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Wir müssen über Technologiefolgenabschätzung kommunizieren – nicht nur in Fachkreisen

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Via San Gottardo

Fast zehn Jahre war Dr. Andreas M. Walker Co-Präsident von swissfuture. Im Juli 2018 lief er auf der Via San Gottardo von Basel ins Tessin. Francis Müller traf ihn im Juli in Brunnen am Vierwaldstättersee zu einem Gespräch.

Mein „präsidiales Abschiedsinterview“ 😉 für swissfuture als pdf: sf_218_Walker-Interview

 

Is there a Future for the deutsche Sprache?

Blackboard background with colored letter blocks as frame

Dieser Artikel erschien zuerst in der Sommerausgabe Ausgabe 3 – August 2016 der tribune 

Wie werden wir zukünftig kommunizieren? Und hat Deutsch dabei überhaupt eine Zukunft? Sei es der Kampf um die internationale Sprachkompetenz als Bedingung auf einem globalen Wirtschaftsmarkt oder sei es das Klagen über den mitteleuropäisch deutschsprachigen Kulturzerfall – in emotionaler Weise wer­ den Diskussionen um gutes Deutsch, Frühfranzösisch, weltmarktfähiges Englisch oder Kommunikationskompetenz zwischen Schulen, Elternhäusern, Bildungs­ und Wirtschaftspolitik geführt.

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war Deutsch nach dem mittelalterlichen Latein die führende Wissenschafts- und Techniksprache; zehn Prozent aller Bücher erschienen in deutscher Sprache. In einem Lebensraum, der meistens regional beschränkt war, mussten unsere Grosseltern und Eltern in der Nordwestschweiz primär die deutsche Standardsprache als Aufwertung der schweizerischen Mundart beherrschen, wohlgemerkt ergänzt durch unsere zweite Landessprache Französisch und in humanistischen Kreisen durch Lateinisch. Bedenken wir: Bis ins 19. Jahrhundert wurden Vorlesungen an den Universitäten in ganz Europa auf Latein gehalten.

Der Blick in die Statistik zeigt uns, dass es unter rund 7’000 Sprachen nur 300 mit mehr als einer Million Sprechenden gibt. Deutsch rangiert zwar deutlich hinter Chinesisch, Englisch, Hindi, Spanisch und Arabisch auf Platz zehn, zählt aber zu den Weltsprachen mit mehr als 100 Millionen «Native Speakers». Dabei ist Englisch die häufigste gesprochene Sprache, da die meisten Englisch als Zweitsprache lernen.

Innerhalb Europas ist Deutsch eine der 24 Amtssprachen der EU, die aber mit Abstand in den meisten Ländern als Muttersprache verbreitet ist – in fünf Ländern als Amtssprache und in elf Ländern als offizielle Regional- oder Minderheitensprache. Wenn man Russisch als häufigste Muttersprache auf dem europäischen Kontinent ausklammert, steht Deutsch mit 32 Prozent an prominenter zweiter Stelle. Englisch wird neben Grossbritannien nur noch in Irland und Malta als Amtssprache gesprochen und gilt nirgends als Regionalsprache, wird aber von 51 Prozent gesprochen. Französisch gilt in vier Ländern als Amts- und in einem Land als Regionalsprache.

Neun Megatrends

Mark Twain spottete einst, man solle Vor- aussagen unbedingt vermeiden, besonders solche über die Zukunft. Trotzdem lassen sich neun Megatrends erkennen, die unsere Sprache in der kommenden Generation beeinflussen werden.

Experten sind sich einig, dass die Globalisierung in Wissenschaft, Wirtschaft und privatem Reiseverhalten voranschreiten wird – trotz Angst vor Terrorismus, Flüchtlingen und regionalen Krisen. Deshalb wird das Bedürfnis nach einer gemeinsamen Weltsprache weiter wachsen – einem einfachen Englisch, auch «Pidgin English» genannt, oder das von Nerrière erfundene «Globish», das auf einem Grundwortschatz von 1’500 Vokabeln basiert. Wie empfehlen doch Sprachschulen? «First off all: Improve your English; it will stay important.»

Zugleich provoziert aber die Globalisierung das menschliche Bedürfnis nach einer regional überschaubaren Heimat, so dass in politischen und emotionalen Fragen Muttersprachen und Dialekte wieder stark an Bedeutung gewinnen: Für die Bereiche der persönlichen Identität und Gefühle sowie des privaten Zusammenlebens werden diese wichtig bleiben. In Europa, in dem Deutsch in fünf Ländern Amtssprache und in elf Ländern Regionalsprache ist, wird Deutsch noch lange gesprochen werden.

Group of international students using laptop.

Die akademischen und wirtschaftlichen Eliten der Generationen Y und Z positionieren sich in selbstverständlicher Weise international – im Internet, in Social Media und im Gaming ist Globalität normal geworden, aufgrund der offenen Grenzen und billigen Flugkosten sind Reisen üblich, ein Auslandsstudium oder mindestens Austauschsemester sind weit verbreitet – Englisch ist eine «Conditio sine qua non».

Gemischtsprachige Arbeitsteams sowie Lebenspaare sind die offensichtliche Konsequenz, so dass neben Englisch auch eine Grundkompetenz in den jeweils anderen Muttersprachen entsteht und zu Mischformen und Mehrsprachigkeit führt, gerade auch bei Kindern aus diesen Beziehungen.

Sprache wird dabei hybrider und situativer werden. Das Verständnis von Korrektheit einer Literatur- und Behördensprache des 20. Jahrhunderts wird zwar für das bildungsbürgerliche Verständnis eine Bedeutung behalten – die Kunst hält sich aber schon lange nicht mehr daran und die Wirtschaft fragt danach, was der Markt akzeptiert. In der Alltagssprache werden laufend neue Formen von Jugend- und Community- Sprachen entstehen und verschwinden. Bei sprachlich schwachen Menschen führen diese «Multi-Ethnolekte» zum Phänomen des «Code-Switching» – wenn man keine Sprache mehr perfekt beherrscht und im Gespräch situativ zwischen Sprachen wechselt. Doch wie gesagt, im Leben jenseits der Schule gilt die Frage: Verstehen mich meine Kollegen und meine Kunden?

Woman Using a Smart PhoneDiese hybride Umgebung, die dynamische Lebens- und Arbeitsweise sowie die Social Media führen zu immer kürzeren Texten und einfacheren Sprachen. Zwar ist der Wortschatz am Wachsen und es wird schriftlich viel kommuniziert, dies ist via Social Media sehr einfach geworden. Aber an Stelle des Briefes ist die E-Mail getreten und diese wurde durch Facebook und WhatsApp abgelöst. Die 160-Zeichen-SMS wurde je nach Anbieter auf 480 bis 1’530 Zeichen erweitert, Twitter bleibt bei 140 Zeichen, die meisten Retweets umfassen 71 bis 100 Zeichen und die ideale Länge eines Facebook-Posts liegt bei etwa 100 Zeichen. Entsprechend flexibel werden Grammatik und Orthografie verwendet. Sogar für Fachartikel gilt: Nach sieben Minuten hören die meisten Besucher auf zu lesen, was 1’400 bis 1’800 Wörter bedeutet und nur wenig länger als dieser Artikel ist.

MatiteDoch dies bedeutet nun keine Verarmung, vielmehr werden Kurztexte mit einer Vielzahl von Zeichen wie Emojis, Bilder und Clips ergänzt, nicht nur in den Jugendsprachen. In einer Welt, in der noch nie so viel kommuniziert wurde, geht es wortwörtlich darum, den «Augenblick» zu erhaschen. So mache auch ich auf Internet die zwiespältige Erfahrung, dass nicht etwa meine klugen und wohlformulierten Texte, sondern originelle Fotos und freche Sprüche am meisten «geliked» und geteilt werden, nicht nur privat, sondern auch von Kunden. Wenn wir von Kommunikationskompetenz sprechen, bedeutet dies nicht nur Sprache, sondern muss viel umfassender verstanden werden und auch Kenntnisse von Semiotik und Semantik beinhalten, nicht etwa Malen, sondern eben die kompetente Nutzung von Zeichen und Bildern als Kommunikation.

Seit dem Feminismus besteht die politische Forderung nach geschlechtersensibler Sprache, was von alleine seine Wege gehen wird, denn das Gymnasium wird mittlerweile zu 57 Prozent von Mädchen abgeschlossen und 52 Prozent der Hochschul- und Fachhochschulabschlüsse gehen an junge Frauen. Bemerkenswert dabei ist, dass an den Universitäten Sprach- und Literaturwissenschaften zu 72 Prozent von Frauen und technische Wissenschaften zu 71 Prozent von Männern studiert werden. So hören wir an den Schulen auch meistens von einseitig begabten beziehungsweise sprachschwachen Buben, die von Frauen erzogen werden.

Es ist also wenig erstaunlich, dass Apps und wearables dank grosser Fortschritte in Miniaturisierung und künstlicher Intelligenz immer wichtiger werden für unser Kommunizieren. Mancher Kollege hofft auf eine Zukunft, in der «Mann» gar keine Fremdsprache mehr lernen muss, weil Maschinen für uns die ganze Übersetzung simultan übernehmen werden. Und so sehr diese Vorstellung nach Science Fiction klingt – gerade der Sprachschwache profitiert schon heute von zahlreichen Hilfestellungen. Dabei wird diese Mensch- Maschine-Kommunikation unsere Sprache weiter vereinfachen, weil Texte optimiert werden, damit sie von den Indexierungs- und Ranking-Algorithmen der Suchmaschinen einfacher gefunden wer- den. Immer mehr handeln wir im Bewusstsein, dass Computer mitlesen und ordnen, um Inhalte auffindbar zu machen.

Fazit

Die Sprache war schon immer in Veränderung und hat sich seit je den Bedürfnissen und Funktionsweisen einer Gemeinschaft angepasst. Und sei diese Gemeinschaft nun eine Sippe, eine Religionsgemeinschaft oder ein Marktplatz – Sprache ist ein Mittel neben anderen, um Kommunikation und Gemeinschaft zu ermöglichen. Und dies müssen wir als soziale Grundkompetenz in Familie, Schule und am Arbeitsplatz sicherstellen.

Dr. Andreas M. Walker

zählt zu den führenden Zukunfts­ und Trend­ experten der Schweiz. Er studierte Geographie, Geschichte und Germanistik, gewann mit seiner Doktorarbeit in Wirtschaftsgeografie den Award der Handelskammern am Oberrhein, sammelte internationale Berufserfahrung in der Finanzbranche und berät seit 2002 Wirtschaft, Verwaltung und Politik zu zukünftigen Chancen und Risiken. Er ist Co-­Präsident von swissfuture, der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung und Elternratspräsident einer Sekundarschule. Weiterführende Infos auf www.weiterdenken.ch

tribune

Die Jubiläumsstiftung der Bank La Roche & Co Banquiers, die Advokatenkammer Basel, der Basellandschaftliche Anwaltsverband und die Handelskammer beider Basel sind Herausgeber der Zeitschrift tribune, welche sich viermal im Jahr in erster Linie an Entscheidungsträger in kleinen, mittleren und grossen Unternehmen sowie an einzelne Partner aus Wirtschaft und Politik wendet.

 

 

 

 

 

 

 

 

swissfuture Hoffnungsbarometer für 2016: Grosse Hoffnung auf harmonisches Privatleben

Life.

Die Schweizer Bevölkerung schaut für das eigene private Leben auf optimistisch hohem Niveau ins neue Jahr 2016 – dies obwohl die Erwartungen an die Wirtschaft in Folge gefallen sind. Die Zufriedenheit für das private Leben ist erstaunlich hoch, trotz der unterdurchschnittlichen Zufriedenheit mit den Bereichen Politik, Wirtschaft, Umwelt und Soziales. Sind die Schweizerinnen und Schweizer derart unabhängig in ihrer persönlichen Zufriedenheit gegenüber den Veränderungen im Umfeld oder findet hier ein Rückzug ins Privatleben statt?

So ergibt die aktuelle Umfrage von swissfuture, dass für die Menschen in der Schweiz die Hoffnungen auf eine glückliche Ehe und Familie, ein harmonisches Leben und vertrauensvolle Beziehungen mit den Mitmenschen wichtiger sind als Erfolg oder mehr Geld, die Eurokrise und die wirtschaftspolitischen Debatten scheinen noch nicht im Privatleben angekommen zu sein. Insbesondere das Bedürfnis nach Harmonie ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die wachsende Hoffnung auf mehr Sicherheit im eigenen Umfeld scheint eine Reaktion auf die wachsende Terrorbedrohung zu sein. In steigendem Masse sehen die Umfrageteilnehmenden die Verantwortung für ihre Hoffnungen primär bei sich selbst und ihrem engen persönlichen Umfeld, dagegen wird in Fachleute, Wissenschaftler und Wirtschaftsvertreter deutlich weniger Hoffnung gesetzt.

Obwohl Einwanderer in punkto Arbeitsmarkt und bezüglich Gesundheits- und Sozialsystem eher als Bedrohung empfunden werden, betrachtet trotzdem eine Mehrheit der Bevölkerung Einwanderer im Allgemeinen als einen Gewinn für die Wirtschaft. Bezüglich der kulturellen Folgen von Einwanderern gibt es eine Polarisierung in der Gesellschaft.

swissfuture, die 1970 gegründete Schweizerische Vereinigung für Zukunftsforschung, erhebt seit 2009 jährlich das Hoffnungsbarometer als grosse Internet-Umfrage. Im November haben europaweit über 30‘000 Personen an der Umfrage teilgenommen, für die Schweiz wurden 9‘496 Fragebögen ausgewertet. Das Hoffnungsbarometer wird jährlich von Dr. Andreas Krafft, Vorstand swissfuture und Dozent an der Universität St. Gallen, in Zusammenarbeit mit Professoren und Dozenten der Universitäten F-Rennes, CZ-Brno, Malta und PL- Bydgoszcz weiterentwickelt und ausgewertet. Das Hoffnungsbarometer wurde 2009 vom swissfuture Präsident Dr. Andreas M. Walker begründet.

www.swissfuture.ch

www.hoffnungsbarometer.ch

Hier geht es zum Bericht => swissfuture Hoffnungsbarometer für 2016 – medienmitteilung CH – kurz

Digital Immigrant meets Digital Native

Father and son playing video games in living room

Die Welt dreht sich weiter – und wir sind älter geworden

Die Welt verändert sich – schon lange. Doch wir stehen plötzlich auf der anderen Seite. Wir sind nicht mehr die Jungen und Wilden, die voller Elan eine bessere Welt schaffen wollen, wir sind nicht mehr die grossen Kumpels, die älteren Geschwister, sondern plötzlich zählen wir als Eltern und Lehrpersonen zu den Alten, geboren Mitten im letzten Jahrhundert. Am ehesten merken wir das im Umgang mit Internet und Smartphones. Dabei war doch schon unsere eigene Kindheit geprägt von technischem Fortschritt: Das Telefon bekam eine Tastatur statt einer Wählscheibe. Der TV wurde farbig, bekam eine Fernbedienung und Dutzende Kanäle konnten programmiert werden. Die Schnapsmatrize wurde abgelöst vom Kopierapparat. Elektronische Spielzeuge aus Japan, der CD-Player oder der Fax runden das Bild ab. Nein, wir sind nicht die Generation unserer Grosseltern. Technischer Fortschritt hat unseren Alltag als Kinder, Jugendliche und Erwachsene seit Jahrzehnten begleitet – und wir haben ihn damals gemeistert, und haben begeistert unseren Eltern und Grosseltern die Fernbedienungen und Stereoanlagen programmiert. Und jetzt sollen wir plötzlich als Digital Immigrants altmodisch und aus dem alten Jahrtausend sein, ängstlich und unfähig, unsere Kinder im Cyber Space zu begleiten?

Lesen Sie mehr … hier geht’s zum pdf zum Lesen oder Ausdrucken … ZKM_Walker_Digital-Immigrant

Noch 2 Tage – aller guter Dinge sind zwei

Zahlen, Zahlen, Zahlen.

Möglichst viel, möglichst gross, möglichst unzählbar. Wertepluralismus. Biodiversifikation. Bad in der Menge. Möglichst viele Besuche auf meiner Internet Site. Möglichst viele Facebook Friends. Die Soziologen predigen die Theorie der Weak Tails. So steigt in einem quantitativ orientierten Weltbild die Chance, dass mindestens einer mein Kunde wird. Dass mindestens einer mir helfen kommt.

Halt, Stopp! Doch alles anders. Alleinstellungsmerkmal. USP. Individualismus. Selbstbestimmung. Nur ich bin ich und ich erfinde mich täglich neu. Innovativ. Kreativ. Einzigartig. Jeder ist sich selbst der nächste. Und mich versteht ja sowieso keiner richtig ausser ich selbst.

Wie häufig sind wir hin und her gerissen, unseren Platz zu finden. Mitten in der unzählbaren Masse und doch schrecklich alleine.

Mann UND Frau. Trotz Gefasel von Polyamorie, Haremsträumen und der Skurrilität eines asiatischen Hirtenstammes, in dem es zwei Männer braucht, um eine Frau zu ernähren. Und über 50 verschiedenen Facebook Genders. Ein Mann und eine Frau, die sich als Gegenüber begegnen. Quer durch Jahrtausende hindurch immer wieder. Quer durch Kulturen und durch Religionen hindurch. Ein Mann und eine Frau ergeben eine Zweisamkeit, die gemeinsam die Grundlage für die Elternschaft einer Familie legen.

Zwei Geschlechter: und die politische Gender-Diskussion tobt. Konservativ. Fundamentalistisch. Altmodisch. Wir leben doch im 21. Jahrhundert.

Aha, und was hat das damit zu tun? Auch im 21. Jahrhundert bestätigen die grossen Jugendumfragen immer wieder, was uns die Lyrik seit Jahrhunderten sagt: Mädchen sind auf der Suche nach ihrer einen grossen Liebe, nach ihrem Traumprinzen. Eine junge Frau und ein junger Mann. Empirisch erhoben und wieder und wieder empirisch bestätigt, gerade auch im 21. Jahrhundert.

Aber das gilt nicht für alle? Da gibt es Ausnahmen, da gibt es Menschen, die anders sind. Nun ja, möglich, wir sind ja auch individuelle Menschen und nicht nach Schablone am Band gefertigte Roboter. Da mag es Varianten, Ausnahmen und Skurrilitäten geben. Auch wenn Industrie und Staat seit zwei Jahrhunderten immer wieder versuchen, uns zu normieren.

Eine Zweisamkeit aus einem Mann und einer Frau, die zusammen findet, um Leben zu ermöglicht. Ausnahmen mag es geben, aber wie lautete doch das alte Sprichwort: Ausnahmen bestätigen die Regel. Aller guten Dinge sind zwei: ein Mann und eine Frau.

Wäsche waschen am Freitagmorgen – eine Retro-Diskussion?

Ob wir im November 2012 eine Saure-Gurke-Zeit erleben, dass die Aussage des Regierungspräsidentschaftskandidaten Baschi Dürr, er wolle sich am Freitagmorgen um Haushalt und Kind kümmern, derartige Aufmerksamkeit in den Medien findet?

Ob es sich um simple Effekthascherei im Wahlkampf handelt?

Oder ob tatsächlich ein unerwarteter Wertewandel im Schweizer Lande im Gange ist?

Denn die Medien, die nun diese Aussage von Baschi Dürr hochspielen, thematisieren sonst die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in einer Breite – bloss stecken wohl hinter jenem Thema gleich zwei hidden agendas – offensichtlich nicht nur von politischen Parteien, sondern auch von Medienschaffenden: es geht üblicherweise um die weitere Schaffung von steuerfinanzierten KITA-Kindertagesstättenplätze und Ganztagesschulen für alle und um die Fokussierung von Frauen auf die Erwerbsarbeit, denn offensichtlich ist in unserer Gesellschaft nur die Arbeit etwas wert, mit der Einkommen generiert wird.

Die Aussage von Baschi Dürr lässt demnach philosophieren, ob nicht nur ein Wertewandel stattfindet, sondern dass sich gleich eine Werterevolution am Horizont andeutet …

Kann es wirklich sein, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeuten könnte, dass die junge Elterngeneration während der Tageszeit mehr Zeit für ihre Kinder haben möchte und ihr Familienleben untertags nicht in jedem Moment vom Berufsleben fremdbestimmen lassen möchten? Insbesondere in einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft, die nicht mehr an den Schichtbetrieb der Industriegesellschaft gebunden ist, sondern in der das Arbeiten mit Beziehungen, Informationen und Argumenten eigentlich rund um die Uhr stattfindet und dank der modernen Arbeitshilfsmittel global und von jedem Ort und zu jeder Zeit geregelt werden können?

Kann es sein, dass es nicht immer nur darum geht, dass die Mutter angeblich ihren Lebenssinn und Lebenswert in der bezahlten Erwerbsarbeit sucht, sondern dass der junge Vater Lebenssinn in der Erziehungsarbeit mit seinem Sprössling finden möchte? Insbesondere einer Gesellschaft, die Beziehungskompetenz und Kommunikationskompetenz überall betont – wohl überall, nur nicht in der Vater-Kind-Beziehung?

Kann es sein, dass in guter Schweizer Tradition junge Eltern daran glauben, dass die Erziehung der eigenen Kinder Milizarbeit ist, also zu einem massgeblichen Teil durch die Eltern selbst geleistet wird, bevor die Bildungsarbeit dann an die professionellen – und somit letztlich kommerziell motivierten – Lehrpersonen des Staates delegiert wird? Insbesondere in einer Gesellschaft, in der schon mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass kleine Kinder die Grundlagen für ihre eigenen Werte, für ihre soziale Kompetenz und für ihren Umgang mit Hoffnung und der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen in den ersten drei Jahren im unmittelbaren sozialen Umfeld entwickeln – und können das übrigens nicht auch mal die eigenen Eltern sein?

Kann es wirklich sein, dass ein junges Paar sich als einvernehmliches Organ verstehen will, das sein zeitliches Budget, sein finanzielles Verhalten, seine Prioritätensetzung und Aufgabenverteilung unter sich aushandeln und selbstbestimmt ausgestalten will? Insbesondere in einer Gesellschaft, die Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung als bald höchste Werte zelebriert – ja wo kommen wir denn hin, wenn nun ein junges Paar die Erziehungs- und Haushaltsführungsaufgaben während des Tages unter sich festlegt?

Kann es sein, dass (in diesem Fall) ein Mann nicht nur eine verantwortungstragende Führungsaufgabe (im Staatswesen) anstrebt, sondern dass er auch Verantwortung in seiner eigenen Familie übernehmen will? Frei nach Jeremias Gotthelf: Zuhause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland. Nicht nur, indem er als „Ernährer“ die Finanzen sicherstellt, sondern indem er selbst konkrete operative Verantwortung in Haushalt und Kindererziehung übernimmt? Insbesondere in einer Gesellschaft, die sonst bei jeder Gelegenheit beklagt, dass „Manager“ die Bodenhaftung und den Bezug zum wirklichen Leben verloren haben? Wo finden wir ein besseres Bewährungsfeld für diese Aufgabe als bei der Erziehung der eigenen kleinen Kinder?

Wo genau liegt denn jetzt das Problem? Denn genau das will ich auch und lebe es seit Jahren zusammen mit meiner Frau.

Schreibstilanalyse der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Wenn Sie Ihren Schreibstil erkennen wollen – dann probieren Sie die Analyse der FAZ aus http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx

Bloss – was da bei mir rausgekommen ist …

Sigmund Freud

Tja – ist das nun ein Lob? Oder ein Übrigbleibsel meiner vielen Jahre in Wien? Oder ein Hinweis auf meine nicht-therapierten Spannungen zwischen meinem „Es“ und meinem „Über-Ich“?

So oder so – ich wünsche weiterhin viel Spass bei der Lektüre meiner Blogs.