Megatrends mit spezifischer Relevanz für die Zukunft der Sicherheit

Im Rahmen der swissfuture-Studie „Wertewandel Schweiz 2030 – der künftige Wert der Sicherheit“ hat eine Expertengruppe evaluiert, welche Megatrends von besonderer Bedeutung für die Sicherheitsfrage der nächsten Jahre sein werden. Der folgende Text ist aus dieser Studie entnommen, die ich gemeinsam mit Georges T. Roos und Francis Müller im Auftrag von swissfuture und Dank freundlicher Unterstützung des Bereiches Sicherheitspolitik des VBS und des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz verfasst habe:

 

Megatrends mit Sicherheitsrelevanz

Wir gehen in dieser Studie aus methodischen Gründen von der Annahme aus, dass in den nächsten zwanzig Jahren keine „Wild Cards“ eintreffen werden. Der Einfluss potentiell möglicher Wild Cards würde die Szenarien einseitig und sehr spekulativ machen. Wir nehmen also beispielsweise an, dass in Mitteleuropa kein Krieg ausbrechen wird, dass die europäische Gesellschaft nicht durch eine Seuche oder Katastrophe dezimiert wird und dass die EU nicht in nationalistische Einzelstaaten auseinandergebrochen ist. Wir gehen vielmehr davon aus, dass bestimmte Einflussfaktoren den zukünftigen Wertewandel vorantreiben und entwickeln die folgenden sicherheitsrelevanten Megatrends, die in allen vier Szenarien wirksam sein werden – und die wir entsprechend nicht variieren:

Machtverschiebung zu einer multipolaren Weltordnung

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sprach der Soziologe Francis Fukuyama vom „Ende der Geschichte“ und dem definitiven Siegeszug des euro-amerikanischen Demokratieverständnisses. Wegen des Zerfalls der Blöcke und der aufstrebenden Länder ist die Welt jedoch multipolarer geworden. In Mittelosteuropa sind neue „alte“ souveräne Staaten entstanden, die in ihrer frisch gewonnen Unabhängigkeit gegenüber der EU hadern. Und spätestens mit 09/11 ist die angeblich tot gesagte Geschichte der konfrontativen und gewaltbereiten Machtpolitik zurückgekehrt. Die ökonomische und militärische Vormachtstellung der transatlantischen Staaten wird von Indien, China und Brasilien und anderen „Emerging Markets“ zunehmend in Frage gestellt. Die „E7“ (Indien, Brasilien, Türkei, Mexiko, China, Russland und Indonesien) werden zu den „G7“ aufschliessen. China und Indien – so Pricewaterhouse-Coopers im Bericht „The World in 2050“ – werden den USA den Spitzenrang als wirtschaftlicher Grossmacht streitig machen. Dem ökonomischen Machtkampf folgt der politische und der militärische. Noch fällt ungefähr die Hälfte der globalen Rüstungsausgaben auf die USA. China erhöhte jedoch seine Militärausgaben gemäss dem „Yearbook 2010 Military Expenditure “ des Stockholm International Peace Research Institute im Jahr 2009 um 15%, Indien um 13% und Brasilien um 24%. Die Wachstumsraten sind hoch, der Anteil gegenüber den USA allerdings immer noch moderat. Eine neue Weltordnung wird entstehen.

Zunehmende Bedeutung von Non-State-Actors

Das 19. und 20. Jahrhundert waren die Blütezeit der Nationalstaaten. Heute sind zunehmend nichtstaatliche Akteure im globalpolitischen Geschehen aktiv. Zu den Non-State-Actors gehören beispielsweise globale Unternehmen, Hedge Fonds Managers, nichtstaatliche Organisationen (NGO), Terror-Organisationen, Warlords, Organisationen der organisierten Kriminalität, zivile und kommerziell motivierte Sicherheitsfirmen der inneren und äusseren Sicherheit und Religionsgemeinschaften. Viele möchten ihre Werte globalisieren – seien dies ökonomische Paradigmen oder ideologische Überzeugungen. Non-State-Actors sind nicht an Territorien gebunden und entziehen sich häufig gezielt den nationalstaatlichen Gesetzgebungen. Zahlreiche dieser Non-State-Actors sind nicht als hierarchische, klar strukturierte Organisationen aufgebaut, sondern funktionieren als Netzwerke, deren Zellen autonom Kompetenzen entwickeln. Neue Kommunikationsmedien verbreiten Inhalte schneller und erhöhen die Anzahl der Empfänger. Non-State-Actors gehen sehr kompetent mit diesen Medien um, dabei sind sie häufiger agiler und effektiver als staatliche Organisationen. Sie gewinnen so breitere Aufmerksamkeit – und je nachdem mehr Unterstützung oder auch Ablehnung.

Wechsel der machtpolitischen Instrumente

Zwischen Nationalstaaten wird immer weniger der klassisch-konventionelle Krieg erklärt, dessen Ziel es ist, Territorien und Hauptstädte zu erobern. Stattdessen kommt es zu erpressungsähnlichen Drohungen von Staaten und grossen Institutionen – auch von Non-State-Actors wie zum Beispiel NGO, die zunehmend den medialen Pranger einsetzen, um eine (sich empörende) Öffentlichkeit zu mobilisieren. Es gibt einen Krieg der Bilder und der Symbole. Viele Konflikte werden ökonomisch ausgetragen. Als Machtmittel dienen Industriespionage, Rechtsauffassungen, Embargos, Rohstoffe, böswillige Transaktionen an den Börsen um dem Wert von Landeswährungen oder Aktien zu schaden und natürlich die Aufmerksamkeitsökonomie. Die Komplexität ökonomischer Systeme und die Abhängigkeit von kritischen Infrastrukturen ist am steigen, wobei gleichzeitig die Vernetzung der kritischen Infrastrukturen zunimmt –und so deren Verletzlichkeit.

Verschärfter globaler Wettbewerb um Ressourcen

Der wirtschaftliche Aufstieg von Schwellenländern und die globale Zunahme an Wohlstand erhöhen den Rohstoff-Bedarf. Der technologische Fortschritt und die zunehmende Substitution von Erdöl als Energieträger durch Elektrizität verlangt nach neuen Rohstoffen, deren Primärproduktion und Lagerstätten geographisch ungleichmässig verteilt sind. Im Jahr 2008 stammten beispielsweise 95% der weltweit hergestellten seltenen Erden, die vor allem in der Hightech-Industrie eine zentrale Rolle spielen, aus China. Der Westen verliert zunehmend seinen Einfluss auf rohstoffreiche Länder. Er steht als ehemaliger Kolonialist in keiner guten Verhandlungsbasis, zumal er im internationalen Handel immer weniger Fragen der Menschenrechte und der Demokratie ausklammern kann. Und wie schon häufig in der Geschichte kommt den ressourcenreichen Staaten ökonomisch und machtpolitisch eine Schlüsselrolle zu (siehe oben: Machtverschiebung).

Wachsende Verletzbarkeit kritischer Infrastrukturen

Moderne Gesellschaften sind auf hochkomplexe, technische Infrastrukturen angewiesen, damit sie funktionieren. Diese Infrastrukturen – etwa Transportsysteme, Pipelines, Elektrizitätsinfrastrukturen und Alarmierungssysteme – sind abhängig von Informations- und Kommunikationstechnologien. Diese Abhängigkeit macht diese Infrastrukturen zu „kritischen“. Die bestehenden Infrastrukturen müssen in Stand gehalten werden, neue müssen gebaut werden. Beides erfordert hohe Investitionen. Durch ihre Komplexität sind sie verletzlich und können durch verschiedene Gefährdungen aus den Bereichen Natur, Technik und Gesellschaft beeinträchtigt werden. Sie können auch durch einen virtuellen Anschlag sehr real gefährdet werden. Innerhalb der vier Szenarien wird die Frage variiert, wer diese Infrastrukturen schützen soll.

Information wird schneller verbreitet und verfügbarer

Die Geschwindigkeit der Verbreitung von Information und der einfache Zugang zu ihr haben nie dagewesene Dimensionen angenommen. Bibliotheken sind Online. Internetplattformen wie Wikileaks veröffentlichen Staats- und Betriebsgeheimnisse. Der Begriff des Privaten und des Öffentlichen werden neu definiert – die Kontrolle der Öffentlichkeit durch staatliche Organe wird erschwert. Das Aufrechterhalten von Privatsphäre und Datenschutz wird zunehmend schwierig. Jeder kann Informationen – und insbesondere auch Gerüchte, gezielte Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über politische oder ökonomische Sachverhalte – in kurzer Zeit weltweit verbreiten und so Börsen oder politische Stimmungen manipulieren. Vieles wird transparent – und bleibt zugleich aufgrund der steigenden Komplexität und Informationsflut intransparent. Dies fördert ein neues Informationsverhalten und neue Partizipationsbedürfnisse der Menschen. Die Informationshoheit gewinnt, wer Informationen rasch analysiert, aufbereitet und breit zugänglich macht. Dank Social Media können sich Smartmobs sehr schnell formieren und politische Machtverhältnisse verändern, was die Ereignisse in der arabischen Welt anfangs 2011 gezeigt haben. Da elektronische Dokumente sehr schnell in unerwünschte Hände gelangen können und sowohl in Text- wie auch in Bildform zunehmend einfach gefälscht werden können, kommt es zu einer Aufwertung persönlicher Beziehungen, um die Glaubwürdigkeit der Absender und der Dokumente tatsächlich verifizieren zu können.

Cyberspace als neuer Tatort und neues Schlachtfeld

Die Internetkriminalität nimmt dramatisch zu – und sie entzieht sich aufgrund ihres virtuellen und extra-territorialen Charakters der nationalstaatlichen Gesetzgebungen. Raubzüge finden innerhalb virtueller Welten statt – durchgeführt von realen Tätern, die sich im virtuellen Raum verstecken. Gerade weil „nur“ der virtuelle Raum zum Schlachtfeld wird, entsteht gelegentlich ein falsches Sicherheitsgefühl. Die Wirtschaft wird virtuell angreifbar – und sie muss hohe Beträge tätigen, um die Sicherheit ihrer Produktion, ihrer Mitarbeitenden und ihrer Kunden zu gewährleisten. Insbesondere Kundeninformationen werden zu einer wertvollen Ressource. Die Vernetzung kann systemtheoretisch eine höhere Stabilität bedeuten, aber zugleich auch eine höhere Verletzlichkeit, da sich mehr Angriffspunkte ergeben. Durch hochpräzise und technologisch komplexe Waffensysteme und Wirkmittel, die über Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen untereinander und mit den Führungszentren vernetzt sind, können militärische Streitkräfte agiler und wirkungsvoller geplant werden. Trotzdem benötigt die Mediation von zukünftigen Konflikten immer noch grosse Mannschaftsbestände.

Definition der sechs Komponenten der Hoffnung

Gegenwärtig sind wir dabei, für unsere neue Umfrage Hoffnung2012 die sechs Komponenten der Hoffnung näher zu definieren. Hilf uns dabei – wie würdest Du die sechs Bereiche beschreiben? Welche Aspekte zählen dazu? Wie würde Deine Definition aussehen?

Schlagwort Tags: Folgende (einfachen und allgemein verständlichen, alphabetisch geordnete) Begriffe sind wichtig für Sie, wenn Sie an Hoffnung denken: Definition
Soziale Beziehungen Beziehung, Diakonie, Ehe, Elternschaft, Emotionale Kompetenz, Ermutigung, Familie, Freundschaft, Fürsorge, Fürsorglichkeit, Gemeinschaft, Gemeinwohl, Hilfe, Hilfsbereitschaft, Kommunikation, Liebe, menschliche Nähe, Menschlichkeit, mitmenschliches Engagment, Nächstenliebe, Partnerschaft, Pflege persönlicher Beziehungen und Freundschaften, Selbsttranszendenz, Solidarität, Soziales Engagement  
Spiritualität Ewigkeit, Gebet, Glaube, Gott, Heiligkeit, Jenseits, Liturgie, Meditation, Religion, Schicksalsglaube, Spiritualität, Transzendenz, Übergeordnetes, Übersinnliches  
Eigene Emotionen, Sinne und Körper­bewusstsein Einklang mit der Natur, Emotionalität, Fantasie, Gefühle, Gefühlswelt, Genuss, Humor, Konsum, Körperlichkeit, Kreativität, Naturverbundenheit, Schmerzlosigkeit schöpferische Gestaltung, Sensibilität, Sensualität, Sinnlichkeit, Spass, Vergnügen, Wellness, Wohlbefinden, Wohlgefühl  
Individuelle Leistung, Erfolg und Selbst­verwirklichung Agieren, Dominanz, Eigenverantwortung, Einfluss, Entwicklung, Erfolg, Erschaffen von Dingen mit bleibendem Wert, Freiheit, Generativität, Individualismus, Individualität, Kampf, Kompetenz , Leistung, Macht, Potenziale ausleben, Pragmatismus, realisieren, Realismus, Selbstbestimmung, Selbstkompetenz, Selbstverwirklichung, Sinn durch Tun, Ungebundenheit, Vorwärtshoffnung, Wachstum, Zielstrebigkeit  
Analyse und Reflexion Abwägen, Analyse, Auseinandersetzung mit dem Selbst, Erkenntnisgewinn durch Wissensaneignung, Evaluation, Hinterfragen, Informieren, kognitiv, Nachdenken, Ordnung, Rationalität, Realismus, Recherchieren, Selbsterkenntnis, Selbstkompetenz, Selbsttranszendenz, Sinn durch Suche, Vernunft, Verstehen, Wissen  
Ausdauer, Beständigkeit und Tradition Achtsamkeit, Anwendbarkeit, Ausdauer, Ausgewogenheit, Beständigkeit, Bodenständigkeit, Ewigkeit, Festhalten an Bewährtem, Generationen, Geduld, Gewohnheiten, Gleichklang mit sich selbst und anderen, Harmonie, Hoffnung auf ein ruhiges Leben, Konstanz, Langmut, Leben in einer Welt geordneter Werte, Moral, Nachsichtm Ordnung, Orientierung an klaren Richtlinien und Werten, Pragmatismus, Rituale, Tradition, Treue, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit, Zuverlässigkeit  

 

 

Sex Box 2011 – zwei Ideologien im Widerstreit und die Kompetenz bleibt auf der Strecke

Seit einigen Wochen sind die Schulkind-Eltern im Schweizerland – insbesondere im Kanton Basel-Stadt – verwirrt, verunsichert und brüskiert. TeleBasel berichtet, Tausende von Eltern hätten sich empört an den Regierungsrat in Basel-Stadt gewandt, ein Petitionskomitee mit Nationalräten aus FDP, CVP, SVP und EDU und zahlreichen Eltern- und Familienschutzorganisationen sammelt Unterschriften.

Ein Streit um Kompetenzen

Für mich als betroffener Vater von vier Kindern ist dabei die Frage nach den Kompetenzen zentral, denn am Anfang steht ja in den Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung der Konflikt, dass ich als Vater angeblich nicht in der Lage oder nicht Willens sei, meine eigenen vier Kinder auf eine mündige und reife Sexualität hin zu erziehen. Deshalb sollen nun meine vier Kinder zukünftig behördlich verordnet und ohne Dispensationsmöglichkeit zwangsweise in der Schule durch die Lehrpersonen aufgeklärt werden.

Zwar formuliert das im Auftrag des Bundes neu aufgebaute Kompetenzzentrum „Sexualpädagodik und Schule“ das Ziel, die Familie bei der Sexualerziehung zu unterstützen, bei den zahlreichen adressierten Zielgruppen sind aber interessanterweise die betroffenen Eltern und Familien NICHT aufgeführt. Wenn ich die mediale und politische Diskussion verfolge, frage ich mich, wo der in der Schweiz hoch gehaltene Wert der Partizipation der Betroffenen – eben der Eltern – und der Minoritätenschutz – in diesem Falle insbesondere sexualmoralisch sensible Kreise mit wertekonservativem und religiösem Hintergrund – in diesem Problemlösungsansatz und der Entscheidfindung geblieben sind?

Und dicht darauf folgt für mich die Kompetenzfrage, was denn nun tatsächlich das kompetente Wissen im Umgang mit Sexualität ist, oder ob sich im aktuellen Streit um die Frühsexualaufklärung nicht einfach zwei Lager gegenüber stehen, die im Grunde zwei ideologische Wertemodelle vertreten, und deshalb beide eigentlich befangen sind und keine der beiden Seiten mir als Vater meiner Kinder tatsächlich qualifizierte und neutrale Grundlagen liefert.

Die Gegner der Frühaufklärung aus kirchlichem und konservativem Lager

Die Motivation der Gegner der Frühsexualaufklärung ist offensichtlich und leicht erkennbar: Wertekonservative Kreise aus dem Umfeld der katholischen Kirche und der evangelischen Kirchen und Gemeinschaften (wo stehen eigentlich die Moslems?) sowie Nationalräte aus FDP, CVP, SVP und EDU kämpfen für ihre Werte und für ihr Verständnis von menschlicher Würde, Elternschaft und intim-sexueller Partnerschaft. Dabei geht es letztlich um Aspekte wie:

  • Unterscheidung von Bildung und Erziehung, Zuständigkeit für die Erziehung bei den Eltern
  • Freiheit der Eltern, sensible Erziehungsinhalte wie beispielsweise Fragen um die Sexualität im Einklang mit eigenen moralischen und religiösen Mitteln gestalten zu können – übrigens im Einklang mit Artikel 14 der Kinderrechte der UNICEF.
  • Wer entwickelt, definiert und vermittelt die Werte, aufgrund derer partnerschaftliche und familiäre Beziehungen gestaltet werden? Ist die Vermittlung dieser Lebensgrundlagen Teil der familiären Erziehung oder der staatlichen Bildung? (Oder wie sehr sollen und dürfen sie durch Medien, Wirtschaft und Religion geprägt werden?) Ab welchem Alter und in welchem Masse können und sollen heranwachsende junge Menschen ihre Werte selbstverantwortlich wählen und leben können – und wer darf vorher in welcher Weise, mit welcher Motivation und mit welcher Priorität prägend wirken?
  • Insbesondere geht es im konkreten Falle ja um die Vermittlung des Wertes, dass die Intimität der Sexualität durch eine verbindliche, exklusive partnerschaftliche Beziehung geschützt werden soll, dass also humane Sexualität nicht einfach ein animalischer Trieb ist, der zügellos ausgelebt werden soll oder kommerziell ausgebeutet werden soll, sondern dass er in Kombination mit der nötigen Verantwortlichkeit kultiviert werden soll – insbesondere unter Wahrung der menschlichen Würde und in Verantwortlichkeit gegenüber der Persönlichkeit des intimen Sexualpartners und gegenüber etwaigen Folgen des Sexualkontaktes – nämlich der Zeugung einer neuen menschlichen Persönlichkeit.

Leider bleibt die entsprechende Argumentation der konservativen und kirchlichen Kreise meistens im vagen moralischen oder religiösen Bereich hängen. Viel zu wenig werden soziologische Realitäten, Grundlagen und Wirksamkeiten der eigenen Werte erforscht, viel zu wenig können die eigenen Vorstellungen rational nachvollziehbar und argumentativ sauber begründet werden. Viel zu wenig kann nachgewiesen werden, wie viel denn nun die eigenen Werte effektiv wert sind – gerade auch in einem beziehungsökonomischen und gesellschaftsökonomischen Sinne.

Dabei könnte wissenschaftliches – insbesondere auch sozialempirisches, neurologisches und ökonomisches wissenschaftliches Arbeiten im Bereich der Beziehungs-, Erziehungs- und Sexualforschung zu Überraschungen führen: nämlich dass manche dieser konservativen Werte eigentlich überraschend sinnvoll und wertvoll sein könnten.

Nur schon eine kurze spontane Internet-Recherche führte mich zu folgenden überraschenden Fakten aus dem Bereich der Sexualität und Beziehung, die ich hier beispielhaft auflisten möchte. Den oben genannten wertkonservativen Kreisen sollte es eigentlich der Wert sein, diese Fakten zu verifizieren und vertieft wissenschaftlich zu untersuchen:

  • Sex wird zu 95% in festen Beziehungen gelebt (Prof. Volkmar Sigusch).
  • Verheiratete haben am meisten Sex. (London School of Hygiene & Tropical Medicine)
  • Singles sind nur zu 27% mit ihrem Sex zufrieden, Verheiratete immerhin zu 42%. (Durex)
  • Nur 22% der weiblichen Singles bekommen bei ihren Dates regelmäßig einen Orgasmus aber jede dritte Frau in einer festen Beziehung. (Durex)
  • Die Orgasmushäufigkeit steigt tendenziell mit fortdauernder Beziehung. (Durex)
  • Bei Frauen steigt die sexuelle Zufriedenheit nach 15 Jahren Beziehung deutlich an. (Kinsey Institute)
  • Männer brauchen mehr Zärtlichkeit (Kinsey Institute)
  • Sex verkauft nicht mehr – erotische Reklame verfehlt ihr Ziel. (Medical Research Council UK).

Fachkompetenzen und aktuelle wissenschaftliche Studien

Beim Blick auf die treibende Seite der Frühsexualaufklärung an den Schulen wird die Offenlegung eigener persönlicher ideologischer, religiöser oder weltanschaulicher Grundlagen und Motive tunlichst vermieden – schliesslich geht es darum, fachlich korrekte Grundlagen für staatliche Programme zu liefern – hoffentlich parteipolitisch, religiös und weltanschaulich neutral und unabhängig.

Und offensichtlich immer noch im Zeitalter des veralteten Paradigmas, dass der wissenschaftliche Experte tatsächlich in der Lage sein könnte, sein Forschungsthema objektiv und unabhängig von seiner persönlichen Position zu untersuchen.

Schliesslich geht es darum, im Auftrage eines Bundesamtes ein mit Steuergeldern finanziertes Kompetenzzentrum aufzubauen. (Vielleicht liegt ja das Problem darin begründet, dass das Bundesamt für Gesundheit federführend ist und dass wir in der Schweiz weder ein Bundesamt für Familie noch ein Bundesamt für Kindheit noch ein Bundesamt für Elternschaft kennen?)

Gegenüber einem mit Bundesgeldern finanzierten Kompetenzzentrum an einer Fachhochschule kann ich in Fragen der Sexualpädagogik natürlich kaum mehr Kompetenzen als meine persönliche Kompetenz als Vater reklamieren.

Da uns der Cyberspace aber eine allgemeine und demokratische Verfügbarkeit des publizierten akademischen Wissens ermöglicht hat, führt mich eine kurze Recherche doch zu einigen interessanten Studien und Aussagen – wissenschaftlich gestützte Aussagen, die mich als betroffenen Vater prinzipiell stutzig machen und mich die Grundlagen der behördlichen Konzepte und Gutachten und die Zielsetzung des Kompetenzzentrums: „Sexualerziehung soll schweizweit in den Lehrplänen der gesamten Volksschule verankert werden“ anzweifeln lassen.

Ich muss mich sogar fragen, ob es nicht dringend nötig ist, gewissen Meinungen, die heute allgemein verbreitet sind, dringend zu überprüfen – oder andernfalls unbedingt die entsprechenden Falsifikationen offenzulegen und die entsprechenden Meinungen in den Bereich der modernen Mythen zu verbannen (oder vielleicht sogar in den Bereich der ideologischen Propaganda?)

Hätten Sie es gewusst? Für mich ist es überraschend, was aktuelle wissenschaftliche Studien aufzeigen, die damals breit in den deutschen Medien aufgegriffen worden sind:

  • Gemäss einer globalen Studie der London School of Hygiene & Tropical Medicine kann wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden, dass Jugendliche in den letzten Jahrzehnten immer früher sexuell aktiv werden. Gemäss dieser Studie erleben die Jugendlichen in fast allen Ländern der Welt ihren ersten Geschlechtsverkehr zwischen 15 bis 19 Jahren. In der Schweiz geschieht dies gemäss Studie im Schnitt im Alter von 18,5 Jahren. Der Anteil der Jugendlichen, die vor ihrem 15. Altersjahr sexuelle Erfahrungen sammeln, ist in Europa in den letzten Jahrzehnten nahezu stabil geblieben – und liegt in der Schweiz bei etwa 5%.
    Aufgrund dieser empirischen Fakten über das tatsächliche Altersverhältnis frage ich mich als Vater, weshalb dann meine Söhne dringend und proaktiv im Kindergarten und in der Primarschule durch Lehrpersonen aufgeklärt werden müssen? (Nur zur Klarstellung: Da meine Frau und ich vier gemeinsame Kinder haben, habe ich die Frage „Woher kommen die Babys“ schon mehrmals aus aktuellem Anlass mit meinen Buben diskutiert …)
  • Übrigens – eine gross angelegte wissenschaftliche Studie in UK konnte keinen Erfolgsnachweis des modernen staatlich verordneten Sexualkundeunterrichtes in der Schule bezüglich der Prävention von Teenager-Schwangerschaften und Teenager-Abtreibungen erbringen. (Medical Research Council UK)
  • Erstaunlich ist für mich auch, dass der Behördenvertreter Basel-Stadt im TeleBasel-Interview kritisiert, dass rund die Hälfte aller Jugendlichen während der ganzen Schulzeit nichts über Homosexualität hören. Eine im Auftrag von EUROGAY durchgeführte repräsentative Umfrage ergab, dass sich nur 4,1 Prozent der Männer und 3,1 Prozent der Frauen als homo- oder bisexuell bezeichnen. Und bei mir taucht die Frage nach der Verhältnismässigkeit und den wissenschaftlich gestützten Grundlagen auf, weshalb es denn so wichtig ist, dass alle Kinder in der Schule durch ihre Lehrpersonen proaktiv über Homo- und Bisexualität aktiv aufgeklärt werden müssen? (Und auch hier zur Klarstellung: der Präsident von network GAY LEADERSHIP war mein bester Schulfreund.)

Doch wie gesagt – als Vater bin ich ja aus Behörden- und Expertensicht keine sexualpädagogische Fach- und Kompetenzperson und bin deshalb wohl einfach zu blöd, um zu begreifen, weshalb diese aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse so wenig in unsere Meinungen und in unsere Diskussionen einfliessen.

Doch als Bürger und Steuerzahler frage ich mich, ob wir nicht zuerst wissenschaftliche Grundlagen klären sollten – bzw. eben aktuelle Erkenntnisse verwenden sollten – bevor wir als Eltern akzeptieren, dass die Behörden derart einschneidende Massnahmen gegenüber unserer elterlichen Kompetenz durchsetzen.

Aber vielleicht tauchen ja hier noch zwei ganz andere prinzipielle Probleme auf

Wenn ich nun intrigieren möchte, dann würde ich mich jetzt fragen, ob ein Fachhochschulinstitut überhaupt qualifiziert ist, Forschung und Argumentation auf akademischem Niveau zu betreiben und Expertisen und Konzepte wissenschaftlicher Güte zu erstellen, die dann verbindliche Grundlage staatlicher Regelungen sind? Im Rahmen der Internet-Recherchemöglichkeiten ist es für mich auf alle Fälle nicht möglich, die spezifischen fachlichen Kompetenzen und nötigen akademischen Qualifikationen des „Kompetenzzentrums Sexualpädagogik und Schule“ und des Leiters des Kompetenzzentrums zu verifizieren. Dies obwohl gerade im „akademischen Markt“ immer sehr grosser Wert auf den formellen Qualifikationsnachweis und auf Leistungsnachweise durch hochwertige Publikationen und eigene Forschungsprojekte gelegt wird.

Und ich würde mich fragen, ob es wirklich zielführend ist, wenn Fachhochschulen zunehmend Auftragsgutachten für behördliche Auftraggeber erstellen – die nötige akademische Freiheit und Unabhängigkeit wird auf diesem Wege wohl kaum sichergestellt, da auf diesem Wege ja wohl keine billige Alternative zur universitären Forschung entsteht sondern eine marktverzerrende Konkurrenz zum professionellen Consulting. Und eben gerade diesem Consulting wird ja üblicherweise vorgeworfen, dass es aufgrund der finanziellen Abhängigkeit vom Auftraggeber kaum in der Lage ist, unabhängige Analysen und Gutachten in wissenschaftlicher Freiheit zu erstellen.

Zehn Thesen zu aktuellen Unklarheiten bei den betroffenen Familien

Für mich als betroffener Vater sind die tatsächliche Situation und entscheidende Aspekte diffus, Klärung und Positionsbezug sind nötig – auf Eltern- und auf Behördenseite:

  • Es ist unklarer denn je, ob und in welcher Form nun eine obligatorische Frühaufklärung unserer Kindergarten- und Schulkinder kommen wird oder nicht.
    Denn der Basler Erziehungsdirektor (Minute 00:48-01:36) und die Deutschschweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz (Minute 01:53-02:51) bekräftigen, dass es gar nie geplant gewesen sei, mit Aufklärung im Kindergarten anzufangen. Wobei es spannend werden dürfte, was diese Aussage bedeutet, wenn in ein paar Jahren in Basel der Kindergarten abgeschafft und durch die Primar-Unterstufe ersetzt werden wird.
  • Es ist nach wie vor nicht klar, mit welchen konkreten Materialien unsere Kinder in den Kindergärten und Schulen in Basel konfrontiert werden und ob die Altersgerechtheit sichergestellt ist.
    Oder ist es aufgrund dieses Schreibens an die Basler Lehrpersonen für Sie ersichtlich, welches Material nun für welche Altersstufe verwendet werden soll? Oder weshalb der Basler Behördenvertreter gegenüber TeleBasel eine Sex Box für den Kindergarten zeigt – mit Büchern für 8-Jährige und für 9-Jährige obendrauf (Minute 01:09-01:45)?
  • Wie der Basler Erziehungsdirektor bekräftigt, darf es sich nur um ein ergänzendes Programm zur passiven und situativen Unterstützung der Eltern handeln, die sich gemäss zahlreicher Meinungen angeblich mit dieser intimen Aufgabe selbst überfordert fühlen und keinesfalls um einen obligatorischen Übergriff in die Verantwortlichkeit der Eltern. Und auch das Kompetenzzentrum formuliert als Ziel die Unterstützung der Familien in der Sexualerziehung. Und genau dieser unterstützende Charakter zu gunsten der Familien muss gewährleistet werden – und nicht etwa die zwangsweise Delegation auf behördliche Anweisung hin!
  • So muss dringend empirisch und repräsentativ abgeklärt werden, ob sich tatsächlich so viele Eltern von einer angemessenen und rechtzeitigen Sexualaufklärung ihrer eigenen Kinder überfordert fühlen.
    Oder handelt es sich hier auch wieder um einen der oben erwähnten Mythen? Denn schliesslich sprechen wir hier von uns – von der Spätbabyboomer- und Pillenknick-Generation und nicht von unseren Urgrosseltern. Wir – die heutige Elterngeneration – sind mit Bravo und Tutti Frutti aufgewachsen. Wird hier immer noch mit einem Klischee prüder und sexuell inkompetenter Eltern operiert, das mit Blick auf die Geschichte der Sexualaufklärung im 20. Jahrhundert eigentlich seit Jahrzehnten überholt sein sollte? Und falls die heutige Elterngeneration tatsächlich immer noch so inkompetent im Umgang mit der eigenen Sexualität und der Sexualaufklärung sein sollte wie unsere eigenen Urgrosseltern vor dem zweiten Weltkrieg – was haben dann die öffentlichen und schulischen Massnahmen der letzten Jahrzehnte genau in diesem Bereich gebracht – denn dieses Thema ist in den Schulen ja nicht erst seit 2011 aktuell. Immerhin stammt der umstrittene Film „Sex – eine Gebrauchsanweisung für Jugendliche„, der zu den Bestandteilen der Sexbox für die Orientierungsschulen Basel-Stadt, d.h. für die 12-13 jährigen vorpubertierenden Schülerinnen und Schüler zählt, aus dem Jahre 1988! Wer also jünger als 40 Jahre ist, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit diesen Film selbst schon in der Schule gesehen. Ist dann eben gerade diese verordnete schulische Sexualaufklärung tatsächlich ein effektives Mittel, damit unsere Kinder eine selbstbestimmte, verantwortungsbewusste und angstfreie Sexualität entwickeln können?
  • Das publizierte Ziel der behördlichen Massnahmen besteht in der Unterstützung der Familien in der Sexualerziehung . Das heisst für mich, dass zwingend geklärt werden muss, welche Massnahmen ergriffen und wie staatlichen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden können, damit eben Eltern ermutigt und gefördert werden, um genau diese Verantwortlichkeit und Kompetenz und die entsprechende erzieherische Aufgabe wahrzunehmen.
    Weshalb werden stattdessen auf behördlichem Wege Kompetenzen auf staatlicher Seite statt in den Familien aufgebaut und weshalb werden zusätzliche Anforderungen an Lehrpersonen geschaffen, die sich bei anderer Gelegenheit beschweren, dass neben dem ursprünglichen Bildungsauftrag immer mehr erzieherische Aufgaben durch die Schule erfüllt werden müssen und das Leistungsportfolio der Lehrpersonen übermässig strapaziert sei?
  • Aus gesellschaftlichem Interesse heraus müssen wir dringend über ein nachhaltiges und breit abgestütztes „Eltern-Kompetenzsteigerungs-Programm“ sprechen.
    Lehrpersonen sind keine Ersatz-Eltern, Lehrpersonen sind professionell gebildete und tätige Bildungsfachleute. Die Erziehungskompetenz liegt üblicherweise bei den Eltern, diese Kompetenz soll gezielt und nachhaltig bei den Eltern gefördert werden.
  • In dieser ganzen Thematik muss der Minoritätenschutz berücksichtigt und die Religionsfreiheit für konservative Christen und Muslims und Angehörige weiterer sensibler Religionen gewährleistet sein, denn Aspekte der Sexualität, der partnerschaftlichen Beziehungen und der Familie haben bei diesen eine wichtige integrale religiöse Bedeutung.
    Ob wohl der Riehener Unternehmensberater Johannes Czwalina zukünftig wieder Bussgelder für Muslimfamilien bezahlen wird? Dieses Mal nicht nur, weil diese sich weigern, ihre Töchter in den Schwimmunterricht zu schicken, sondern weil sie sich weigern werden, ihre Töchter in den Frühaufklärungsunterricht zu schicken? Und wird er dieses Mal auch für fromme Christen bezahlen?
  • Es ist wissenschaftlich und ideologisch neutral abzuklären, was Frühsexualaufklärung bewirkt bzw. was die tatsächlichen Folgen der Unterlassung sein würden.
    Welches sind denn nun die wissenschaftlich und empirisch erhärteten Fakten zur Einführung dieser Massnahmen und zur Wirksamkeit dieser Massnahmen? Die eingangs formulierten Diskrepanzen zwischen weit verbreiteten Meinungen und empirisch nachweisbaren Fakten zeigen erheblichen Zweifeln an beiden Lagern auf – und lassen den Verdacht aufkommen, dass in beiden Lagern Meinungen und Ideologien eine zu grosse Rolle spielen anstelle tatsächlicher Fakten.
    Sexualerziehung soll schweizweit in den Lehrplänen der gesamten Volksschule verankert werden“ ist kein erzieherisches und werteorientiertes Ziel sondern nur eine Massnahme! Deshalb ist es nötig, effektive und nachhaltige Ziele konkret zu definieren, diese nachprüfbar und messbar zu formulieren und entsprechende Zielerreichungskontrollen regelmässig durchzuführen.
  • Die Qualität, Wirksamkeit und Zielerreichung von schulischen und anderen staatlichen Massnahmen muss von unabhängiger Seite wissenschaftlich korrekt überwacht und sichergestellt werden.
    Insbesondere nachdem die aktuelle Studie des Medical Research Council UK derart ernüchternde Resultate zur Wirksamkeit des schulischen Sexualkundeunterrichts aufgezeigt hat, müssen derartige kostenintensive Massnahmen mit einem Übergriff in unsere elterliche Kompetenzen ihre Wirksamkeit und Zielerreichung sicherstellen und nachweisen.
  • Eine klare, direkte und frühzeitige Kommunikation zwischen Eltern und Behörden und Lehrpersonen ist dringend nötig, um das Vertrauen zwischen Eltern, Behörden und Lehrpersonen in Basel wieder herzustellen.
    Es braucht für Eltern gegenwärtig viel Akribie und Recherchierfähigkeit, nachdem sie durch den Sonntagsblick aufgescheucht worden sind, um sich eine Übersicht über die verschiedenen Papiere und Stellungnahmen zu verschaffen. Bei der Analyse der verschiedenen Behördenpapiere und Behördeninterviews gegenüber den Medien entsteht der Eindruck, dass die verschiedenen Behördenstellen und Politiker auf Bundes- und Kantonsebene, aus dem Gesundheits- und Erziehungsbereich, selbst keinen Überblick haben und kein gemeinsames Konzept verfolgen. Dies schafft in mir als betroffenem Vater kein Vertrauen in die Kompetenz beanspruchenden Behörden.

Denn eine Grundanforderung an öffentliche und professionelle Kompetenzträger wäre ja, dass sie sich durch eine einfache und klare Kommunikation ausdrücken können und Angst, Vorurteile und Mythen durch nachgewiesene Fakten abbauen können.

Dr. Andreas M. Walker
Vater von vier Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahre
Ehemaliger mehrjähriger Präsident des Elternrates eines Schulhauses in Basel

Zitate und Sprichwörter zum Thema „Kinder“

  • Bevor ich heiratete, hatte ich sechs Theorien über Kindererziehung. Jetzt habe ich sechs Kinder und keine Theorie. (John Wilmot)
  • Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen. (Augustinus Aurelius)
  • Der Erwachsene achtet auf Taten, das Kind auf Liebe. (Aus Indien)
  • Der Mensch will so gerne das Gute, das Kind hat so gerne ein offenes Ohr dafür; aber es will es nicht für dich, Lehrer, es will es nicht für dich, Erzieher, es will es für sich selber.
    (Johann Heinrich Pestalozzi)
  • Die beste Erziehungsmethode für ein Kind ist, ihm eine gute Mutter zu verschaffen. (Christian Morgenstern)
  • Die Fragen eines Kindes sind schwerer zu beantworten als die Fragen eines Wissenschaftlers. (Alice Miller)
  • Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer. (Sokrates)
  • Die Zukunft des Volkes hängt nicht von der Zahl der Kraftwagen ab, sondern von der Zahl der Kinderwagen. (Kardinal Josef Frings)
  • Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder. (Dante Alighieri)
  • Durch Umgang mit Kindern gesundet die Seele. (Fjodor M. Dostojewski)
  • Ein Kind ist kein Gefäß, das gefüllt, sondern ein Feuer, das entzündet werden will. (Francois Rabelais)
  • Ein Land mit Kindern ist ein Land mit Zukunft. Kindern Leben zu schenken, sie groß zu ziehen, ist dem Tun des Försters vergleichbar, der einen Baum pflanzt und weiß: Wenn dieser Baum Schatten spendet, wird er selbst nicht mehr sein. (Helmut Kohl)
  • Eine Gemeinde kann ihr Geld nicht besser anlegen, als indem sie Geld in Babies steckt. (Winston Churchill)
  • Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie ihnen selbst anerzogen haben. (Marie von Ebner-Eschenbach)
  • Erst wenn man genau weiß, wie die Enkel ausgefallen sind, kann man beurteilen, ob man seine Kinder gut erzogen hat. (Erich Maria Remarque)
  • Es kann nicht früh genug darauf hingewiesen werden, daß man die Kinder nur dann vernünftig erziehen kann, wenn man zuvor die Lehrer vernünftig erzieht. (Erich Kästner)
  • Für einen Vater, dessen Kind stirbt, stirbt die Zukunft. Für ein Kind, dessen Eltern sterben, stirbt die Vergangenheit. (Berthold Auerbach)
  • Halt mich fern von der Weisheit, die nicht weint, von der Philosophie, die nicht lacht, und von der Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt. (Khalil Gibran)
  • In den Kindern erlebt man sein eigenes Leben noch einmal, und erst jetzt versteht man es ganz. (Sören Kierkegaard)
  • Je mehr wir unsere Kinder lieben, desto weniger kann es uns genügen, daß sie nur in unsere Fußstapfen treten. (Friedrich Schleiermacher)
  • Kinder müssen die Dummheiten der Erwachsenen ertragen, bis sie groß genug sind, sie selbst zu machen. (Jean Anouilh)
  • Kinder müssen mit Erwachsenen sehr viel Nachsicht haben. (Antoine de Saint-Exupéry)
  • Kinder sind eine Brücke zum Himmel. (persisches Sprichwort)
  • Kinder sind Hoffnungen. (Novalis)
  • Kinder und Uhren dürfen nicht beständig aufgezogen werden, sie müssen auch gehen. (Jean Paul)
  • Kinder, die man nicht liebt, werden Erwachsene, die nicht lieben. (Pearl S. Buck)
  • Mach dir nichts daraus, daß deine Kinder dir nie zuhören. Sei dir im Klaren darüber, daß sie dich stets beobachten. (Robert Fulghum)
  • Man erstickt den Verstand der Kinder unter einem Ballast unnützer Kenntnisse. (Voltaire)
  • Man könnt‘ erzogene Kinder gebären, wenn die Eltern erzogen wären. (Johann Wolfgang von Goethe)
  • Mit Kindern vergehen die Jahre wie im Flug. Doch Augenblicke werden zu Ewigkeiten. (Jochen Mariss)
  • Mitzuerleben, wir Kinder heranwachsen, ist eine große Freude. Man erkennt an ihnen seine eigenen Fehler und die Tugenden seiner Frau, was eine ausgesprochene stabilisierende Wirkung auf die Ehe haben kann. (Peter Ustinov)
  • Nicht Philosophen stellen die radikalsten Fragen, sondern Kinder. (Hellmut Walters)
  • Siehe, Kinder sind eine Gabe Gottes, und Leibesfrucht ist ein Geschenk. (Bibel)
  • Sind die Kinder klein, müssen wir ihnen helfen, Wurzeln zu fassen. Sind sie aber groß geworden, müssen wir ihnen Flügel schenken. (Aus Indien)
  • Wahrlich ich sage euch: Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. (Bibel)
  • Wenn Vater und Mutter ihre Kinder lieben, vergleichen sie sie nicht mit einem anderen Kind. (Krishnamurti)
  • Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen. (Mahatma Gandhi)
  • Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich Gott über die, so ihn fürchten. (Bibel)
  • Wir singen oft Wiegenlieder für unsere Kinder, damit wir selbst schlafen können. (Khalil Gibran)
  • Wo Kinder sind, da ist ein goldnes Zeitalter. (Novalis)

Kinderfreundliche Zukunft – Kinder der Zukunft

Das Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt hat mich am Donnerstag, 22. September 2011 als Podiumsteilnehmer zum Thema «War früher alles schlechter? Perspektiven für eine kinderfreundliche Zukunft» eingeladen.

Entwickeln Sie gemeinsam mit mir die Vorbereitung zu diesem Thema:

  • Was ist eine kinderfreundliche Zukunft?
  • Wie wird die Kindheit der Zukunft aussehen?
  • Wieso soll Zukunft überhaupt „kinderfreundlich“ sein?
  • Werden wir in Zukunft überhaupt noch „Kinder“ haben? Oder einfach „kleine Menschlein“?

Eine Frage, die gar nicht so dumm ist, denn das Konzept der „Kindheit“ ist kein absolutes und kein ewiges. Es ist abhängig von gesellschaftlichen Definitionen und vom zukünftigen Wertewandel in der Schweiz. So selbstverständlich, wie wir heute von Kindern sprechen, war das früher nicht – und wird es vielleicht in Zukunft auch nicht mehr sein.

In meinen Blogs möchte ich mich auf folgenden Wegen dem Thema annähern?

  1. Wie definieren wir Kindheit? Und woher kommen diese Definitionen?
  2. Wie sah denn Kindheit in früheren Zeiten und in anderen Kulturen aus?
  3. Welche grossen Megatrends verändern unser Zusammenleben in unserer Gesellschaft und wie werden diese unser Verständnis von Kindheit beeinflussen?
  4. Welchen Sinn macht es, an einem Konzept „Kindheit“ festzuhalten und wie könnte es weiterentwickelt werden.

  5. Wie sollte unsere gesellschaftliche Zukunft aussehen, so dass diese Zukunft kinderfreundlich sein wird? Und wie können wir das heute beeinflussen?

 

Dr. Andreas M. Walker
Vater von vier Kindern
Ehemaliger Präsident des Elternrates der Orientierungsschule Gellert

PS: Mein Prüfungsthema in meinen Abschlussprüfungen bei Prof. Dr. Martin Schaffner an der Universität Basel war „Sozialgeschichte der modernen Familie“. Ich freue mich über die Gedankengänge zur „Sozialgeschichte der zukünftigen Familie“.

Wird „Sicherheit“ zukünftig noch ein gesellschaftlicher Wert in der Schweiz sein?

Vorwort zur Studie Der künftige Wert der Sicherheit“ – eine Vertiefung zu „Die Schweiz 2030 – vier Szenarien“

Sicherheit ist in der Schweiz ein wichtiger Wert. Die Bundesverfassung sieht den Zweck der Schweizerischen Eidgenossenschaft unter anderem darin, die Freiheit und die Rechte des Volkes zu schützen und die Unabhängigkeit und Sicherheit des Landes zu wahren.

Sicherheit ist ein wichtiger, aber kein absoluter Wert. Die Wahrnehmung von Sicherheit, die Aversion gegenüber naturbedingten, technischen oder gesellschaftlichen Gefährdungen und die Bereitschaft, in Schutz und Sicherheit zu investieren, verändern sich in Abhängigkeit von den zugrunde liegenden Werten. Der Wertewandel in der Gesellschaft steht dabei in einem Wechselspiel mit der Thematisierung von Sicherheit und Risiken in der Öffentlichkeit und mit der sich objektiv verändernden Sicherheitslage. Diese Studie beschäftigt sich mit der zukünftigen Sicherheitspolitik unter dem Aspekt des Wertewandels. Ein Wertewandel kann zu Gesetzes-, ja sogar zu Verfassungsänderungen führen. Auch das Verständnis in der Öffentlichkeit, wer für welche Art von Sicherheit zuständig ist, wandelt sich letztlich unter dem Einfluss von Wertesystemen. Und auch die Diskussion, wie viel Sicherheit kosten darf, oder wie die Aufgabenteilung zwischen (Miliz-)Armee, kantonaler Polizei und kommerziellen Sicherheitsunternehmen aussehen soll, ist Ausdruck des Wertewandels.

Aufbauend auf der Hauptstudie «Wertewandel in der Schweiz 2030. Vier Szenarien» und den dortigen Erkenntnissen zum künftigen Wertewandel wurden im Dezember 2010 Fachpersonen aus den Bereichen der inneren und äusseren Sicherheit sowie dem Schutz kritischer Infrastrukturen zu einem Workshop bzw. zu bilateralen Gesprächen eingeladen. Für diese Austauschrunden wurden Experten aus Bund, Kantonen, Wirtschaft, Universitäten und Medien berücksichtigt. (Die ebenfalls in der Verfassung erwähnte soziale Sicherheit war nicht Gegenstand der Studie, sie findet aber als Rahmenbedingung Berücksichtigung.) In der Diskussion wurden die Szenarien der Hauptstudie vertieft. Dabei wurden beispielsweise die Fragen erörtert, in welchem Wechselspiel das Sicherheitsempfinden und spezifische Sicherheitsbedürfnisse mit dem gesellschaftlichen Wertewandel stehen, welche Wertehaltungen Einfluss auf das Sicherheitsverständnis nehmen und wie sich die Spannungsfelder zwischen den Werten Freiheit und Sicherheit sowie Individualismus und Solidarität entwickeln könnten.

Als Resultate dieser Gespräche werden in dieser Vertiefungsstudie in einem einführenden Kapitel Megatrends beleuchtet, die besonderen Einfluss auf die Werte rund um die Sicherheit haben. Die Szenarien stellen als Bilder möglicher Zukünfte die sicherheitsspezifische Vertiefung der vier Wertewandel-getriebenen Szenarien aus der Hauptstudie dar. Auf katastrophale Ereignisse, die zu einem überraschenden Bruch in den Szenarien führen würden, wurde bewusst verzichtet.

Welchen Wert hat Sicherheit in einer zukünftigen Schweiz im Szenario Ego, in dem die Betonung individueller Freiheit und der Glaube an (technische) Machbarkeit zu einer Dominanz von Leistung und Wettbewerb führen und der Fokus auf dem Schutz der kritischen Infrastrukturen liegt, die notwendige Grundlagen für die wirtschaftliche Prospe rität sind? Wie könnte in einem Szenario Clash die Werte-Zukunft aussehen, wenn es in einer soziokulturell auseinanderdriftenden Schweiz zu fraktionierten Parallelgesellschaften kommen wird, so dass die öffentliche Ruhe und Sicherheit keine Selbstverständlichkeit mehr sein werden? Was bedeutet es, wenn im Szenario Balance harmonische Verhandlungslösungen im Zentrum stehen und in dieser zukünftigen Schweiz Integration, Partizipation und Solidarität dominierende Werte in der Sicherheitsdiskussion sein werden? Oder wie könnte Sicherheit im Szenario Bio Control aussehen, in dem eine zukünftige Bevölkerung der Schweiz strikte Normen und verbindliche ethische Standards formuliert, diese Werte internalisiert und deren Einhaltung kontrolliert und rigide durchsetzt?

Diese Szenarien machen keine Aussagen zur Eintretenswahrscheinlichkeit oder zur politischen Wünschbarkeit. Sie wollen als Spiegel zur Überprüfung aktueller Visionen, Strategien und Konzepte und ihrer Zukunftstauglichkeit dienen. Sie wollen zur Bereicherung der Diskussion dienen, indem sie den Brückenschlag ermöglichen wollen zwischen der fachlichen Diskussion künftiger Risiken einerseits und der politischen Diskussion andrerseits. Diese Szenarien wollen zur Diskussion herausfordern, in welcher Form und zu welchem Preis der Wert Sicherheit in Zukunft in der Schweiz gestaltet werden soll.

Dr. Andreas M. Walker, Co-Studienleiter

Erwartungen an die Energie der Zukunft

Eine der Methoden der Zukunftsforschung ist die Analyse von Megatrends: Wo haben wir Entwicklungen, die über Jahrzehnte unser Leben, unsere Werte und unser Verhalten verändern? Globalisierung, technischer Fortschritt, Langlebigkeit und die Präsenz der elektronischen Medien rund um die Uhr und rund um den Globus sind prägende Megatrends unserer Tage.

Jeder dieser Megatrends setzt voraus, dass Energie verfügbar, preiswert und sicher ist.

Doch diese Megatrends stellen auch unseren Umgang mit Energie in Frage: Aufgrund der Globalisierung können Westeuropa und Nordamerika kein Vorrecht mehr auf die Verfügbarkeit von billiger Energie fordern – zunehmend stehen wir in Konkurrenz zu den wachsenden Emerging Markets. Dabei zeigt sich, dass die Verfügbarkeit von Energie nicht nur eine Frage des Marktpreises sondern auch der Machtpolitik ist – und die energieliefernden Länder sind zu einem doppelten Spiel bereit. Der Fortschritt hat unser Leben vereinfacht. Harte körperliche Arbeit oder das Leben mit saisonalen Schwankungen kennen wir nur noch aus Erzählungen unserer Eltern oder aus dem Freizeitbereich. Als Ersatz für den Einsatz eigener körperlicher Energie haben wir uns daran gewöhnt, dass Fremdenergie rund um die Uhr zur Verfügung steht: Ein Leben mit weniger Licht, weniger Wärme und weniger Mobilität ist in unserer postmodernen Gesellschaft undenkbar. Seit über hundert Jahren nimmt unsere Lebenserwartung kontinuierlich zu: wir dürfen erwarten, dass wir 80 Jahre alt werden. Dank medizinischem Fortschritt, grossen Anstrengungen in der Unfallverhütung und dem Ausbleiben von Kriegen haben wir viele Todesgefahren eindämmen können – doch gerade im Alter setzen wir diese Annehmlichkeiten als selbstverständlich voraus: Licht, Wärme, Kommunikationsmittel, Fremdkraft für die Unterstützung der Mobilität.

Verbunden mit der Klimadebatte der letzten Jahre tauchte die Kernenergie als White Knight auf, nachdem sie bereits Mitte des 20. Jahrhunderts als Zukunftsenergie betrachtet wurde – regional produzierbar, unabhängig von fossilen Brennstoffen, CO2-neutral und mittlerweile sicherheitstechnisch gereift und in der Gewissheit, dass sich die Abfallprobleme für Jahrtausende wegsperren lassen.

Eine andere Methode der Zukunftsforschung ist das Arbeiten mit Black Swans: Was geschieht, wenn das Unmögliche doch geschieht? Wenn Jahrtausendereignisse doch eintreten? Durch TV und Internet finden global verteilte Katastrophen plötzlich live in unseren Wohnzimmern statt: 9/11, Tsunami 2004, Hurrican Catrina, asiatische Vogelgrippe, chinesisches Erdbeben, mexikanische Schweinegrippe, Erdbeben Haiti – und diesen März die Mehrfachkatastrophe in Japan. Sind Black Swans gar nicht so selten? Dabei wird die Unterscheidung immer schwieriger: Welches ist der Anteil einer unabwendbaren Naturkatastrophe und welches sind menschengeschaffene Umstände, die Folgeschäden provozieren? Aufgrund unserer medialen Wahrnehmung sind global verstreute Katastrophen mental bei uns omipräsent. Aufgrund der globalen Finanzmärkte sind diese Ereignisse in unseren Portemonnaies noch viel präsenter.

Und die Frage taucht auf, ob angesichts der technischen Restrisiken, der medialen Verbreitung von Katastrophenmeldungen und der globalen Verknüpfung unserer Wirtschaft die Kernenergie wirklich als White Knight für die Energiebedürfnisse der Zukunft taugt? So verschieden unsere Vorstellungen über unsere Zukunft auch sein mögen – sie gehen alle davon aus, dass Energie verfügbar, preiswert und sicher ist. Wie muss ein zukunftsfähiges Energieportfolio aussehen, das diesen Bedürfnissen gerecht wird?

(Dieser Blog entspricht dem Editorial, das ich für „Energie mit Zukunft“ – Smart Media Themenzeitung im Tages Anzeiger vom 29. März geschrieben habe.)