Erleben wir eine Renaissance des Nomadismus?

Vom Jäger zum Bauern

Die Menschheitsgeschichte lehrt uns, dass wir ursprünglich Jäger und Sammler waren. Zwischen dem achten und fünften Jahrtausend fand in Süd- und Mitteleuropa der Übergang zum sesshaften Bauerntum statt. Wir begannen, den Acker zu bestellen und Vieh zu halten. Als früherer Seitenzweig zu dieser Entwicklung entstand der Nomadismus, indem Hirten, teilweise mit dem ganzen Hausrat, zyklisch den Futterplatz des Vieh und somit auch den eigenen Wohnplatz wechselten. Übrigens sind wichtige religiöse Vorstellungen in unserem Kulturkreis von den Übergängen zwischen Nomadismus und Sesshaftigkeit geprägt: die Wurzeln der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam gehen auf solche Persönlichkeiten und Erlebnisse zurück, viele unserer religiöse Denkmuster und Werte entstammen dem Lebensumfeld von wandernden Hirten und sesshaft gewordenen Bauern.

Das Territorium

Mit dem Übergang zur Sesshaftigkeit wurde der Wert der „Heimat“ nicht mehr primär durch das soziale Beziehungsnetz, sondern durch die Zugehörigkeit zu einem Territorium innerhalb von räumlichen Grenzen definiert. Die Entstehung der verfassungsmässig begründeten Nationalstaaten im 18. und 19. Jahrhundert fixierte das Denken in den Kategorien „Territorium“ und „Grenzen“ geradezu normativ. Reichtum wurde definiert durch die Verfügungsgewalt über Ländereien und Gebäude sowie über Menschen, die diese bewirtschafteten. Diese Ordnung machte Sinn: der eigene Lebenshorizont wurde sichtbar, Stabilität schaffte Ruhe, durch Grenzen definierte Territorien konnten völkerrechtlich und militärisch verteidigt werden. Die Identität wurde nicht mehr primär als Zugehörigkeit zu einem „Volk“ durch Abstammung oder durch Religion, Hautfarbe oder Sprache sondern als „Bürger einer Nation“ durch ein Territorium definiert. Der Wert der Sesshaftigkeit und des Immobilienbesitzes sind fest in unserer Kultur verankert, so fühlen sich auch in aktuellen Studien Besitzer glücklicher als Mieter und 95% wohnen gerne in der Region, in der sie sich niedergelassen haben.[1]

Mobile Sondergruppen

Dabei wies auch die sesshafte Kultur während der ganzen Epoche Sondergruppierung auf, die hoch mobil waren:

  • Krieger und Söldner, die gerade in der spätmittelalterlichen Eidgenossenschaft eine grosse Bedeutung hatten, bis der Schweizer Nationalheilige Niklaus von der Flüh mit seinem Ratschlag „Mischt Euch nicht in fremde Händel“ den Grundgedanke der schweizerischen Neutralität begründete,
  • reisende Händler, die sowohl für Brückenstädte wie Basel aber auch für den Alpen-, Pässe- und Gotthardmythos wirtschaftlich entscheidend waren,
  • religiös motivierte Pilger und Wanderprediger, die auf einem der Jakobswege nach Santiago di Compostella unterwegs waren und die Wichtigkeit des Kloster Einsiedelns als Wallfahrtsort begründeten
  • Bildungsreisende, die sich sowohl an den alten Pilgerrouten orientierten, aber auch auf den Spuren von Goethe und Schiller, den grossen Dichtern der Klassik, den Weg in die Schweiz und nach Italien suchten. Die Lektüre dieser Bücher, gepaart mit den Mythen von Natur und Ursprünglichkeit in der Romantik und der Idealisierung der Schweiz als Hort von Freiheit und Demokratie waren die Grundlagen für den Wert des Tourismuslandes Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert.

Ausnahmen werden zur Regel

Diese Typen, die in einer sesshaft gewordenen Kultur eigentlich Ausnahmeerscheinungen sind, sind in einer neuen Form seit einigen Jahren wieder allpräsent: Söldner und Handelsreisende sind verschmolzen zum Arbeitsplatzpendler und Geschäftsreisenden. Pilger und Bildungsreisende sind verschmolzen zum Touristen und Freizeitserlebnis-Suchenden, wobei meistens Abwechslung zur Arbeit, Erholung und Spass das treibende Motiv sind.

Die Bautechnik hilft uns, naturräumliche Grenzen und Hindernisse zu überwinden. Moderne Verkehrsmittel helfen uns, Distanzen zu überwinden. Territoriales Denken scheint in vielen Bereichen überholt, da alte Grenzen und Distanzen nicht mehr relevant sind. Verkehr ist auf diesem Wege sehr schnell und insbesondere sehr billig geworden.

Das „Gen des Unterwegs-Sein“, das identitätsstiftend für Jäger, Sammler und Nomade war, und primär wirtschaftlich und militärisch nötig war, und das „Gen der Sesshaftigkeit“, das nach Heimat und materiellem Immobilienbesitz drängt, werden immer häufiger von einer Person innerhalb eines Lebensabschnittes gleichzeitig gelebt. Aufgrund der Megatrends von Globalisierung, Mobilität, Flexibilität, Geschwindigkeit und Individualität entsteht ein neuer Nomaden-Typus.

Die schnelle und billige Überwindbarkeit von Grenzen und Distanzen ist einer der wichtigen Werte unserer Gesellschaft geworden. Der grösste Teil unserer Gesellschaft profitiert von den Vorteilen der Sesshaftigkeit – und ist gleichzeitig Tageszeit- oder Wochenend-Nomade – auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkauf, zur Erholung oder zu Freunden. Dabei hat sich die Geschwindigkeit verzwanzigfacht: von 5 km/h auf über 100 km/h.

Neue Grenzen

Doch seit kurzem tauchen neuartige Grenzen am Horizont auf:

  • die Grenze der billigen Verfügbarkeit von fossilen Brennstoffen als Voraussetzung, dass Verkehr so billig bleibt und somit für die Masse erschwinglich bleibt,
  • die Grenze des verfügbaren Verkehrsraumes, der immer stärker in Konkurrenz zu Wohn- und Arbeitsraum steht, insbesondere weil Verkehr durch Lärm und Luftschadstoffe einen „Schattenraum“ beansprucht, der immer weniger akzeptiert wird,
  • die Grenze der Selbstregenerierung der Luft und des Klimas als Lebensgrundlage.

40 JAHRE SWISSFUTURE – 40 JAHRE ZUKUNFTSDEBATTE IN DER SCHWEIZ

Editorial für das swissfuture Magazin 2010/3, das Ende September erscheinen wird:

Sehr geehrte Leserin,
sehr geehrter Leser

Bundespräsidentin Doris Leuthard fordert in ihrer 1.-August-Ansprache eine Debatte über die ferne Zukunft der Schweiz. Wann wird diese „ferne Zukunft“ stattfinden? Unsere Bundespräsidentin selbst gibt in ihrer 1.-August-Ansprache die Antwort, wann die ferne Zukunft beginnt: in 10 Jahren. Diese Antwort erstaunt uns.

Wenn der Zeithorizont durch die Medienlandschaft definiert wird, in der die Tageszeitung am Frühstückstisch bereits alt ist, weil sie nur Mitteilungen von gestern erhält und Neuigkeiten binnen Minuten ins Internet finden, liegt dieser Horizont tatsächlich weit weg. Auch beim Blick auf die Finanzmärkte, die sich auf Quartalszahlen stützen, sind 10 Jahre eine ferne Zeit. In der Politik ist die Legislaturperiode von 4 Jahren ein wichtiger Zeitraum, 10 Jahre wären 2 ½ Legislaturperioden – kaum vorhersagbar, wie dann die Zusammensetzung unseres Parlamentes aussehen wird. 58% der Bundesräte der letzten 100 Jahre und 59% der aktuellen Parlamentsangehörigen sind kürzer als 10 Jahre im Amt. Somit liegt die Vermutung nahe, dass die 10 Jahre symbolisch interpretiert werden sollen: es geht darum weiter zu denken als der eigene Zeithorizont.

swissfuture wurde vor 40 Jahren gegründet, um diese Zukunftsdebatte über die ferne Zukunft der Schweiz auf akademischem Niveau zu ermöglichen.

Texte unserer Vereinsgründer Prof. Dr. Bruno Fritsch und Dr. Gerhard Kocher aus dem Jahr 1970, die als Gründungsmanifeste verstanden werden dürfen, bilden den Auftakt unseres Heftes zum 40-Jahres-Jubiläum. Diese Texte plädieren dafür, Zukunftsforschung als eigene akademische Disziplin zu positionieren. Dieses Ziel haben wir in der Schweiz noch nicht erreicht. In Deutschland kann seit diesem Jahr an der Freien Universität Berlin der weiterbildende Masterstudiengang „Zukunftsforschung“ belegt werden. Das St. Galler Zentrum für Zukunftsforschung ist wieder verschwunden. An der ETH Zürich können im Rahmen der Bauwissenschaften Studiengänge zu Raumplanung und Raumentwicklung belegt werden. Unsere Mitgliedschaft bei der Schweizerischen Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften ist ein wichtiger Faktor auf diesem Weg in der Schweiz.

Vorstandsmitglied Georges T. Roos blickt in die Schweizer Geschichte der letzten vierzig Jahre und entwirft ein Szenario der kommenden vierzig Jahre. Der deutsche Zukunftsforscher Karlheinz Steinmüller reflektiert die hundertjährige Geschichte der Zukunftsforschung. Als Kind des zwanzigsten Jahrhunderts entstand sie als Reaktion auf die komplexen Problemlagen der Industriegesellschaft. Unser Mitglied Dr. Joël Luc Cachelin gibt uns Einblick in die drei Ebenen der organisationalen Zukunftsschau.

Ein Kapitel zur Vereinsgeschichte darf im Jubiläumsheft nicht fehlen – Co-Präsident Dr. Andreas M. Walker rekonstruiert die Vereinschronologie. Als Abschluss lassen uns die „grandes dames“ des Vorstandes der 90er Jahre – Altbundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz, Sylvia Egli von Matt und Elisabeth Michel-Alder – teilhaben, wie sie vor 20 Jahren Zukunftsforschung prägten.

Damit swissfuture eine attraktive Plattform für die Zukunftsdebatte bleibt, laden wir unsere Mitglieder zu einer Mitgliederumfrage via www.swissfuture.ch ein.

Auf der Grundlage der Studie Hoffnung2010 wollen wir auch in den kommenden Jahren erheben, welches Verständnis und Mass von Hoffnung in der Schweiz existiert – Hoffnung ist die Überzeugung, dass Zukunft stattfinden wird und positiv geprägt werden kann.

Mit der aktuellen Überarbeitung und branchenspezifischen Vertiefung der Szenarien 2010 – 2020 – 2030 zum Wertewandel in der Schweiz wollen wir einen aktiven Beitrag zur Debatte leisten, welche Werte die Schweiz der Zukunft prägen werden.

Dr. Andreas M. Walker und Cla Semadeni
Co-Präsidenten swissfuture

Die Verwaltung der Zukunft

Die Bundespräsidentin fordert in ihrer 1. August-Ansprache eine Debatte über die ferne Zukunft der Schweiz. Es stellt sich die Frage, in welchem Zeithorizont diese Zukunft liegen wird und wie sich die Verwaltung und die Welt in diesem Horizont verändern.

Link zu meinem Aufsatz für die Schweizerische Gesellschaft für Verwaltungswissenschaften SGVW:

http://www.sgvw.ch/d/fokus/Seiten/100913_zukunftverwaltung_walker.aspx

Zunehmende Medialisierung und Transparenz als Herausforderung für Verwaltung und Business

Virtualisierung, Medialisierung und die damit verbundene Transparenz gehen Hand in Hand und führen zu einem signifikanten Qualitätswandel der Medien. Durch die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Internet und Social Networks und dem niedrigen Preis hat eine Popularisierung der Medien stattgefunden: Theoretisch kann beinahe jeder auf billigste und schnellste Weise Nachrichten und Kommentare produzieren und in der medialen Welt verbreiten und die kommerziellen Medien stehen selbst in einem noch vor wenigen Jahren undenkbaren Konkurrenzdruck im Kampf um Aufmerksamkeit und Meinungsbildung: knapp 4 Millionen Schweizer sind täglich im Internet[1], über 2 Millionen haben ein Facebook-Account[2]. Schweizerinnen und Schweizer verbringen mittlerweile mehr Zeit im Internet als vor dem Fernseher[3]. Nicht mehr die Qualität der journalistischen Recherche sondern Geschwindigkeit, Effekthascherei, Fortpflanzung von Meldungen über Social Networks und das Ranking in der Google Suche sind zu Erfolgsfaktoren geworden, die Werte wie Korrektheit, Nachprüfbarkeit, Ausgewogenheit und Sachlichkeit überholt haben.

Unser politisches System der Konkordanz konnte sich bisher ausgewogene Vernehmlassungsprozesse, Interessensabwägung und Absprachen zwischen Beteiligten und Betroffenen leisten und grossen Wert auf methodisch und inhaltlich korrektes Expertenwissen legen, das die Verwaltung für die politischen Entscheidungsträger aufbereitete. Entsprechend konnte in einem geschützten Rahmen viel Zeit in die Meinungsfindung und Entscheidungsvorbereitung investiert werden.

Die Transparenz und Emotionalität der Social Networks, die Schnelligkeit der Massenmedien, die sich den Sachzwängen der elektronischen Medien angepasst haben und zu Tageszeitenmedien mutiert sind, und die Bereitschaft vieler Politisierenden, aktiv am „Markt der medialen Aufmerksamkeit“ teilzunehmen, stellen eine grosse Herausforderung an sachorientiertes Arbeiten dar, das sich traditionell an einer 0%-Fehler-Quote orientiert.

Die Qualität und Schnelligkeit der neuen Medien und Kommunikationsformen führt zu einer Vermischung von persönlich-emotionalen, interessenspolitischen und sachlichen Ebenen, da für eine sachliche und fundierte Analyse und die akademische Verifizierung der Inhalte meistens keine Zeit mehr bleibt. Die Evaluation von Glaubwürdigkeit und Absenderlegitimation und die Deutungshoheit gewinnen unermessliche Bedeutung

Durch die globale und andauernde Verfügbarkeit der neuen Medien und Kommunikationsformen sind die Kommunikationswege kaum noch kontrollierbar. Die aktive Meinungsbildung und die eindeutige Information der Bevölkerung werden immer schwierig. Korrekte oder gefälschte Nachrichten, Gerüchte, Verschwörungstheorien oder Richtigstellungen befinden sich in einem chaotischen Wettbewerb um Aufmerksamkeit – und dabei ist bei vielen Themen häufig lange nicht klar, ob sich Behörden und sachorientierte akademische Experten wirklich durchsetzen können – erinnern wir uns nur an die Impfkampagne im Zusammenhang mit der H1N1-Pandemie zurück. Behörden, die dabei unterschiedliche Positionen vertreten und deshalb in eigenem Interesse gegeneinander kommunizieren – wie bei der Loveparade in Duisburg – tragen zu ihrem eigenen Glaubwürdigkeitsverlust in der Bevölkerung aktiv bei.

Die Behörde als „Obrigkeit“ ist in grossem Masse auf verschiedenen Ebenen herausgefordert

  • Die Behörde nutzt die Medien als Informationskanal: Sie muss versuchen, die offizielle „obrigkeitliche“ Information durchzusetzen. Dabei reichen simple Verlautbarungen in einer Richtung nicht mehr aus, vielmehr muss verifiziert welche Botschaften wo ankommen, wie sie transportiert und gewandelt werden.
  • Die Verwaltung selbst wird zum Medienobjekt: Gerade die virtuelle Welt bietet einen fruchtbaren Nährboden für Verschwörungstheorien sämtlicher Art, die die Glaubwürdigkeit und Absenderlegitimation der Behörden hinterfragen.
  • Die Mitarbeitenden der Verwaltung sind selbst Medienkonsumierende: Ihre persönliche Meinungsbildung unterliegt nicht der obrigkeitlichen Information – denn meistens ist diese frühmorgens durch den Konsum von Gratisboulevardmedien und durch den eigenen Zugang zu den virtuellen Social Networks bereits vorgeprägt. Die immer noch erstaunlich weit verbreitete Experten- und Vorgesetztenmeinung, dass Verwaltungsmitarbeitende ausserhalb dieser Einflussspähren stehen und sich primär an Fach- und Behördeninformationen orientieren, ist schlicht naiv.

[1] http://news.worldsites-schweiz.ch/internetnutzung-39-millionen-schweizer-sind-taeglich-online.htm/

[2] http://bernetblog.ch/tag/serranetga/

[3] http://www.clickwerk.ch/go/blog/studie-internetnutzung-in-der-schweiz/

Die Virtualisierung unserer Welt

Offensichtlich ist, dass privat, beruflich und politisch die Virtualisierung weiterhin weltweit im Vormarsch ist und ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung diese Entwicklung intensiv mitvollzieht. Email-Kommunikation, Download-Formulare jeglicher Art und Blogs von Politisierenden sind bereits heute Realität. Die Ideen zu E-Governement sind weit verbreitet. Der „virtuelle Analphabetismus“ wird für Anbieter, Konsumenten und Kommunikationswillige bald ein vergleichbares Problem wie der ursprüngliche Analphabetismus werden – inklusive der gesellschaftlichen Stigmatisierung. Sowohl durch den d im Freundeskreis unserer Kinder wie auch durch die Anforderungen der Schule werden wir als Eltern heute schon genötigt, dass wir einen PC für unsere Teenager kaufen MÜSSEN. Eine Neuanstellung in einem Dienstleistungsbetrieb ohne EDV-Vorkenntnisse ist undenkbar. Nach Web1.0, das primär zur Information in einer Richtung diente, ist Web2.0 Realität geworden, in dem gegenseitige Kommunikation und Interaktion stattfinden. In den Ideen zu diesen Entwicklungen – Markt 2.0 oder Verwaltung 2.0 – gehen wir aber stillschweigend davon aus, dass drei grosse Voraussetzungen selbstverständlich garantiert werden:

  1. Die Verfügbarkeit der virtuellen Kommunikationswege: Immer wieder sind wir überrascht, wenn Emails bis zu einer Stunde unterwegs sind, wenn bei Grossereignissen das Handynetz schon nach kurzer Zeit zusammenbricht oder wenn immer wieder Serverpannen das Internet in der halben Schweiz für mehrere Stunden lahm legen können.
  2. Die Kosteneffizienz des Systems für den Nutzer.
  3. Die Lösung der Sicherheitsfrage: Jeder vertragliche Kaufakt und jede behördliche Handlung muss eindeutig belegt werden können und die Partner müssen eindeutig identifizierbar sind – und in diesem Bereich stehen wir erst am Anfang der kriminellen Fantasie und des Wettrüstens zwischen Sicherheit und Missbrauch. In der chaotischen Mischung zwischen Exhibitionismus und Täuschung, zwischen sozialem Networking und Missbrauch wird die Frage nach der tatsächlichen Identität immer wichtiger und schwieriger machen. „Ordnung“, „Vertrauenswürdigkeit“ und „Echtheit“ werden immer wichtiger– aber in einem dynamischen Netz immer schwieriger durchsetzbar und überprüfbar.

Verschiedene Dimensionen der Veränderung und des Zukunftsbewusstseins

Die Unterscheidung zwischen den Meinungen gegenüber Entwicklungen und Änderungen, die von Medien, Politik und Marketing propagiert werden, die von Experten vertreten werden und die von Bevölkerung und Kundschaft tatsächlich nachvollzogen werden ist, ist schwierig. Und zu letzt bleibt die Frage nach der tatsächlichen Bereitschaft und Fähigkeit der eigenen Mitarbeitenden zum Wandel. Ein wertvolles Modell zum Verständnis der „Veränderungsfreudigkeit“ bei den Mitarbeitenden findet sich im Ansatz des „Kohärenzsinn“, den Aaron Antonovsky mit drei Fragestellungen nachvollziehbar macht:

  • Verstehe ich die Veränderung? Bin ich über Ursachen, Wechselwirkungen und Ziele informiert und im Umgang damit geschult worden?
  • Erkenne ich einen Sinn in der Veränderung? Verstehe ich Motive, Zweck und Nutzen? Entsprechen diese meinem Wertsystem?
  • Kann ich die Veränderung handhaben? Bin ich einbezogen worden? Kann ich auf die Details in meiner unmittelbaren Umgebung noch Einfluss nehmen? Weiss ich, wie ich damit umgehen soll? Verfüge ich über die entsprechenden Ressourcen?

Um sich seine eigene Position im Umgang mit Veränderungen bewusst zu machen, helfen folgende vier Fragen:

  1. Welches Zukunftsszenario erhoffe ich?
  2. Welches Zukunftsszenario befürchte ich?
  3. Welches Zukunftsszenario würde mich überraschen?
  4. Auf welches Zukunftsszenario bereite ich mich effektiv vor?

Bei der Frage nach der Zukunft der Verwaltung müssen wir zwei Dimensionen unterscheiden:

  • Viele technische Fortschritte sind bereits heute erkennbar, ein Blick in die Patentämter und die Forschungsstätten der technischen Hochschulen lässt ahnen, welche technische Science Fiction bald Realität werden wird, häufig ist der effektive Wandel eine Frage des Preises.
  • Kulturelle Veränderungen und die Anpassungen von Werten, Menschen-, Welt- und Gottesbildern sind meistens langsame Prozesse, die den 10-Jahres-Rahmen sprengen. Auch der Wandel des Staats- und Behördenverständnisses muss langfristig betrachtet werden. Die Frage „Was wird gleichbleiben“ ist mindestens so wertvoll wie die Frage nach der Veränderung.

Gegenwärtig wird eine Vielzahl von Megatrends beobachtet. Im Rahmen dieses Aufsatzes soll der Fokus auf vier Aspekten liegen:

  • Zunehmende Virtualisierung der Welt
  • Zunehmende Medialisierung und Transparenz
  • Drohender Wechsel des politischen Systems
  • Zunehmende Unklarheiten über die Zuständigkeiten zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Akteure

Was wird sich in den nächsten 10 Jahren verändern?

Was wird sich in den nächsten 10 Jahren verändern?

„Vermeide Vorhersagen jeglicher Art, insbesondere solche, die die Zukunft betreffen“, spottete bereits Mark Twain. Trotzdem pflegen wir in der Schweiz traditionell eine weit entwickelte Kultur der Vorbereitung und Vorsorgeplanung für zahlreiche Eventualitäten, so ist auch swissfuture, die Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung weltweit eine der grössten und ältesten nationalen Vereinigungen, die die professionelle und seriöse Beschäftigung mit Fragen der Zukunft auf akademischem Niveau pflegen. Das Bewusstsein für zyklische Jahreszeiten und Festtage und die Beobachtung von Naturrisiken durch saisonale Witterungseinflüsse haben unsere Schweizer Kultur nachhaltig geprägt.

Verschiedene Dimensionen der Veränderung und des Zukunftsbewusstseins

Bei unserem Blick in die Zukunft der Verwaltung müssen wir nun zwei Dimensionen unterscheiden:

  • Viele technische Fortschritte sind bereits heute erkennbar, ein Blick in die Patentämter und die Forschungsstätten der technischen Hochschulen lässt ahnen, welche technische Science Fiction bald Realität werden wird, häufig ist der Wandel eine Frage des Preises und der Infrastruktur. Im weltweiten Vergleich betrachtet ist die Schweiz sehr offen gegenüber technischen Entwicklungen.
  • Kulturelle Veränderungen und die Anpassungen von Werten, Menschen-, Welt- und Gottesbildern sind meistens sehr langsame Prozesse, die Generationen andauern können und den 10-Jahres-Rahmen sprengen. Die Frage „Was wird gleichbleiben“ ist mindestens so wertvoll wie die Frage nach der Veränderung.

Die Unterscheidung zwischen den Meinungen gegenüber Entwicklungen und Änderungen, die von Medien, Politik und Marketing propagiert werden, die von Experten vertreten werden und die von Bevölkerung und Kundschaft tatsächlich nachvollzogen werden ist, ist schwierig. Und zu letzt bleibt die Frage nach der tatsächlichen Bereitschaft und Fähigkeit der eigenen Mitarbeitenden zum Wandel. Ein wertvolles Modell zum Verständnis der „Veränderungsfreudigkeit“ bei den Mitarbeitenden findet sich im Ansatz des „Kohärenzsinn“, den Aaron Antonovsky mit drei Fragestellungen nachvollziehbar macht:

  • Verstehe ich die Veränderung? Bin ich über Ursachen, Wechselwirkungen und Ziele informiert und im Umgang damit geschult worden?
  • Erkenne ich einen Sinn in der Veränderung? Verstehe ich Motive, Zweck und Nutzen? Entsprechen diese meinem Wertesystem?
  • Kann ich die Veränderung handhaben? Bin ich einbezogen worden? Kann ich auf die Details in meiner unmittelbaren Umgebung noch Einfluss nehmen? Weiss ich, wie ich damit umgehen soll? Verfüge ich über die entsprechenden Ressourcen?

Um sich seine eigene Position mit Umgang mit Veränderungen bewusst zu machen, helfen folgende vier Fragen:

  • Welches Zukunftsszenario erhoffe ich?
  • Welches Zukunftszenario fürchte ich?
  • Welches Zukunftsszenario würde mich überraschen?
  • Auf welches Zukunftszenario bereite ich mich effektiv vor?