Wäsche waschen am Freitagmorgen – eine Retro-Diskussion?

Ob wir im November 2012 eine Saure-Gurke-Zeit erleben, dass die Aussage des Regierungspräsidentschaftskandidaten Baschi Dürr, er wolle sich am Freitagmorgen um Haushalt und Kind kümmern, derartige Aufmerksamkeit in den Medien findet?

Ob es sich um simple Effekthascherei im Wahlkampf handelt?

Oder ob tatsächlich ein unerwarteter Wertewandel im Schweizer Lande im Gange ist?

Denn die Medien, die nun diese Aussage von Baschi Dürr hochspielen, thematisieren sonst die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in einer Breite – bloss stecken wohl hinter jenem Thema gleich zwei hidden agendas – offensichtlich nicht nur von politischen Parteien, sondern auch von Medienschaffenden: es geht üblicherweise um die weitere Schaffung von steuerfinanzierten KITA-Kindertagesstättenplätze und Ganztagesschulen für alle und um die Fokussierung von Frauen auf die Erwerbsarbeit, denn offensichtlich ist in unserer Gesellschaft nur die Arbeit etwas wert, mit der Einkommen generiert wird.

Die Aussage von Baschi Dürr lässt demnach philosophieren, ob nicht nur ein Wertewandel stattfindet, sondern dass sich gleich eine Werterevolution am Horizont andeutet …

Kann es wirklich sein, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeuten könnte, dass die junge Elterngeneration während der Tageszeit mehr Zeit für ihre Kinder haben möchte und ihr Familienleben untertags nicht in jedem Moment vom Berufsleben fremdbestimmen lassen möchten? Insbesondere in einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft, die nicht mehr an den Schichtbetrieb der Industriegesellschaft gebunden ist, sondern in der das Arbeiten mit Beziehungen, Informationen und Argumenten eigentlich rund um die Uhr stattfindet und dank der modernen Arbeitshilfsmittel global und von jedem Ort und zu jeder Zeit geregelt werden können?

Kann es sein, dass es nicht immer nur darum geht, dass die Mutter angeblich ihren Lebenssinn und Lebenswert in der bezahlten Erwerbsarbeit sucht, sondern dass der junge Vater Lebenssinn in der Erziehungsarbeit mit seinem Sprössling finden möchte? Insbesondere einer Gesellschaft, die Beziehungskompetenz und Kommunikationskompetenz überall betont – wohl überall, nur nicht in der Vater-Kind-Beziehung?

Kann es sein, dass in guter Schweizer Tradition junge Eltern daran glauben, dass die Erziehung der eigenen Kinder Milizarbeit ist, also zu einem massgeblichen Teil durch die Eltern selbst geleistet wird, bevor die Bildungsarbeit dann an die professionellen – und somit letztlich kommerziell motivierten – Lehrpersonen des Staates delegiert wird? Insbesondere in einer Gesellschaft, in der schon mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass kleine Kinder die Grundlagen für ihre eigenen Werte, für ihre soziale Kompetenz und für ihren Umgang mit Hoffnung und der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen in den ersten drei Jahren im unmittelbaren sozialen Umfeld entwickeln – und können das übrigens nicht auch mal die eigenen Eltern sein?

Kann es wirklich sein, dass ein junges Paar sich als einvernehmliches Organ verstehen will, das sein zeitliches Budget, sein finanzielles Verhalten, seine Prioritätensetzung und Aufgabenverteilung unter sich aushandeln und selbstbestimmt ausgestalten will? Insbesondere in einer Gesellschaft, die Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung als bald höchste Werte zelebriert – ja wo kommen wir denn hin, wenn nun ein junges Paar die Erziehungs- und Haushaltsführungsaufgaben während des Tages unter sich festlegt?

Kann es sein, dass (in diesem Fall) ein Mann nicht nur eine verantwortungstragende Führungsaufgabe (im Staatswesen) anstrebt, sondern dass er auch Verantwortung in seiner eigenen Familie übernehmen will? Frei nach Jeremias Gotthelf: Zuhause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland. Nicht nur, indem er als „Ernährer“ die Finanzen sicherstellt, sondern indem er selbst konkrete operative Verantwortung in Haushalt und Kindererziehung übernimmt? Insbesondere in einer Gesellschaft, die sonst bei jeder Gelegenheit beklagt, dass „Manager“ die Bodenhaftung und den Bezug zum wirklichen Leben verloren haben? Wo finden wir ein besseres Bewährungsfeld für diese Aufgabe als bei der Erziehung der eigenen kleinen Kinder?

Wo genau liegt denn jetzt das Problem? Denn genau das will ich auch und lebe es seit Jahren zusammen mit meiner Frau.

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