zukunft

Dr. Andreas M. Walker, Zukunftsforscher und Co-Präsident von swissfuture, erklärt teilweise todernste Zukunftsprognosen von A (wie Artificial Intelligence) bis Z (wie Zuversicht) mit einer Prise Humor – und dem nötigen Tiefsinn.

Überblick:

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Zukunft ist nicht einfach Schicksal

Wo gehts zum nächsten Trend? Und warum ist das von Belang? Andreas M. Walker, Co-Präsident von swissfuture, erklärt, wie Zukunftsforscher arbeiten – und welche Vorteile uns das bringt.

Quelle: Original-Interview mit Stephan Lehmann-Maldonado im UBS Magazin

Herr Walker, freuen Sie sich auf die Zukunft?
Ja. Die Zukunft ist ein Abenteuer. Ich bin dankbar dafür, heute leben zu dürfen. Unsere Vorfahren hatten viel weniger Möglichkeiten, den Lauf ihres Lebens zu bestimmen, als wir.

Was erwartet uns denn in zehn Jahren?
Erstens steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung in unserem Land weiter. Darum sollten wir die Vorsorge an die Hand nehmen. Ebenso wichtig ist die Anpassung des öffentlichen Raums, denn der Bedarf an bequemer Infrastruktur wächst. Ein Schritt in die richtige Richtung sind Niederflurtrams. Zweitens werden Informationen rasch und günstig verfügbar sein. Massgeblich wird künftig nicht mehr das Sammeln der Daten. Vielmehr werden deren Beurteilung und Analyse entscheidend. Von wem stammen die Informationen wirklich? Was ist relevant für mich? Firmen nutzen die Informationsmengen, um uns «massgeschneiderte » Angebote zu unterbreiten.

Dann bestimmen Computer, was uns gefallen soll …
Die spannende Frage lautet: Inwieweit wollen wir das? Nur weil die meistgelesenen Artikel auf den Zeitungsportalen prominent erscheinen, sind sie nicht unbedingt die besten – unser Leseverhalten wird durch ihre Platzierung beeinflusst. Seit 30 Jahren spricht man von Kühlschränken, die autonom Bestellungen auslösen. Aber wir kaufen weiterhin selbst ein. Und wir könnten uns längst von Astronautennahrung in Tablettenform ernähren. Doch Kochen erfreut sich zunehmender Beliebtheit!

Was unterscheidet Zukunftsforscher von Kaffeesatzlesern?
Im Gegensatz zu Kaffeesatzlesern, Wahrsagern oder Propheten arbeiten wir nicht mit übernatürlichem, sondern mit menschlichem Wissen. Unser Verein swissfuture gehört zur Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften SAGW. Wie andere Wissenschaftler entwickeln wir Modelle, die auf nachvollziehbaren Annahmen basieren. In den USA und an der Freien Universität Berlin kann man Zukunftsforschung – Strategic Foresight genannt – studieren. Der Schriftsteller William Gibson sagte vor 30  Jahren: «Die Zukunft ist bereits da. Sie ist nur nicht gleichmässig verteilt. » Wir erachten es als essenziell, schon erste schwache Signale zu erkennen und daraus Trends abzuleiten.

Was nützen uns solche Prognosen?
Zukunft ist nicht einfach Schicksal. Sie ist die Konsequenz unserer Entscheidungen, unserer Taten und Untaten. Wir zeigen auf, welche Veränderungen sich in unserer Umwelt abspielen – und wo man reagieren kann und soll. Gibt es Trends, die mir helfen? Oder Entwicklungen, die wir nicht wünschen? Ein Beispiel: Vor rund zehn Jahren beauftragte mich der Bund mit einem Projekt. Grippe gehöre als Krankheit der Vergangenheit an, dachte man damals. Doch wir erkannten, dass die Gefahr von Infektionskrankheiten mit der Globalisierung und der Mobilität zurückkehren wird. Dies half, sich frühzeitig mit Präventionsmassnahmen auseinanderzusetzen.

Immer schneller scheint ein Trend den anderen abzulösen.
Viele kurzfristige Trends kann man genauso wenig exakt berechnen wie Ausschläge an der Börse. Wir schätzen die langfristigen Folgen von Entwicklungen ab. Müssen wir beispielsweise noch Landkarten lesen können? Es gibt Smartphone-Apps, welche diese Leistung übernehmen. Derzeit debattiert man, wie die Digitalisierung unsere Kinder beeinflusst. Früher legte man Wert auf das Auswendiglernen von Fakten. Heute sind Fakten per Fingerbewegung verfügbar. Aber was bedeutet es fürs menschliche Hirn, wenn es nichts mehr auswendig lernt? Die neurologische Forschung steckt da noch in den Kinderschuhen.

Kritiker befürchten eine Volksverdummung…
Die meisten von uns konsumieren die Fortschritte in Medizin, Mobilität und Elektronik unkritisch. Zugleich gibt es in Mitteleuropa schon lange Vorbehalte gegen technische Neuerungen und eine Glorifizierung der guten alten Zeit. Die Literaturepochen der Romantik und des Naturalismus belegen das schon fürs 19. Jahrhundert. Daneben findet sich eine technikfreundliche Elite, die Innovation als Motor des Wohlstands predigt. Egal, welcher Gruppe wir angehören: Technische Veränderungen werden kommen. Darum müssen wir lernen, vernünftig damit umzugehen.

Wie wirken sich die Veränderungen auf Bankgeschäfte aus?
Der Informationsvorsprung von Banken zu Kunden schmilzt. Finanzielles Halbwissen kann man sich via Internet rasch beschaffen. Und die Produkte der Banken ähneln einander. Den Unterschied macht das Vertrauen: Habe ich einen Berater auf Augenhöhe, der über eine ähnliche Lebenserfahrung verfügt wie ich und mich versteht? Bei alltäglichen Geldgeschäften ist zudem die Verfügbarkeit wichtig. Kaum jemand mag sich an die Schalteröffnungszeiten  halten. Mobiles Banking via Smartphone, E-Banking und 24-Stunden-Erreichbarkeit gewinnen weiter an Bedeutung.

Gibt es Trends, die wir unterschätzen?
O ja. Was bedeutet es, wenn erste Schweizer Grosskonzerne in asiatische Hände gelangen? Wir zelebrieren den Individualismus, Asiaten orientieren sich am Kollektivismus. Wenn wir Randständige schützen, gründet dies immer noch auf jüdisch-christlichen und bildungsbürgerlichen Werten. Andere Kulturen haben Probleme, dies nachzuvollziehen. Auch die 24-Stunden-Gesellschaft unterschätzen wir. Während der eine Ruhe will, feiert der andere eine Party. Und wir sind pausenlos multimedialen Reizen ausgesetzt. So müssen wir neu lernen, was Erholung bedeutet. Schliesslich stösst die Individualisierung an Grenzen: Viele fühlen sich überfordert, weil sie ständig Entscheidungen treffen müssen. Ihre Reaktion: «Ich kann mir gar nicht so viele Meinungen bilden. Der Staat soll mir helfen! » Das gilt selbst für private Angelegenheiten wie Kindererziehung.

Was bleibt unabhängig vom Zeitgeist gleich?
Wir bleiben Menschen – mit denselben körperlichen, sozialen und geistigen Bedürfnissen wie eh und je. Wir werden einfach andere Lösungen für unsere Bedürfnisse suchen. Heute nutzen Jugendliche Facebook, vor 30 Jahren telefonierten sie. Doch etwas mit Freunden zu unternehmen ist immer noch mehr wert.

Quelle: Original-Interview mit Stephan Lehmann-Maldonado im UBS Magazin

Wird der Mann in Zukunft noch als richtiger Mann leben können?

Was macht einen Mann aus? Welche Tugenden zeichnen ihn aus? Und welchen Normierungsversuchen ist er ausgesetzt? Zukunftsforscher Andreas M. Walker setzt sich mit diesen Fragen auseinander, blickt zurück und schaut nach vorne. Nachdem er mit alten Klischees aufräumt, zeichnet er das Bild eines emanzipierten Mannes. Seine positive Prognose: Der Mann findet dank vielfältigen Lebensentwürfen in einer erfüllten Rolle als Familienvater und Ehemann zu sich selbst – auch im Berufsleben.

Keywords: Tugend, Normierung, Gender Mainstreaming, Lebensentwürfe, Geschlechterrollen, Familie

Mehr dazu hier in meinem aktuellen Aufsatz für swissfuture, magazin für zukunftsmonitoring 2014/1 „Die Zukunft des Mannes“, hier als pdf für meine Leserinnen und Leser gratis verfügbar:

PDF: ganzer Artikel: Wird der Mann in Zukunft noch als richtiger Mann leben können?
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