Medienmitteilung – Resultate der Umfrage Hoffnung 2011

Trendstudie Hoffnung 2011: Umfrage zu Schweizer Hoffnungsträgern und Hoffnungen

Studie zeigt: Wirtschaftsführer sind keine Hoffnungsträger

Basel, 3. Januar 2011. – Die Schweiz ist ein hoffnungsvolles Volk, aber Wirtschaftsführer sind keine Hoffnungsträger. Obamas Stern ist auch in der Schweiz gefallen und meine Nächsten sind mir am nächsten: Vor allem Familie und Freunde stärken die Hoffnung und so richtig hoffnungsvoll sind wir nicht am Arbeitsplatz, sondern draussen in der Natur. Dies sind die Resultate der jüngsten Umfrage zur Trendstudie Hoffnung2011 von der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung swissfuture und weiterdenken.ch.

Was sind die konkreten Hoffnungen der Schweizer Bevölkerung? Und wer sind die Hoffnungsträger? Diesen Fragen ging swissfuture, die Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung, und der Think Tank weiterdenken.ch zum zweiten Mal in einer gross angelegten Internet-Umfrage nach. Im November 2010 beteiligten sich 6‘193 Personen an der Umfrage. Wie im Vorjahr wurde die Schweizer Bevölkerung nicht nach ihren Ängsten, Kummer und Sorgen für das nächste Jahr gefragt, sondern in der Umfrage standen die konkreten Hoffnungen, Hoffnungsträger und Grundlagen der Hoffnung im Zentrum.

Die Schweizerinnen und Schweizer sind in einem Dilemma: Zwar richten sich viele Hoffnungen auf die wirtschaftliche Situation – doch nur die Führungskräfte der Wirtschaft selbst sind für die nationale Wirtschaft für 2011 hoffnungsvoll. Zudem werden diese Wirtschaftsführer nicht als Hoffnungsträger betrachtet. Nach wie vor richten sich viele konkrete Hoffnungen auf die wirtschaftliche Situation (42%: „Erfolg am Arbeitsplatz“ – das zweitwichtigste Ziel für 2011 nach dem erstrangierten „Gesundheit“ mit 55%, 31%: „sicherer Arbeitsplatz“, und 23%: „Verbesserung der Wirtschaftslage“. Doch nur die Führungskräfte der Wirtschaft selbst sind für die nationale Wirtschaft für 2011 hoffnungsvoll – und auch dies nur mässig. Für die globale Wirtschaft sind aber nicht einmal sie hoffnungsvoll eingestimmt.

Schweizer Wirtschaftsführer keine Hoffnungsträger

Trotz ihrer Medienpräsenz und ihrem Gewicht in der politischen Diskussion werden die grossen Wirtschaftsführer der Schweizer Wirtschaft von der Bevölkerung nicht als Hoffnungsträger betrachtet – alle zur Auswahl gestellten Wirtschaftsgrössen erhielten nur marginale Anteile von weniger als 2% der Stimmen. Demgegenüber setzt immerhin ein knappes Viertel der Geschäftsleitungsmitglieder Hoffnungen in den neuen Bundesrat Johann Schneider-Ammann. An erster Stelle mit 46% steht die Hoffnung „in die eigene Person“.

Offenbar scheinen die Werte der protestantischen Wirtschaftsethik in der Schweiz immer noch zu zählen: So setzt knapp die Hälfte – sowohl bei den Angestellten wie auch bei den Geschäftsleitungsmitgliedern – auf das typisch schweizerische Prinzip der Eigenverantwortung. Knapp ein Fünftel sieht in der Vermittlung von Hoffnung eine der Führungsaufgaben – der Vorgesetzte bzw. Arbeitgeber soll Hoffnung vermitteln. Die typischen Funktionen aus der Geschäftswelt – Geschäftskollegen, Unternehmer und Manager – schneiden wiederum wie schon bei den einzelnen Hoffnungsträgern auf den hinteren Rängen ab.

Arbeitsplatz kein Ort der Hoffnung

Obwohl sich die Wirtschaft gerne als zukunftsgewandt, fortschrittlich und innovativ präsentiert, scheint ihr eigener Beitrag zur konkreten Hoffnungskompetenz nur sekundär zu sein. Hauptsächlich wird Hoffnung aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld und aus Erlebnissen in der Natur geschöpft. Nur ein Drittel definiert seine Hoffnungskompetenzen aus seiner Problemlösungskompetenz oder aus konkreten beruflichen Erfolgen. Erstaunlich ist, dass der Verdienst von viel Geld nur eine marginale Rolle im Zusammenhang mit Hoffnung hat – sogar bei den teilnehmenden Geschäftsleitungsmitgliedern schöpfen nur 8% ihre Hoffnung aus dem finanziellen Erfolg. Ebenso bemerkenswert ist, dass die typischen Räume und Örtlichkeiten der Wirtschaft und Arbeit keine Hoffnung zu vermitteln scheinen, obwohl doch gerade hier wirtschaftliche Probleme gelöst und Innovationen geleistet werden sollen. Primär wird das Gefühl der Hoffnung in der freien Natur und Zuhause empfunden. Nur ein Sechstel bezeichnet seinen Arbeitsplatz als einen Ort, an dem Hoffnung empfunden wird. Was läuft hier falsch?

Trend zurück zur Natur

Die aktuellen Ergebnisse der Studie „Hoffnung2011“ bestätigen den aktuellen Trend „Zurück zur Natur“ eindrücklich: Die Natur ist uns Schweizern unser Hort der Hoffnung. In der Natur suchen wir Trost nach Enttäuschungen. Erfahrungen in der Natur sind uns Voraussetzung, um voller Hoffnung und Lebenswille positiv in die Zukunft zu gehen: 67% der Teilnehmenden bezeichnen „die freie Natur“ als einen Ort, an dem sie ein Gefühl der Hoffnung empfinden. Dies ist mit deutlichem Vorsprung die häufigste Antwort auf die Frage nach Orten der Hoffnung. „Schöne Erlebnisse in der freien Natur“ ist für 46% der Teilnehmenden die Erfahrung, die sie in ihrer Hoffnung stärkt. 35% der Teilnehmenden gehen bewusst „in der freien Natur spazieren“, um die Enttäuschung über nicht erfüllte Hoffnungen zu verarbeiten.

Allein und einsam führt zu „Alleinsamkeit“

Der Megatrend der „Alleinsamkeit“ wird uns in den kommenden Jahren zunehmend beschäftigen – die Megatrends der Individualisierung und der Langlebigkeit führen dazu, dass immer mehr Personen in einem Single-Haushalt leben – nicht nur alleine sondern offensichtlich auch einsam. Die empirischen Resultate der Studie zeigen, dass das unmittelbare soziale Umfeld – Lebenspartner, Familie oder ein gutes Netzwerk an Freunden die entscheidende Basis für die Hoffnungskompetenz und somit für die Resilienz einer ganzen Bevölkerung in Krisenzeiten sind. 75% der Familien mit Kind aber nur 57% der Singles bezeichnen sich als glückliche und zufriedene Menschen. Im Leben von 71% der Familien mit Kind aber nur bei 58% der Singles überwiegen Hoffnungen die Ängste. 49% der Familien mit Kind aber nur 30% der Singles glauben, dass ihre Hoffnungen meistens in Erfüllung gehen. 38% der Familien mit Kind aber nur 22% der Singles waren noch nie verzweifelt und hoffnungslos. Die Hälfte der Singles hofft darauf, im kommenden 2011 endlich die grosse Liebe zu finden.

Welche Hoffnungen haben wir für 2011?

Vom 1. November 2010 bis 1. Dezember 2010 haben 6‘193 Personen an der Internet-Umfrage www.hoffnung2011.ch teilgenommen.

Die Umfrage bestand aus

  • 9 quantitativen Fragen zum Thema Hoffnung
  • 10 qualitativen Fragen zum Thema Hoffnung
  • 8 Fragen zur Demographie

In den kommenden Tagen publizieren wir die ersten Resultate und stellen diese hier zur Diskussion …

Welches sind Ihre Hoffnungen für 2011?

Hoffnung oder Angst?

Hoffnung oder Angst? Angesehene amerikanische Akademiker und Sicherheitsanalysten glauben, dass die Globalisierung kollabieren werde – und mit ihr die Weltwirtschaft. In der Studie „The Age of Consequences“ („Das Zeitalter der Konsequenzen“) heisst es: „Soziale Unruhen werden ausbrechen, begleitet von heftigen religiösen und ideologischen Auseinandersetzungen, weil die Menschen nach irgendeiner Hoffnung suchen.“

Was kommt auf uns zu?

Wird 2011 endlich das Jahr des wirtschaftlichen Wiederaufschwungs oder werden ganz neue Probleme und Herausforderungen auftauchen? Neugierig fragen wir uns, was das nächste Jahr wohl bringen wird. Die Investmentbanken vermelden bereits wieder Spitzenboni und die USA befürchten einen double dipp. Ungarn und Polen werden die EU-Ratspräsidentenschaft übernehmen, Bulgarien und Rumänien werden in den Schengenraum aufgenommen und Estland wird den Euro einführen. Die weitere Entwicklung von Schweizer Franken, US-Dollars und Euro sind ungewiss. In der Schweiz wird der National- und Ständerat neu gewählt werden. Meteorologen spekulieren über einen Jahrhundertwinter, der so kalt werden soll wie schon lange nicht mehr und am 4. Januar wird eine Sonnenfinsternis eintreten.

Studie Hoffnung 2011 als Fortsetzung der Studie Hoffnung 2010

Nach dem Erfolg der Studie Hoffnung 2010 führen swissfuture, die Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung, und weiterdenken.ch, your partner for future, hope & responsibility, im November 2010 wieder eine grosse Internetumfrage durch, in der Sie nicht nach Ihren Zukunftsängsten, Kummer und Sorgen gefragt werden, sondern in der Fragen nach Ihren persönlichen Hoffnungen im Fokus liegen sollen.

In der letzten Umfrage führte der damals frisch gewählte Friedensnobelpreisträger Barack Obama die Rangliste der Hoffnungs-Ikonen an – welche Bedeutung wird ihm nun zukommen? Das letzte Resultat zeigte die grosse Diskrepanz zwischen konkreten Hoffnungen und Erwartungen in den wirtschaftlichen Aufschwung bei gleichzeitigem Misstrauen in die Führungskräfte der Wirtschaft auf. Hat sich dieses Missverhältnis gebessert? Wird 2011 ein Jahr der Hoffnungen, der Enttäuschungen oder des Ausharrens?

Neue Umfrage

Helfen Sie mit – nehmen Sie an der Internetumfrage www.hoffnung2011.ch teil. Nehmen Sie sich eine Viertelstunde Zeit, um unterschiedlichste Fragen zu Ihren Hoffnungen zu beantworten.

Direct Link zur Version Schweiz

Direct Link zur Version Deutschland

Helfen Sie uns mit – motivieren Sie Ihre Freunde und Bekannten, an dieser Umfrage teilzunehmen.

Wie wichtig ist Hoffnung für Ihr Leben? Studie Hoffnung2010

Konkrete Fragestellung und vorgegebene Antwortmöglichkeiten

Wie wichtig ist Hoffnung für Ihr Leben?

  • Gar nicht
  • Mässig
  • Wichtig
  • Sehr wichtig

Gesamtergebnis

Am Anfang der Überlegungen zu dieser Studie steht eigentlich die Frage, ob ein altertümlicher, nur vage definierter Begriff wie „Hoffnung“ in der heutigen Zeit von Ökonomie, Technik und Virtualität – in einer „entzauberten Welt“ (Weber 1995: 19) – überhaupt eine relevante Bedeutung haben kann.

Die hohe Anzahl an Teilnehmenden sowie die Beantwortung der ersten Frage „Wie wichtig ist Hoffnung für Ihr Leben?“ zeigen deutlich, dass sowohl der Begriff Hoffnung wie auch etwaige damit verbundene Konzepte aktuell und wichtig sind. Für 84% der Teilnehmenden ist Hoffnung wichtig oder sogar sehr wichtig, nur für 16% ist Hoffnung gar nicht bzw. nur mässig wichtig.

Bei den Analysen der Bevölkerungsgruppen, die im Anhang detailliert dargestellt sind, fällt auf, dass bei sämtlichen analysierten Bevölkerungsgruppen der Anteil „wichtig bzw. sehr wichtig“ grösser als 80% ist.

Innerhalb dieser klaren übergeordneten Aussage lässt sich im Detail sagen:

  • Für Frauen ist Hoffnung wichtiger als für Männer.
  • Die Wichtigkeit der Hoffnung nimmt zu,

o   je älter jemand ist,

o   je mehr jemand verdient,

o   je höher jemand erfolgreich in der beruflichen Karriere gestiegen ist,

o   je mehr jemand religiöse und spirituelle Praktiken pflegt,

o   je mehr jemand den Eindruck hat, dass seine Hoffnungen auch tatsächlich in Erfüllung gehen.

Doch sogar für die Gruppe, deren Hoffnungen „gar nie oder selten“ in Erfüllung gehen, ist noch für 69% der Antwortenden Hoffnung „wichtig bzw. sehr wichtig“.

Überblick über aktuelle Umfragen zu Zukunftsängsten

Eine empirische Studie zur Hoffnung, die auf einer breit abgestützten Meinungsumfrage in Mitteleuropa basiert, ist in der Fachliteratur nicht bekannt und konnte auch trotz intensiver Internet- und Literaturrecherchen nicht eruiert werden.

Demgegenüber bestehen aber einige sehr bekannte Umfragen in der Schweiz und in Deutschland, die vom Konzept der Zukunftsangst und der Zukunftsenttäuschung ausgehen. Dabei wird nicht zwischen den verschiedenen Konzepten von Angst, Furcht und Sorge unterschieden.

So werden in der Schweiz jährlich ein „Sorgenbarometer“ und ein „Angstbarometer“ erhoben. In Deutschland werden ebenso ein Sorgenbarometer und „Die Ängste der Deutschen“ erhoben. Dabei verwenden diese Studien die Begriffe Sorge, Angst und Kummer synonym.

Diese Studien, die alle Repräsentativität beanspruchen, ergeben übrigens kein deckungsgleiches Bild zu den Zukunftsängsten in der Schweiz bzw. in Deutschland – obwohl jede dieser Studien beansprucht, repräsentativ zu sein:

Schweiz
Angstbarometer
2009
gfs-zürich[1]

Aduno Gruppe

  1. Luftverschmutzung / Klimaveränderung
  2. Egoismus der Menschen
  3. Kriminalität
  4. Steigende Abhängigkeit der Wirtschaft
  5. Zukunft der Kinder
  6. Sittenzerfall
  7. Überfremdung

[1] Quelle: http://www.gfs-zh.ch/?pid=236&searchtxt=QW5nc3RiYXJvbWV0ZXI

Schweiz
Sorgenbarometer
2009
gfs.bern

CREDIT SUISSE[1]

  1. Arbeitslosigkeit
  2. Gesundheitswesen
  3. Altersvorsorge
  4. Soziale Sicherheit
  5. Finanzkrise
  6. Wirtschaftskrise
  7. Persönliche Sicherheit
  8. Ausländer
  9. Neue Armut
  10. Flüchtlinge
  11. Umweltschutz
  12. Löhne
  13. Inflation
  14. Bundesfinanzen
  15. Europäische Integration
  16. Börsenkrise
  17. Sozialpartnerschaft
  18. Globalisierung
  19. Energie
  20. Drogen

[1] Quelle: http://emagazine.credit-suisse.com/app/article/index.cfm?fuseaction=OpenArticle&aoid=273923〈=DE

Deutschland
stern-Sorgenbarometer
2009
stern[1]
  1. Angst vor ausufernden Staatsschulden
  2. Furcht vor steigender Arbeitslosigkeit
  3. Sorge um den Zustand der Umwelt
  4. Lage der Renten
  5. Sorge, dass unsere Politiker mit den Problemen überfordert sein könnten
  6. Preise beziehungsweise Lebenshaltungskosten könnten steigen
  7. Angst um Ersparnisse
  8. Konjunktureinbruch
  9. Angst um den Job
  10. Sorge vor Spannungen mit Ausländern
  11. Sorge vor Kriegen mit deutscher Beteiligung

[1] Quelle: http://www.stern.de/wirtschaft/geld/stern-sorgenbarometer-staatsschulden-sind-derzeit-groesste-angst-der-deutschen-1524214.html

Deutschland
Ängste der Deutschen
2009
R+V[1]
  1. Schlechtere Wirtschaftslage
  2. Höhere Arbeitslosigkeit in Deutschland
  3. Steigende Lebenshaltungskosten
  4. Naturkatastrophen
  5. Pflegefall im Alter
  6. Überforderung der Politiker
  7. Schwere Erkrankung
  8. Eigene Arbeitslosigkeit
  9. Terrorismus
  10. Sinkender Lebensstandard im Alter
  11. Spannungen durch Ausländer
  12. Drogensucht der eigenen Kinder
  13. Krieg mit deutscher Beteiligung
  14. Vereinsamung im Alter
  15. Straftaten
  16. Zerbrechen der Partnerschaft

[1] Quelle: http://www.ruv.de/de/presse/r_v_infocenter/studien/aengste-der-deutschen.jsp

Zitate und Sprichwörter, weshalb nicht Angst, sondern Hoffnung eine christliche Tugend ist, die im Vertrauen auf Gott gründet

Darum hoffen auf dich, die deinen Namen kennen; denn du verlässest nicht, die dich, HERR, suchen. (Psalm 9, 11)

Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir mangeln. (Psalm 23, 1)

Ich aber, HERR, hoffe auf dich und spreche: Du bist mein Gott! (Psalm 31, 15)

Hoffe auf den HERRN und tue Gutes; bleibe im Lande und nähre dich redlich. (Psalm 37, 3)

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen. (Psalm 37, 5)

Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. (Psalm 62, 6)

Denn du bist meine Zuversicht, Herr, HERR, meine Hoffnung von meiner Jugend an. (Psalm 71, 5)

Denn für jeden, der noch zu den Lebenden gehört, gibt es Hoffnung. (Prediger 9,4)

Denn ich hoffe auf den HERRN, der sein Antlitz verborgen hat vor dem Hause Jakob; ich aber harre sein. (Jesaja 8, 17)

Gesegnet ist der Mann, der sich auf Gott verlässt und dessen Hoffnung Gott ist. (Jeremia 17, 7)

Du, Herr, bist die Hoffnung Israels. (Jeremia 17, 13)

Geduld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung. (Römer 5, 4)

Hoffnung aber läßt nicht zu Schanden werden. (Römer 5, 5)

Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet. (Römer 12, 12)

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. (Römer 15,13)

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf. (1. Korinther 13,4-8)

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, am größten jedoch unter ihnen ist die Liebe. (1. Korinther 13,13)

Jesus Christus aber, unser Herr, und Gott, unser Vater, der uns seine Liebe zugewandt und uns in seiner Gnade ewigen Trost und sichere Hoffnung geschenkt hat, tröste euch und gebe euch Kraft zu jedem guten Werk und Wort. (2. Thessalonicher 2,16-17)

Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

Und auch wenn morgen die Welt untergeht pflanze ich heute noch ein Apfelbäumchen. (Luther zugeschrieben)

Hoffen heißt: die Möglichkeit des Guten erwarten; die Möglichkeit des Guten ist das Ewige. (Søren Aabye Kierkegaard)

Wie übel wären wir dran, wenn unsere Hoffnung auf Menschen ruhte. (Adolph Kolping)

Wir brauchen die kleineren oder grösseren Hoffnungen, die uns Tag um Tag auf dem Weg halten. Aber sie reichen nicht aus ohne die grosse Hoffnung, die alles andere überschreiten muss. Diese grosse Hoffnung kann nur von Gott sein, der das Ganze umfasst und der uns geben und schenken kann, was wir allein nicht vermögen. (Papst Benedikt XVI.)

Wer Hoffnung hat, lebt anders; ihm ist neues Leben geschenkt worden. (Papst Benedikt XVI.)

Es ist das Warten auf Kommendes von einer schon geschenkten Gegenwart her. (Papst Benedikt XVI.)

Der Mensch braucht Gott, sonst ist er hoffnungslos. (Papst Benedikt XVI.)

In diesem Sinne gilt, dass, wer Gott nicht kennt, zwar vielerlei Hoffnungen haben kann, aber im Letzten ohne Hoffnung, ohne die grosse, das ganze Leben tragende Hoffnung ist. Die wahre, die grosse und durch alle Brüche hindurch tragende Hoffnung des Menschen kann nur Gott sein – der Gott, der uns bis ans Ende, bis zur Vollendung geliebt hat und liebt. (Papst Benedikt XVI.)

In diesem Sinne hat die Neuzeit die Hoffnung auf die zu errichtende vollkommende Welt entwickelt, die durch die Erkenntnisse der Wissenschaft und einer wissenschaftlich fundierten Politik machbar geworden schien. So wurde die biblische Hoffnung auf das Reich Gottes abgelöst durch die Hoffnung auf das Reich des Menschen, die bessere Welt, die das wirkliche „Reich Gottes“ sein würde. (Papst Benedikt XVI.)

Die grosse Hoffnung kann nur Gott sein, der das Ganze umfasst und der uns geben und schenken kann, was wir allein nicht vermögen. Gerade das Beschenktwerden gehört zur Hoffnung. Gott ist das Fundament der Hoffnung – nicht irgendein Gott, sondern der Gott, der ein menschliches Angesicht hat und der uns geliebt hat bis ans Ende. (Papst Benedikt XVI.)

Ein erster wesentlicher Lernort der Hoffnung ist das Gebet. (Papst Benedikt XVI.)

Die Hoffnung ist unser, der Ausgang Gottes. (Sprichwort)

Hoffnung – eine Tugend

In früheren Jahrhunderten war das Konzept der Tugendethik als normativer Ethik weit verbreitet. Als Tugend galt eine als hochwertig anerkannte Eigenschaft oder Haltung eines Menschen, oder wie der Duden definiert „eine bestimmte sittlich wertvolle Eigenschaft“ bzw. eine „vorbildliche Haltung eines Menschen“[1].

Hoffnung wird in vier wichtigen Tugendlehren erwähnt:

Die drei christlichen Tugenden des Paulus Hoffnung (spes) gilt als eine der drei christlichen Tugenden nach Paulus[2] – neben Glauben (fides) und Liebe (caritas).
Die sieben Kardinals­tugenden des Thomas von Acquin Hoffnung war eine der sieben Kardinaltugenden in der Ethik des Thomas von Acquin: Klugheit, Gerechtigkeit, Mässigung, Tapferkeit sowie die drei christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung
Die zwölf Rittertugenden Hoffnung war eine der zwölf Rittertugend[3] neben Weisheit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Starkmut (Stärke), Glaube, Mässigkeit, Güte, Demut und Liebe
Positive Psychology nach Seligmann Die Positive Psychologie nach Seligman greift in den 1990er Jahren das Konzept der „virtues“ wieder aufbezeichnet. Seligman bezeichnet Hoffnung als eine Charakterstärke, die er zur Grundtugend Transzendenz zählt[4].

In mehreren der traditionellen Tugendlehren taucht die Hoffnung aber nicht auf:

Die antiken vier platonischen bzw. aristotelische
Kardinaltugenden:
  • Klugheit (gr.: phrónesis, lat.: prudentia),
  • Tapferkeit (gr.: andreia, lat.: fortitudo),
  • Mässigung (gr.: sophrosýne, lat.: temperantia),
  • Gerechtigkeit (gr.: dikaiosýne, lat.: justitia)
Bürgerliche
Tugenden:
  • Ordentlichkeit,
  • Sparsamkeit,
  • Fleiss,
  • Reinlichkeit
  • Pünktlichkeit
Preussische
Tugenden:
  • Aufrichtigkeit,
  • Bescheidenheit,
  • Fleiss,
  • Gehorsam,
  • Geradlinigkeit,
  • Gerechtigkeitssinn,
  • Gottesfurcht,
  • Härte gegen sich selbst,
  • Mut,
  • Ordnungssinn,
  • Pflichtbewusstsein,
  • Pünktlichkeit,
  • Redlichkeit,
  • Selbstverleugnung,
  • Sparsamkeit,
  • Tapferkeit ohne Wehleidigkeit,
  • Treue,
  • Unbestechlichkeit,
  • Unterordnung,
  • Zurückhaltung,
  • Zuverlässigkeit

[1] DUDEN (1985/2) Das Bedeutungswörterbuch, Wortbildung und Wortschatz, Mannheim

[2] Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. Nach der Übersetzung der Lutherbibel, 1. Brief an die Korinther, Kapitel 13, Vers 13

[3]Das allegorische Preisgedicht auf Kaiser Karl IV. von Heinrich von Mügeln „Der meide kranz“ (um 1355) enthält eine Tugendlehre, in der die zwölf Tugenden Weisheit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Starkmut (Stärke), Glaube, Mäßigkeit, Güte, Demut, Hoffnung und Liebe auftreten.

[4]http://www.ppc.sas.upenn.edu/.

Hoffnung – eine soziologische Einführung

Vorbemerkung: Dieser Text entspricht einem Kapitel, das Francis Müller, Chefredaktor swissfuture Magazin für Zukunftsmonitoring, und Religionssoziologe MA für die gemeinsame Studie http://www.Hoffnung2010.ch (2010, S. 31) verfasst hat. (www.francismueller.ch):

Hoffnung ist ein handlungsleitendes Konstrukt, das als Motiv oder auch als Entscheidungskriteriumdas Handeln bzw. Verhalten einer Person innerhalb eines sozialen Umfeldes bestimmt.Hoffnung ist ein Konstrukt, das Inhalt von Kommunikation und Interaktion istund die Beziehungen zwischen Menschen bestimmt.
Wilfried Laubach

„Die im letzten Kapitel erwähnte Motivation schliesst an dem an, was MAX WEBER als „Sinn des sozialen Handelns“ erwähnt: „Soziales Handeln aber soll ein solches Handeln heissen, welches seinem von dem oder den handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist“ (WEBER 1921/1972: 1). Diese Definition schliesslich natürlich auch Hoffnungen mit ein: Hoffungen richten sich nicht nur, aber auch in eine soziale Sphäre. Auf einer solchen mikrosoziologischen Ebene „kann Hoffnung jedoch auch als bestimmtes Motiv für spezifische Handlungen gesehen werden, die sich auf andere Personen, auf ein soziales Umfeld und damit auf Teile von Gesellschaft bzw. auch auf Gesellschaft insgesamt beziehen“ schreibt LAUBACH (2006: 47-52). Er leitet daraus ab, dass Hoffnung implizit Bereiche soziologischer Theorien tangiert und Gegenstand soziologischer Überlegungen sei.

Auf einer makrotheoretischen Ebene werden Hoffnungen durch sozialhistorische und religiöse Konditionierungen Prozesse begünstigt. Während das antike Denken von Hoffnungslosigkeit geprägt war (vgl. JAMES 1997: 152-187), entwickelt sich besonders im Christentum eine Kultur der Hoffnung: Es gibt nun plötzlich Himmelsplätze für alle, selbst für Sklaven. Das lässt hoffen. Es entsteht eine Erlösungsmethodologie, die sich nicht nur an die Elite einer stratifizierten Gesellschaft richtet, sondern gerade und ganz besonders im Urchristentum an die Ärmsten und Unterdrückten. Diese Demokratisierung der Hoffnung zeigt sich unter anderem bei der Beichte, bei der das Individuum sich selbst ausleuchtet, zumal nicht nur vollzogene Taten, sondern auch Gedanken, Intentionen und Hoffnungen gebeichtet werden (vgl. HAHN 1982: 407-434). Daraus jedoch zu folgern, dass Hoffnung ein explizit christlich-okzidentales Phänomen ist, wäre eine zu eurozentrische Sichtweise, wie bereits weiter oben erläutert wurde, kennen auch andere Religionen das Phänomen Hoffnung.

Wenn wir soziologisch über die Hoffnungen nachdenken, müssen wir Theoreme wie etwa den linguistic turn berücksichtigen. „In jeder beliebigen Epoche, so weit wir auch zurückgehen mögen, ist Sprache immer als das Erbe der vorausgehenden Epoche“ (SAUSSURE 1967: 85). Hoffnung ist ein arbiträrer Begriff. Indem wir als Kinder durch den Spracherwerb sozialisiert werden, internalisieren wir die Sprache – und das Potenzial, über sie zu reflektieren. So entwickeln wir Geist (vgl. MEAD 1934/1973: 230-235): Wir erfahren die eigene Existenz zunehmend in einer temporalisierten Dimension. Folglich beginnen wir zu hoffen. Hoffen bedeutet auch, mir eine andere Situation vorzustellen, als die, in der ich mich jetzt befinde. Es kommen „verzögerten Reaktionen“ ins Spiel (vgl. MEAD 1934/1973: 139). Ähnliches bezeichnet BLOCH auf einer philosophischen Ebene als das „antizipierende Bewusstsein“ (1959/1985: 49- 391).

Hoffnung hat aus einer soziolinguistischen Perspektive eine gesellschaftliche Qualität: Ob wir auf die grosse Liebe, die Erholung der Börse oder einfach darauf hoffen, dass es aufhört zu regnen – Hoffnungen beziehen sich auf intersubjektive Sphären: Andere Menschen können dieselben – oder davon abweichende oder entgegengesetzte – Hoffnungen formulieren. Selbst Hoffnungen, die in postmortale Sphären übergehen, also Ewigkeits- oder Jenseitsvorstellungen, haben eine kulturelle Dimension; dies zumindest ab dem Moment, in dem wir dafür Begriffe und allgemeine Vorstellungen zur Verfügung haben. Hoffnung gehört zu den allgemeinen Ideen, die ihre Existenz und Wirklichkeit im Wort haben (vgl. DURKHEIM 1994: 112).

Unsere Studie folgt dieser Prämisse: Hoffnungen – sobald kommuniziert – befinden sich immer in einer Sphäre des Sozialen. Das macht sie erfassbar. Wir untersuchen also nicht die Hoffnungen im Individuum, sondern die „Objekte“, worauf sie sich bezieht (mit „Objekten“ sind in diesem Zusammenhang erhoffte Phänomene gemeint; etwa der Sieg einer politischen Partei, ein Sechser im Lotto oder bestimmte Jenseitsvorstellungen).“

Zitate und Sprichwörter zur Hoffnung als Illusion, die zu sinnlosen Enttäuschungen führt

Aufgeregte Gemüter zittern vor Hoffnung und Furcht. (Ovid)

Da die Zeit kurz ist, begrenze deine lange Hoffnung! (Horaz)

Das Warten ist die grausamste Vermengung von Hoffnung und Verzweiflung, durch die eine Seele gefoltert werden kann. (Sully Prudhomme)

Dem Armen ist nicht mehr gegeben, als gute Hoffnung, übles Leben. (Freidank)

Den Traum vom Unwahrscheinlichen nennen wir Hoffnung. (Jostein Gaarder)

Denn überall, wo größere Hoffnungen sind, da findet auch heftigerer Neid statt, gefährlicherer Hass und heimtückischere Eifersucht. (Lukian von Samosata)

Der Mensch gibt ebenso schwer eine Furcht auf als eine Hoffnung. (Otto Ludwig)

Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens. (Friedrich Nietzsche)

Die Hoffnung ist ein langes Seil, an dem sich viele zu Tode ziehen. (Sprichwort)

Die Hoffnung ist eine große Verfälscherin der Wahrheit: Die Klugheit weise sie zurecht und sorge dafür, dass der Genuss die Erwartung übertreffe. (Baltasar Gracián y Morales)

Die Hoffnung ist im Allgemeinen ein schlechter Führer, aber ein guter Gesellschafter. (Lord Halifax)

Die Hoffnung, so trügerisch sie ist, dient wenigstens dazu, uns auf angenehmem Weg an das Ende des Lebens zu führen. (François de La Rochefoucauld)

Die Tätigkeit ist eine Folge verzweifelter Handlungen, welche erlauben, die Hoffnung zu bewahren. (Georges Braque)

Ein vernünftiger Mensch wird einer Hoffnung, die ins Wasser fiel, nie nachspringen. (Russisches Sprichwort)

Hoffen und Wünschen und Sehnen, es ist nur leidige Krankheit. Wirfst du den Ballast ins Meer, segelst du sicher und froh. (Ferdinand Sauter)

Hoffnung ist der erste Schritt auf der Strasse der Enttäuschung! Hoffnung ist der krankhafte Glaube an den Eintritt des Unmöglichen. (Henry Louis Mencken)

Hoffnung ist die Mutter der Dummen. (Polnisches Sprichwort)

Hoffnung ist die zweite Seele der Unglücklichen. (Johann Wolfgang von Goethe)

Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendbrot. (Francis Bacon)

Hoffnung ist ein Instinkt, den nur das menschliche Vernunftdenken töten kann. (Graham Greene)

Hoffnung ist ein Seil, auf dem viele Narren tanzen. (Russisches Sprichwort)

Hoffnung ist etwas für Leute, die unzureichend informiert sind.

Hoffnungen sind auch eine Belastung, weil sie mit Erwartungen verbunden sind. (Oskar Lafontaine)

Je dürrer die Zeit, desto grüner die Hoffnung. (Dt. Sprichwort)

Man verbringt die eine Hälfte des Lebens damit, sich das Glück zu erhoffen, und die andere, eine Hoffnung zu vermissen. (Théodore Jouffroy)

Manchen schon stürzte die bloße Hoffnung auf Gewinn in sein Verderben. (Sophokles)

Menschen heiraten immer wieder. Das ist der Sieg der Hoffnung über die Erfahrung. (Helen Fisher)

Mit der Hoffnungslosigkeit beginnt der wahre Optimismus. (Jean-Paul Sartre)

Sogar wenn man nichts mehr vom Leben zu erhoffen hat, bleibt immer noch etwas zu befürchten. (Michel Houellebecq)

Wer heut‘ noch hoffen macht, der lügt! Doch wer die Hoffnung tötet, ist ein Schweinehund. (Wolf Biermann)

Wer mit der Hoffnung fährt, hat die Armut zum Kutscher. (Spanisches Sprichwort)

Wer von der Hoffnung lebt, stirbt an Verzweiflung. (Spanisches Sprichwort)

Wer von der Hoffnung lebt, wird eines Tages verhungern. (Englisches Sprichwort)

Wirklich glaubte ich, ungetrübtes Glück sorglos immer zu haben: Seht, die Hoffnung täuschte mich. (Hartmann von Aue)

Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendbrot.

(Francis Bacon)

Zweifel schläfert man ein, indem man Hoffnungen weckt. (Gerhard Uhlenbruck)

Es ist besser, Deiche zu bauen, als darauf zu hoffen, dass die Flut allmählich Vernunft annimmt. (Hans Kasper)

Zweifel sind meist nichts anderes als bereits zu Grabe getragene Hoffnungen. (Ernst Ferstl)

Hoffnung – eine psychologische Einführung

Hoffnung in der Sozialpsychologie

Während Hoffnung seit über zwei Jahrtausenden in Philosophie und Theologie eine relativ bedeutende Rolle spielt, hat sich die Psychologie in ihren Anfängen im 19. Jahrhundert nicht diesem Phänomen gewidmet. Freud etwa thematisierte während dem Übergang zum 20. Jahrhundert Wünsche, die in Träumen in Erfüllung gehen (vgl. 2009: 136-146). Seine Psychoanalyse steht jedoch seit Jahrzehnten im Schatten einer stark empirisch orientierten Sozialpsychologie. Dort wird Hoffnung seit den Sechzigerjahren vor allem im Bereich der Pflegewissenschaften untersucht (vgl. LIPPS/HUPPMANN 2006: 201-211). Beim Psychologen EZRA STOTLAND ist Hoffnung die Erwartung eines Ziels, die grösser als Null ist (1969). Der Sozialpsychologe C. R. SNYDER bezeichnet Hoffnung als eine mentale Brücke zu Zielen, die gegenwärtig geträumt werden, aber in die Zukunft gerichtet sind (vgl. SNYDER 2000: 25). Obwohl die Psychoanalyse auf den Begriff der Hoffnung weder theoretisch noch in der psychotherapeutischen Praxis verzichten kann, haben sich bisher nur wenige deutschsprachige Autoren explizit mit Hoffnung beschäftigt, SCHNOOR war die erste, die versuchte eine umfassende Psychoanalyse der Hoffnung aufzuarbeiten.

Hoffnung als Problemlösungsstrategie

ELISABETH ALEXANDER definiert Hoffnung als Problemlösungsstrategie bei Verunsicherung. Hoffnung, so die Sozialpsychologin, unterscheide sich vom Optimismus dadurch, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Erhoffte eintreffe, als beträchtlich hoch angesehen wird (vgl. 2008: 24). In einer empirischen Studie untersucht sie die Hoffnung bei 39 Jugendlichen mit erschwerten Lebensumständen: schwangere Teenagers, Obdachlose, Schulabbrecher und Delinquenten. Sie vertieft die Studie mit 13 der 39 Jugendlichen, die sehr viel oder sehr wenig Hoffnung haben. Sie entwickelt so ein theoretisches Modell, das Hoffnung als einen Prozess beschreibt, der bei Wandel, Problemen und Unsicherheiten für Orientierung sorgt. Dieser Prozess verläuft über fünf Stufen (2008: 185-192): In der ersten Stufe wird ein Individuum mit Unsicherheit und Komplexität konfrontiert, wonach es in der zweiten über eine temporalisierten Vergleich zur verunsichernden Gegenwart herstellt und sich eine wünschenswerte Zukunft ersehnt. In der dritten Stufe entwickelt das Individuum Strategien, um seine Ziele zu erreichen und in der vierten setzt es diese Strategien mit seinen Ressourcen um. In einer fünften Stufe besteht eine Offenheit bzw. Flexibilität, ob die Hoffnungen sich erfüllen, ob sie modifiziert oder auch enttäuscht werden. Diese Erfahrungen prägen weitere Hoffnungsprozesse. Es versteht sich von selbst, dass Hoffnungen durch diesen Lernprozess zur self-fulfilling prophecy werden können. Gerade weil sie intentional sind und soziale Ressourcen freigesetzt werden, erhöht sich die Chance der Erfüllung. Dabei ist diese Hoffnung aus psychoanalytischer Sicht kein eigenwilliger Prozess, sondern basiert auf der Basis eines Grundvertrauens – das Leben wird als Kontinuität verstanden, dieses Vertrauen vermittelt zwischen den Erfahrungen der Vergangenheit und Gegenwart ins Zukünftige hinein (SCHNOOR: 52)

Hoffnung als Selbstkompetenz

So hat gemäss SCHÄFER (2009: 22) die psychologische Forschung Hoffnung mittlerweile als einen der wichtigsten Faktoren für Wohlbefinden, Erfolg und Resilienz identifiziert: “Hoffnungsvolle Menschen sind selbstbewusster, konzentrierter und achtsamer als hoffnungsarme Menschen. Sie leiden zudem weniger unter Ängsten und depressiven Verstimmungen. Hoffnung hilft, schwierige Situationen und Lebensprüfungen zu überstehen.“

Der Begriff der Hoffnung ist eng mit Gesundheit verbunden, „während Hoffnungslosigkeit mit dem Verhaftetsein in einer ungelösten Krise, in der Depression und in einer chronischen Krankheit in Beziehung gebracht werden kann (SCHNOOR: 224). FEND (2005: 431) beschreibt die charakteristische Verzerrung im Denken von Depressiven mit der negativen Sicht von sich selbst, der negativen Sicht der Umwelt und der negativen Sicht der Zukunft. „Der Depressive hat keine Hoffnung, dass sich seine momentanen Schwierigkeiten in absehbarer Zukunft ändern.“ LUKAS (1993: 60) bezeichnet Hoffnungslosigkeit als eine der vier neurotischen Grundhaltungen. FRANKL spricht als Begründer der Logotherapie (1996: 56) sogar vom Phänomen des „Todes aus Hoffnungslosigkeit“.

SNYDER betont die Intentionalität der Hoffnung (SNYDER 2000: 8ff.). Hoffnung ist dabei eine bestimmte Art und Weise, wie über die eigenen Ziele nachgedacht wird: Hoffnungsvolle Menschen sind entschlossen, ihre Ziele („Goals“) zu erreichen und sie glauben, dies auch zu schaffen. Sie machen sich – zweitens – Gedanken über Mittel und Wege, um diese Ziele zu erreichen („Pathway Thoughts“). Sie entwickeln entsprechende Pläne und Strategien („Agency thoughts“), um dies auszuführen. Hoffnungsinhalte lassen sich dabei gemäss LIPPS/HUPPMANN (2006: 190) anhand von drei Dimensionen beschreiben: Hoffnung hat für die betroffene Person eine hohe Bedeutsamkeit, diese Person geht davon aus, dass das Erhoffte eintreten wird und sie übt eine Kontrolle über das Eintreten des Ereignisses aus.

Hoffnung ist also Selbstkompetenz. In der Theorie von C. G. Jung ist Hoffnung die Fähigkeit des Selbst, in fördernder und steuernder Weise den eigenen psychischen Wachstums- und Individuationsprozess zu beeinflussen (SCHNOOR: 57)

Soziale Beziehungen als Basis für Hoffnung

KAST (2008) und SCHÄFER (2009: 25) führen die Grundlagen einer Hoffnungskompetenz auf die prinzipielle Vertrauensfähigkeit und auf das Erleben verlässlicher Bindungen zurück. Das Zusammenspiel von Hoffnung, Vertrauen und Sozialbeziehungen beginnt dabei in der frühen Kindheit. Der „orale Optimismus“ und das „Urvertrauen“ sind Grundlage für die allmählich wachsende Hoffnungskompetenz. „Beides ist abhängig von einer positiven Objektbeziehung, in der der Säugling durch die Eltern in zuverlässiger Weise angenommen, behütet und geliebt worden ist (SCHNOOR: 228). Hoffnungskompetenz entwickelt sich, wenn das Kind durch seine Handlungen bewirken kann, dass seine Bedürfnisse durch seine Umwelt befriedigt werden. Hoffnungslosigkeit entwickelt sich demgegenüber aus dem Grundgefühl des „Urmisstrauens“ und der Hilflosigkeit (vgl. SCHNOOR: 50, 57, 85). Gemäss ALEXANDER (2008) und SCHÄFER (2009: 25) zeichnen sich hoffnungsvolle Menschen durch hohe soziale Verbundenheit aus. Demgegenüber weist Hoffnungslosigkeit etwas Monologisches und Beziehungsloses auf (SCHNOOR: 63). Hoffnungsstarke Personen suchen sich Vorbilder und Rollenmodelle, von denen sie Zielorientierung und erfolgreiches Handeln lernen. Die Vernetzung und der gegenseitige Austausch mit anderen Menschen sind bei hoffnungsstarken Menschen sehr stark. Soziale Ressourcen sind der Lebenssaft der Hoffnung. Aufgrund ihrer psychotherapeutischen Studie betonen SNYDER (2003) und CHEAVENS (2006), dass Hoffnung lernbar ist und trainiert werden kann.

Hoffnung als Lebenseinstellung

DUFAUT/MARTOCCIO (1985) und SCHAEFER (2009: 24) erwähnen im Zusammenhang mit der Krebspatientenforschung, dass Hoffnung mit starken positiven Gefühlen einhergehe. Sie beschreiben die grundsätzliche Lebenseinstellung einer „generalized hope“ als einen unsichtbaren Schirm, der den Hoffenden schützt, indem er ein positives Licht auf das Leben wirft. Für CHEAVENS (2006) ist es wichtig, Hoffnung nicht mit simplem Optimismus als schlichtem Schicksalsglauben zu verwechseln. Hoffnung setzt Motivation und Kraft voraus, einen Weg zu gehen.

Hoffnung als Handlungskompetenz

Hoffnungskompetenz ist in diesem Sinne auch Handlungskompetenz. Tätige Hoffnung, wie Bloch sie beschreibt, bedingt wichtige Ich-Qualitäten wie die differenzierte Wahrnehmung, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, rationales Denken, Realitätsprüfung, Zeiterleben, Urteilsfähigkeit, Willenskraft und Antizipation (SCHNOOR: 84). Für FROMM gehören Hoffnung und Handlung eng zusammen, Hoffnung äussert sich in Aktivität in der Gegenwart und nicht einfach in einem Warten auf eine bessere Zukunft (17-19). Auch für SCHNOOR (157 und 229) bedeutet Hoffnung, auf erfolgreiche frühkindliche Befriedigungserfahrungen zurückgreifen zu können, um so mit bewusstem Handeln in bewusster und aktiver Weise aktuelles Leid und aktuelle Probleme überholen zu können, demgegenüber haftet Hoffnungslosigkeit etwas Handlungsunfähiges an.

Hoffnung in der Logotherapie und Existenzanalyse

Viktor E. Frankl, der Wiener Begründer der in Österreich als eigenständiges Therapieverfahren anerkannten aber in der Schweiz nur wenig bekannten Logotherapie und Existenzanalyse, hat die Grundzüge seiner sinn­zentrierten Psychotherapie bereits in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts konzipiert. Während seines Aufenthalts in vier verschiedenen Konzentrationslagern aufgrund seiner jüdischen Abstammung hatte er selbst Gelegenheit, die Logotherapie ungewollt zu validieren.

Seine Methodik, die als die „dritte Wiener Schule“ der Psychotherapie neben Freud und Adler gilt, geht davon aus, dass der Mensch existentiell auf Sinn ausgerichtet ist. Der Mensch ist ein Leben lang ein Wesen auf der Suche nach Sinn und hat in jeder Situation die Möglichkeit, die Freiheit und die Verantwortung, diese Sinnsuche zu gestalten. Frankl geht davon aus, dass Sinn eine objektive Grösse ist, die einer Situation innewohnt, auch wenn diese aus rationaler Sicht unverständlich und unfassbar erscheint. Das logotherapeutische Konzept der Hoffnung setzt am Menschenbild und am Konzept der Sinnhaftigkeit des Lebens an. Auch wenn der Sinn einer konkreten Situation in einer für den Menschen fassbaren Dimension verborgen bleibt, so wird Hoffnung logotherapeutisch derart gedeutet, dass das Leben in eine transzendente Dimension reicht, die dem Leben auch dann noch einen Sinn zuspricht, wenn menschlich gesehen keiner sichtbar ist.

In Abgrenzung zu Freuds Psycho-Analyse, die auf triebhafte Kräfte ausgerichtet ist, entwickelte Frankl eine auf Werte ausgerichtete Existenz-Analyse. Zum Aspekt der Hoffnung vergleicht SCHULZ (2005: 144): „Jung hat sich mit der Nacht des kollektiven Unbewussten befasst, Freud hat sich in der Morgendämmerung um das Erkennen des schemenhaft Vorhandenen bemüht. Die Logotherapie fragt aber auch nach dem Morgen nach der Dämmerung. Der angestrengte Blick zurück lässt Hoffnung nicht zur vollen Entfaltung kommen. Hoffnung ist Gewinnung von Neuland, nicht nur bessere Inbesitznahme des schon vorhandenen Bodens“.

Die Logotherapie betont „die Offenheit der Zukunft, die es zu gestalten gilt“ und bezeichnet sich selbst als eine „Psychotherapie der Hoffnung“[1]. FRANKL (1977) geht davon aus, dass die Hoffnung eine ungeahnte Kraft und einen immensen Motivator zur Mitgestaltung darstellt. Dabei ist die Logotherapie eine positive Weltanschauung, sie legt den Schwerpunkt auf das Positive, auch noch neben und trotz des existierenden Negativens, z.B. der Aussöhnung mit einer unheilbaren Krankheit.

Hoffnung in der Positiven Psychologie

In den 1990er Jahren wurde die „Positive Psychology“ durch den amerikanischen Psychologen SELIGMAN begründet. Statt sich damit zu beschäftigten, was den Menschen krank macht, legt die Positive Psychologie ihren Schwerpunkt darauf herauszufinden, was den Menschen gesund erhält und gesund macht. Die positive Psychologie ruht dabei auf der Erforschung der drei Säulen:

  • positive Emotionen
  • positive Charaktereigenschaften
  • positive Institutionen

Die positiven Emotionen unterteilt SELIGMAN in die drei Gruppen: vergangenheitsbezogen, zukunftsbezogen und gegenwartsbezogen. Zu den zukunftsbezogenen Emotionen zählt Seligman Optimismus, Hoffnung, Vertrauen, Glauben und Zuversicht. Hoffnung, Optimismus und Zuversicht stehen für eine positive Haltung der Zukunft gegenüber. Seligman und seine Mitarbeiter fanden in ihren Studien 24 Charakterstärken, die sie sechs Grundtugenden zuordneten. Als Grundtugenden definiert SELIGMAN Weisheit und Wissen, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mässigung und Transzendenz. Die Tugend Transzendez umfasst als Charakterstärken

  • den Sinn für Schönes,
  • Dankbarkeit,
  • Hoffnung,
  • Humor und
  • Spiritualität

Für die Erforschung dieser Stärken und Tugenden arbeitet die Fachrichtung Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik des Psychologischen Instituts der Universität Zürich (Prof. Dr. Willibald Ruch) mit dem VIA-IS-Tool (Values in Action Inventory of Strength)[2]. Die Interpretationshilfe zum VIA-IS[3] definiert:

  • „Transzendenz: Psychologische Stärken der Transzendenz beinhalten Persönlichkeitseigenschaften, die es Menschen ermöglichen, eine Beziehung zu einer höheren Instanz zu haben und dem Leben Sinn zu verleihen. Diese Tugend umfasst alles, was jenseits des menschlichen Verstandes liegt, was die Menschen ihre Sorgen vergessen lässt und ihrem Dasein Bedeutung verleiht“
  • „Hoffnung: Hoffnungsvolle Menschen haben grundsätzlich eine positive Einstellung gegenüber der Zukunft. Sie sind optimistisch und zuversichtlich und können auch dann etwas positiv noch sehen, wenn es für andere negativ erscheint. Sie hoffen das Beste für die Zukunft und tun ihr Mögliches, um ihre Ziele zu erreichen. Dabei haben sie ein klares Bild, was sie sich für die Zukunft wünschen und wie sie sich die Zukunft vorstellen. Wenn mal etwas nicht klappt, versuchen hoffnungsvolle Menschen trotz Herausforderungen oder Rückschlägen optimistisch in die Zukunft zu blicken. Niedrige Ausprägungen in der Hoffnung werden mit Pessimismus, Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit in Verbindung gebracht. Hoffnungslose und pessimistische Menschen machen eine düstere Prognose der Zukunft.“

[1] Vgl. DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR LOGOTHERAPIE UND EXISTENZANALYSE (1997) Das Prinzip Hoffnung in der Logotherape. Tagungsbericht der Freundschaftstagung in Davos = Logotherapie & Existenzanalyse, Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse e.V.. Heft 1 / 1997

[2] http://www.viacharacter.org/

[3] http://www.charakterstaerken.org/VIA_Interpretationshilfe.pdf