Die Verwaltung der Zukunft

Die Bundespräsidentin fordert in ihrer 1. August-Ansprache eine Debatte über die ferne Zukunft der Schweiz. Es stellt sich die Frage, in welchem Zeithorizont diese Zukunft liegen wird und wie sich die Verwaltung und die Welt in diesem Horizont verändern.

Link zu meinem Aufsatz für die Schweizerische Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften SGVW:

http://www.sgvw.ch/d/fokus/Seiten/100913_zukunftverwaltung_walker.aspx

Generationen wohin?

Politisch, ethisch und kulturell stehen wir vor spannenden Jahrzehnten mit einem Phänomen, dass wir in unseren Kulturen, in unserer Ethik und in unseren Religionen noch nicht abbilden können: die Generation, die Selbstverwirklichung zum dominierenden Wert erhoben hat, die den Bruch mit der Vorgeneration systematisiert hat, die mit dem Pillenknick die Frage der Nachfolgegeneration kontrollierbar gemacht hat und die solidarische Verpflichtungen aus der Konkretheit von Familie, Nachbarschaft und Freundeskreis an die Abstraktheit des Staates ausgelagert hat, tritt nun selbst ins 3. und 4. Lebensalter ein. Wie wird diese Generation ihr Alter alleine meistern?

Zunehmende Medialisierung und Transparenz als Herausforderung für Verwaltung und Business

Virtualisierung, Medialisierung und die damit verbundene Transparenz gehen Hand in Hand und führen zu einem signifikanten Qualitätswandel der Medien. Durch die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Internet und Social Networks und dem niedrigen Preis hat eine Popularisierung der Medien stattgefunden: Theoretisch kann beinahe jeder auf billigste und schnellste Weise Nachrichten und Kommentare produzieren und in der medialen Welt verbreiten und die kommerziellen Medien stehen selbst in einem noch vor wenigen Jahren undenkbaren Konkurrenzdruck im Kampf um Aufmerksamkeit und Meinungsbildung: knapp 4 Millionen Schweizer sind täglich im Internet[1], über 2 Millionen haben ein Facebook-Account[2]. Schweizerinnen und Schweizer verbringen mittlerweile mehr Zeit im Internet als vor dem Fernseher[3]. Nicht mehr die Qualität der journalistischen Recherche sondern Geschwindigkeit, Effekthascherei, Fortpflanzung von Meldungen über Social Networks und das Ranking in der Google Suche sind zu Erfolgsfaktoren geworden, die Werte wie Korrektheit, Nachprüfbarkeit, Ausgewogenheit und Sachlichkeit überholt haben.

Unser politisches System der Konkordanz konnte sich bisher ausgewogene Vernehmlassungsprozesse, Interessensabwägung und Absprachen zwischen Beteiligten und Betroffenen leisten und grossen Wert auf methodisch und inhaltlich korrektes Expertenwissen legen, das die Verwaltung für die politischen Entscheidungsträger aufbereitete. Entsprechend konnte in einem geschützten Rahmen viel Zeit in die Meinungsfindung und Entscheidungsvorbereitung investiert werden.

Die Transparenz und Emotionalität der Social Networks, die Schnelligkeit der Massenmedien, die sich den Sachzwängen der elektronischen Medien angepasst haben und zu Tageszeitenmedien mutiert sind, und die Bereitschaft vieler Politisierenden, aktiv am „Markt der medialen Aufmerksamkeit“ teilzunehmen, stellen eine grosse Herausforderung an sachorientiertes Arbeiten dar, das sich traditionell an einer 0%-Fehler-Quote orientiert.

Die Qualität und Schnelligkeit der neuen Medien und Kommunikationsformen führt zu einer Vermischung von persönlich-emotionalen, interessenspolitischen und sachlichen Ebenen, da für eine sachliche und fundierte Analyse und die akademische Verifizierung der Inhalte meistens keine Zeit mehr bleibt. Die Evaluation von Glaubwürdigkeit und Absenderlegitimation und die Deutungshoheit gewinnen unermessliche Bedeutung

Durch die globale und andauernde Verfügbarkeit der neuen Medien und Kommunikationsformen sind die Kommunikationswege kaum noch kontrollierbar. Die aktive Meinungsbildung und die eindeutige Information der Bevölkerung werden immer schwierig. Korrekte oder gefälschte Nachrichten, Gerüchte, Verschwörungstheorien oder Richtigstellungen befinden sich in einem chaotischen Wettbewerb um Aufmerksamkeit – und dabei ist bei vielen Themen häufig lange nicht klar, ob sich Behörden und sachorientierte akademische Experten wirklich durchsetzen können – erinnern wir uns nur an die Impfkampagne im Zusammenhang mit der H1N1-Pandemie zurück. Behörden, die dabei unterschiedliche Positionen vertreten und deshalb in eigenem Interesse gegeneinander kommunizieren – wie bei der Loveparade in Duisburg – tragen zu ihrem eigenen Glaubwürdigkeitsverlust in der Bevölkerung aktiv bei.

Die Behörde als „Obrigkeit“ ist in grossem Masse auf verschiedenen Ebenen herausgefordert

  • Die Behörde nutzt die Medien als Informationskanal: Sie muss versuchen, die offizielle „obrigkeitliche“ Information durchzusetzen. Dabei reichen simple Verlautbarungen in einer Richtung nicht mehr aus, vielmehr muss verifiziert welche Botschaften wo ankommen, wie sie transportiert und gewandelt werden.
  • Die Verwaltung selbst wird zum Medienobjekt: Gerade die virtuelle Welt bietet einen fruchtbaren Nährboden für Verschwörungstheorien sämtlicher Art, die die Glaubwürdigkeit und Absenderlegitimation der Behörden hinterfragen.
  • Die Mitarbeitenden der Verwaltung sind selbst Medienkonsumierende: Ihre persönliche Meinungsbildung unterliegt nicht der obrigkeitlichen Information – denn meistens ist diese frühmorgens durch den Konsum von Gratisboulevardmedien und durch den eigenen Zugang zu den virtuellen Social Networks bereits vorgeprägt. Die immer noch erstaunlich weit verbreitete Experten- und Vorgesetztenmeinung, dass Verwaltungsmitarbeitende ausserhalb dieser Einflussspähren stehen und sich primär an Fach- und Behördeninformationen orientieren, ist schlicht naiv.

[1] http://news.worldsites-schweiz.ch/internetnutzung-39-millionen-schweizer-sind-taeglich-online.htm/

[2] http://bernetblog.ch/tag/serranetga/

[3] http://www.clickwerk.ch/go/blog/studie-internetnutzung-in-der-schweiz/

Die Virtualisierung unserer Welt

Offensichtlich ist, dass privat, beruflich und politisch die Virtualisierung weiterhin weltweit im Vormarsch ist und ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung diese Entwicklung intensiv mitvollzieht. Email-Kommunikation, Download-Formulare jeglicher Art und Blogs von Politisierenden sind bereits heute Realität. Die Ideen zu E-Governement sind weit verbreitet. Der „virtuelle Analphabetismus“ wird für Anbieter, Konsumenten und Kommunikationswillige bald ein vergleichbares Problem wie der ursprüngliche Analphabetismus werden – inklusive der gesellschaftlichen Stigmatisierung. Sowohl durch den d im Freundeskreis unserer Kinder wie auch durch die Anforderungen der Schule werden wir als Eltern heute schon genötigt, dass wir einen PC für unsere Teenager kaufen MÜSSEN. Eine Neuanstellung in einem Dienstleistungsbetrieb ohne EDV-Vorkenntnisse ist undenkbar. Nach Web1.0, das primär zur Information in einer Richtung diente, ist Web2.0 Realität geworden, in dem gegenseitige Kommunikation und Interaktion stattfinden. In den Ideen zu diesen Entwicklungen – Markt 2.0 oder Verwaltung 2.0 – gehen wir aber stillschweigend davon aus, dass drei grosse Voraussetzungen selbstverständlich garantiert werden:

  1. Die Verfügbarkeit der virtuellen Kommunikationswege: Immer wieder sind wir überrascht, wenn Emails bis zu einer Stunde unterwegs sind, wenn bei Grossereignissen das Handynetz schon nach kurzer Zeit zusammenbricht oder wenn immer wieder Serverpannen das Internet in der halben Schweiz für mehrere Stunden lahm legen können.
  2. Die Kosteneffizienz des Systems für den Nutzer.
  3. Die Lösung der Sicherheitsfrage: Jeder vertragliche Kaufakt und jede behördliche Handlung muss eindeutig belegt werden können und die Partner müssen eindeutig identifizierbar sind – und in diesem Bereich stehen wir erst am Anfang der kriminellen Fantasie und des Wettrüstens zwischen Sicherheit und Missbrauch. In der chaotischen Mischung zwischen Exhibitionismus und Täuschung, zwischen sozialem Networking und Missbrauch wird die Frage nach der tatsächlichen Identität immer wichtiger und schwieriger machen. „Ordnung“, „Vertrauenswürdigkeit“ und „Echtheit“ werden immer wichtiger– aber in einem dynamischen Netz immer schwieriger durchsetzbar und überprüfbar.

Verschiedene Dimensionen der Veränderung und des Zukunftsbewusstseins

Die Unterscheidung zwischen den Meinungen gegenüber Entwicklungen und Änderungen, die von Medien, Politik und Marketing propagiert werden, die von Experten vertreten werden und die von Bevölkerung und Kundschaft tatsächlich nachvollzogen werden ist, ist schwierig. Und zu letzt bleibt die Frage nach der tatsächlichen Bereitschaft und Fähigkeit der eigenen Mitarbeitenden zum Wandel. Ein wertvolles Modell zum Verständnis der „Veränderungsfreudigkeit“ bei den Mitarbeitenden findet sich im Ansatz des „Kohärenzsinn“, den Aaron Antonovsky mit drei Fragestellungen nachvollziehbar macht:

  • Verstehe ich die Veränderung? Bin ich über Ursachen, Wechselwirkungen und Ziele informiert und im Umgang damit geschult worden?
  • Erkenne ich einen Sinn in der Veränderung? Verstehe ich Motive, Zweck und Nutzen? Entsprechen diese meinem Wertsystem?
  • Kann ich die Veränderung handhaben? Bin ich einbezogen worden? Kann ich auf die Details in meiner unmittelbaren Umgebung noch Einfluss nehmen? Weiss ich, wie ich damit umgehen soll? Verfüge ich über die entsprechenden Ressourcen?

Um sich seine eigene Position im Umgang mit Veränderungen bewusst zu machen, helfen folgende vier Fragen:

  1. Welches Zukunftsszenario erhoffe ich?
  2. Welches Zukunftsszenario befürchte ich?
  3. Welches Zukunftsszenario würde mich überraschen?
  4. Auf welches Zukunftsszenario bereite ich mich effektiv vor?

Bei der Frage nach der Zukunft der Verwaltung müssen wir zwei Dimensionen unterscheiden:

  • Viele technische Fortschritte sind bereits heute erkennbar, ein Blick in die Patentämter und die Forschungsstätten der technischen Hochschulen lässt ahnen, welche technische Science Fiction bald Realität werden wird, häufig ist der effektive Wandel eine Frage des Preises.
  • Kulturelle Veränderungen und die Anpassungen von Werten, Menschen-, Welt- und Gottesbildern sind meistens langsame Prozesse, die den 10-Jahres-Rahmen sprengen. Auch der Wandel des Staats- und Behördenverständnisses muss langfristig betrachtet werden. Die Frage „Was wird gleichbleiben“ ist mindestens so wertvoll wie die Frage nach der Veränderung.

Gegenwärtig wird eine Vielzahl von Megatrends beobachtet. Im Rahmen dieses Aufsatzes soll der Fokus auf vier Aspekten liegen:

  • Zunehmende Virtualisierung der Welt
  • Zunehmende Medialisierung und Transparenz
  • Drohender Wechsel des politischen Systems
  • Zunehmende Unklarheiten über die Zuständigkeiten zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Akteure

Was wird sich in den nächsten 10 Jahren verändern?

Was wird sich in den nächsten 10 Jahren verändern?

„Vermeide Vorhersagen jeglicher Art, insbesondere solche, die die Zukunft betreffen“, spottete bereits Mark Twain. Trotzdem pflegen wir in der Schweiz traditionell eine weit entwickelte Kultur der Vorbereitung und Vorsorgeplanung für zahlreiche Eventualitäten, so ist auch swissfuture, die Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung weltweit eine der grössten und ältesten nationalen Vereinigungen, die die professionelle und seriöse Beschäftigung mit Fragen der Zukunft auf akademischem Niveau pflegen. Das Bewusstsein für zyklische Jahreszeiten und Festtage und die Beobachtung von Naturrisiken durch saisonale Witterungseinflüsse haben unsere Schweizer Kultur nachhaltig geprägt.

Verschiedene Dimensionen der Veränderung und des Zukunftsbewusstseins

Bei unserem Blick in die Zukunft der Verwaltung müssen wir nun zwei Dimensionen unterscheiden:

  • Viele technische Fortschritte sind bereits heute erkennbar, ein Blick in die Patentämter und die Forschungsstätten der technischen Hochschulen lässt ahnen, welche technische Science Fiction bald Realität werden wird, häufig ist der Wandel eine Frage des Preises und der Infrastruktur. Im weltweiten Vergleich betrachtet ist die Schweiz sehr offen gegenüber technischen Entwicklungen.
  • Kulturelle Veränderungen und die Anpassungen von Werten, Menschen-, Welt- und Gottesbildern sind meistens sehr langsame Prozesse, die Generationen andauern können und den 10-Jahres-Rahmen sprengen. Die Frage „Was wird gleichbleiben“ ist mindestens so wertvoll wie die Frage nach der Veränderung.

Die Unterscheidung zwischen den Meinungen gegenüber Entwicklungen und Änderungen, die von Medien, Politik und Marketing propagiert werden, die von Experten vertreten werden und die von Bevölkerung und Kundschaft tatsächlich nachvollzogen werden ist, ist schwierig. Und zu letzt bleibt die Frage nach der tatsächlichen Bereitschaft und Fähigkeit der eigenen Mitarbeitenden zum Wandel. Ein wertvolles Modell zum Verständnis der „Veränderungsfreudigkeit“ bei den Mitarbeitenden findet sich im Ansatz des „Kohärenzsinn“, den Aaron Antonovsky mit drei Fragestellungen nachvollziehbar macht:

  • Verstehe ich die Veränderung? Bin ich über Ursachen, Wechselwirkungen und Ziele informiert und im Umgang damit geschult worden?
  • Erkenne ich einen Sinn in der Veränderung? Verstehe ich Motive, Zweck und Nutzen? Entsprechen diese meinem Wertesystem?
  • Kann ich die Veränderung handhaben? Bin ich einbezogen worden? Kann ich auf die Details in meiner unmittelbaren Umgebung noch Einfluss nehmen? Weiss ich, wie ich damit umgehen soll? Verfüge ich über die entsprechenden Ressourcen?

Um sich seine eigene Position mit Umgang mit Veränderungen bewusst zu machen, helfen folgende vier Fragen:

  • Welches Zukunftsszenario erhoffe ich?
  • Welches Zukunftszenario fürchte ich?
  • Welches Zukunftsszenario würde mich überraschen?
  • Auf welches Zukunftszenario bereite ich mich effektiv vor?

Wie gut ist mein zeitliches Gefühl für Veränderungen?

Das eigene Gefühl für Veränderungen und wie viel Zeit Veränderungen brauchen ist oft trügerisch. Folgende Fragen können zur Selbstanalyse helfen. Was hat sich verändert:

  • seit meiner eigenen Ausbildung?
  • seit meinem Eintritt in die Verwaltung?
  • seit meinem letzten Positionswechsel bzw. seit meiner letzen Beförderung?
  • seit dem letzten Wechsel meines politischen Vorgesetzten?
  • seitWechsel des Lebenszyklus

Ebenso ist es wichtig, sich immer wieder den eigenen Zeit- und Empfindungshorizont bewussst zu machen. Welches ist mein eigener Horizont, in dem ich denke, fühle und plane?

  • Bis zum Ablauf der Frist meiner aktuell laufenden Geschäfte?
  • Bis zum Wochenende? Bis zum Familienurlaub? Bis zu den Bundesrats- bzw. Regierungsratsferien?
  • Bis zum Jahresende?
  • Bis zum Ende der laufende Regierungsperiode in Abhängigkeit meines politischen Vorgesetzten?
  • Bis zum Ablauf der Fristigkeit meiner Bankhypothek?
  • Bis zum Ende meines eigenen privaten Lebenszyklus? (z.B. heranwachsende Schulkinder?)
  • Bis zu meiner ordentlichen oder frühzeitigen Pensionierung?
  • Welches wären meine eigenen „symbolischen zehn Jahre“, die eigentlich jenseits meines Zeithorizontes liegen – aber für meine Mitarbeitenden und für die Verwaltungs- und Politikkultur in der Schweiz durchaus relevant sein können?

Die von swissfuture durchgeführte Umfrage hoffnung2010 zeigt (mit der Möglichkeit zu Mehrfachantworten): Schweizerinnen und Schweizer hoffen primär im kurz- und mittelfristigen Zeithorizont: etwa 30% der Hoffnungen beziehen sich auf den heutigen Tag oder die nächsten Tage oder Wochen. Knapp 40% hoffen für den Jahreshorizont bzw. den aktuellen Lebensabschnitt. Nur zwischen 10 bis 20% hoffen langfristig – sei dies der eigene Lebensabend oder sogar das Leben der eigenen Kinder oder der kommenden Generationen. Transzendente Zukunftshoffnungen, also die Sehnsucht nach einer Ewigkeit oder einem Jenseits, sind für 16% wichtig.itt

Überblick über aktuelle Umfragen zu Zukunftsängsten

Eine empirische Studie zur Hoffnung, die auf einer breit abgestützten Meinungsumfrage in Mitteleuropa basiert, ist in der Fachliteratur nicht bekannt und konnte auch trotz intensiver Internet- und Literaturrecherchen nicht eruiert werden.

Demgegenüber bestehen aber einige sehr bekannte Umfragen in der Schweiz und in Deutschland, die vom Konzept der Zukunftsangst und der Zukunftsenttäuschung ausgehen. Dabei wird nicht zwischen den verschiedenen Konzepten von Angst, Furcht und Sorge unterschieden.

So werden in der Schweiz jährlich ein „Sorgenbarometer“ und ein „Angstbarometer“ erhoben. In Deutschland werden ebenso ein Sorgenbarometer und „Die Ängste der Deutschen“ erhoben. Dabei verwenden diese Studien die Begriffe Sorge, Angst und Kummer synonym.

Diese Studien, die alle Repräsentativität beanspruchen, ergeben übrigens kein deckungsgleiches Bild zu den Zukunftsängsten in der Schweiz bzw. in Deutschland – obwohl jede dieser Studien beansprucht, repräsentativ zu sein:

Schweiz
Angstbarometer
2009
gfs-zürich[1]

Aduno Gruppe

  1. Luftverschmutzung / Klimaveränderung
  2. Egoismus der Menschen
  3. Kriminalität
  4. Steigende Abhängigkeit der Wirtschaft
  5. Zukunft der Kinder
  6. Sittenzerfall
  7. Überfremdung

[1] Quelle: http://www.gfs-zh.ch/?pid=236&searchtxt=QW5nc3RiYXJvbWV0ZXI

Schweiz
Sorgenbarometer
2009
gfs.bern

CREDIT SUISSE[1]

  1. Arbeitslosigkeit
  2. Gesundheitswesen
  3. Altersvorsorge
  4. Soziale Sicherheit
  5. Finanzkrise
  6. Wirtschaftskrise
  7. Persönliche Sicherheit
  8. Ausländer
  9. Neue Armut
  10. Flüchtlinge
  11. Umweltschutz
  12. Löhne
  13. Inflation
  14. Bundesfinanzen
  15. Europäische Integration
  16. Börsenkrise
  17. Sozialpartnerschaft
  18. Globalisierung
  19. Energie
  20. Drogen

[1] Quelle: http://emagazine.credit-suisse.com/app/article/index.cfm?fuseaction=OpenArticle&aoid=273923〈=DE

Deutschland
stern-Sorgenbarometer
2009
stern[1]
  1. Angst vor ausufernden Staatsschulden
  2. Furcht vor steigender Arbeitslosigkeit
  3. Sorge um den Zustand der Umwelt
  4. Lage der Renten
  5. Sorge, dass unsere Politiker mit den Problemen überfordert sein könnten
  6. Preise beziehungsweise Lebenshaltungskosten könnten steigen
  7. Angst um Ersparnisse
  8. Konjunktureinbruch
  9. Angst um den Job
  10. Sorge vor Spannungen mit Ausländern
  11. Sorge vor Kriegen mit deutscher Beteiligung

[1] Quelle: http://www.stern.de/wirtschaft/geld/stern-sorgenbarometer-staatsschulden-sind-derzeit-groesste-angst-der-deutschen-1524214.html

Deutschland
Ängste der Deutschen
2009
R+V[1]
  1. Schlechtere Wirtschaftslage
  2. Höhere Arbeitslosigkeit in Deutschland
  3. Steigende Lebenshaltungskosten
  4. Naturkatastrophen
  5. Pflegefall im Alter
  6. Überforderung der Politiker
  7. Schwere Erkrankung
  8. Eigene Arbeitslosigkeit
  9. Terrorismus
  10. Sinkender Lebensstandard im Alter
  11. Spannungen durch Ausländer
  12. Drogensucht der eigenen Kinder
  13. Krieg mit deutscher Beteiligung
  14. Vereinsamung im Alter
  15. Straftaten
  16. Zerbrechen der Partnerschaft

[1] Quelle: http://www.ruv.de/de/presse/r_v_infocenter/studien/aengste-der-deutschen.jsp

Zitate und Sprichwörter, weshalb nicht Angst, sondern Hoffnung eine christliche Tugend ist, die im Vertrauen auf Gott gründet

Darum hoffen auf dich, die deinen Namen kennen; denn du verlässest nicht, die dich, HERR, suchen. (Psalm 9, 11)

Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir mangeln. (Psalm 23, 1)

Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! (Psalm 31, 15)

Hoffe auf den HERRN und tue Gutes; bleibe im Lande und nähre dich redlich. (Psalm 37, 3)

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen. (Psalm 37, 5)

Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. (Psalm 62, 6)

Denn du bist meine Zuversicht, Herr, HERR, meine Hoffnung von meiner Jugend an. (Psalm 71, 5)

Denn für jeden, der noch zu den Lebenden gehört, gibt es Hoffnung. (Prediger 9,4)

Denn ich hoffe auf den HERRN, der sein Antlitz verborgen hat vor dem Hause Jakob; ich aber harre sein. (Jesaja 8, 17)

Gesegnet ist der Mann, der sich auf Gott verlässt und dessen Hoffnung Gott ist. (Jeremia 17, 7)

Du, Herr, bist die Hoffnung Israels. (Jeremia 17, 13)

Geduld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung. (Römer 5, 4)

Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. (Römer 5, 5)

Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. (Römer 12, 12)

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. (Römer 15,13)

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf. (1. Korinther 13,4-8)

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten jedoch unter ihnen ist die Liebe. (1. Korinther 13,13)

Jesus Christus aber, unser Herr, und Gott, unser Vater, der uns seine Liebe zugewandt und uns in seiner Gnade ewigen Trost und sichere Hoffnung geschenkt hat, tröste euch und gebe euch Kraft zu jedem guten Werk und Wort. (2. Thessalonicher 2,16-17)

Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

Und auch wenn morgen die Welt untergeht pflanze ich heute noch ein Apfelbäumchen. (Luther zugeschrieben)

Hoffen heißt: die Möglichkeit des Guten erwarten; die Möglichkeit des Guten ist das Ewige. (Søren Aabye Kierkegaard)

Wie übel wären wir dran, wenn unsere Hoffnung auf Menschen ruhte. (Adolph Kolping)

Wir brauchen die kleineren oder grösseren Hoffnungen, die uns Tag um Tag auf dem Weg halten. Aber sie reichen nicht aus ohne die grosse Hoffnung, die alles andere überschreiten muss. Diese grosse Hoffnung kann nur von Gott sein, der das Ganze umfasst und der uns geben und schenken kann, was wir allein nicht vermögen. (Papst Benedikt XVI.)

Wer Hoffnung hat, lebt anders; ihm ist neues Leben geschenkt worden. (Papst Benedikt XVI.)

Es ist das Warten auf Kommendes von einer schon geschenkten Gegenwart her. (Papst Benedikt XVI.)

Der Mensch braucht Gott, sonst ist er hoffnungslos. (Papst Benedikt XVI.)

In diesem Sinne gilt, dass, wer Gott nicht kennt, zwar vielerlei Hoffnungen haben kann, aber im Letzten ohne Hoffnung, ohne die grosse, das ganze Leben tragende Hoffnung ist. Die wahre, die grosse und durch alle Brüche hindurch tragende Hoffnung des Menschen kann nur Gott sein – der Gott, der uns bis ans Ende, bis zur Vollendung geliebt hat und liebt. (Papst Benedikt XVI.)

In diesem Sinne hat die Neuzeit die Hoffnung auf die zu errichtende vollkommende Welt entwickelt, die durch die Erkenntnisse der Wissenschaft und einer wissenschaftlich fundierten Politik machbar geworden schien. So wurde die biblische Hoffnung auf das Reich Gottes abgelöst durch die Hoffnung auf das Reich des Menschen, die bessere Welt, die das wirkliche „Reich Gottes“ sein würde. (Papst Benedikt XVI.)

Die grosse Hoffnung kann nur Gott sein, der das Ganze umfasst und der uns geben und schenken kann, was wir allein nicht vermögen. Gerade das Beschenktwerden gehört zur Hoffnung. Gott ist das Fundament der Hoffnung – nicht irgendein Gott, sondern der Gott, der ein menschliches Angesicht hat und der uns geliebt hat bis ans Ende. (Papst Benedikt XVI.)

Ein erster wesentlicher Lernort der Hoffnung ist das Gebet. (Papst Benedikt XVI.)

Die Hoffnung ist unser, der Ausgang Gottes. (Sprichwort)

Hoffnung – eine Tugend

In früheren Jahrhunderten war das Konzept der Tugendethik als normativer Ethik weit verbreitet. Als Tugend galt eine als hochwertig anerkannte Eigenschaft oder Haltung eines Menschen, oder wie der Duden definiert „eine bestimmte sittlich wertvolle Eigenschaft“ bzw. eine „vorbildliche Haltung eines Menschen“[1].

Hoffnung wird in vier wichtigen Tugendlehren erwähnt:

Die drei christlichen Tugenden des Paulus Hoffnung (spes) gilt als eine der drei christlichen Tugenden nach Paulus[2] – neben Glauben (fides) und Liebe (caritas).
Die sieben Kardinals­tugenden des Thomas von Acquin Hoffnung war eine der sieben Kardinaltugenden in der Ethik des Thomas von Acquin: Klugheit, Gerechtigkeit, Mässigung, Tapferkeit sowie die drei christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung
Die zwölf Rittertugenden Hoffnung war eine der zwölf Rittertugend[3] neben Weisheit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Starkmut (Stärke), Glaube, Mässigkeit, Güte, Demut und Liebe
Positive Psychology nach Seligmann Die Positive Psychologie nach Seligman greift in den 1990er Jahren das Konzept der „virtues“ wieder aufbezeichnet. Seligman bezeichnet Hoffnung als eine Charakterstärke, die er zur Grundtugend Transzendenz zählt[4].

In mehreren der traditionellen Tugendlehren taucht die Hoffnung aber nicht auf:

Die antiken vier platonischen bzw. aristotelische
Kardinaltugenden:
  • Klugheit (gr.: phrónesis, lat.: prudentia),
  • Tapferkeit (gr.: andreia, lat.: fortitudo),
  • Mässigung (gr.: sophrosýne, lat.: temperantia),
  • Gerechtigkeit (gr.: dikaiosýne, lat.: justitia)
Bürgerliche
Tugenden:
  • Ordentlichkeit,
  • Sparsamkeit,
  • Fleiss,
  • Reinlichkeit
  • Pünktlichkeit
Preussische
Tugenden:
  • Aufrichtigkeit,
  • Bescheidenheit,
  • Fleiss,
  • Gehorsam,
  • Geradlinigkeit,
  • Gerechtigkeitssinn,
  • Gottesfurcht,
  • Härte gegen sich selbst,
  • Mut,
  • Ordnungssinn,
  • Pflichtbewusstsein,
  • Pünktlichkeit,
  • Redlichkeit,
  • Selbstverleugnung,
  • Sparsamkeit,
  • Tapferkeit ohne Wehleidigkeit,
  • Treue,
  • Unbestechlichkeit,
  • Unterordnung,
  • Zurückhaltung,
  • Zuverlässigkeit

[1] DUDEN (1985/2) Das Bedeutungswörterbuch, Wortbildung und Wortschatz, Mannheim

[2] Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. Nach der Übersetzung der Lutherbibel, 1. Brief an die Korinther, Kapitel 13, Vers 13

[3]Das allegorische Preisgedicht auf Kaiser Karl IV. von Heinrich von Mügeln „Der meide kranz“ (um 1355) enthält eine Tugendlehre, in der die zwölf Tugenden Weisheit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Starkmut (Stärke), Glaube, Mäßigkeit, Güte, Demut, Hoffnung und Liebe auftreten.

[4]http://www.ppc.sas.upenn.edu/.