Hoffnung – eine theologische Einführung – Hoffnung in den nicht-christlichen Weltreligionen

Vorbemerkung

Dieses Kapitel will einen kurzen Einblicke in das Hoffnungsverständnis verschiedener grosser Weltreligionen gegeben.

Bei dieser kurzen Einführung in die Bedeutung von Hoffnung in den Weltreligionen muss aber beachtet werden, dass diese Religionen im Detail betrachtet aus einer Vielzahl von religiösen Schulen, Bekenntnissen und Strömungen bestehen, die sich jeweils auf unterschiedliche geistliche Lehrer und zahlreiche Interpretationen ihrer religiösen Schriften berufen.

Um die Bedeutung von Hoffnung in den verschiedenen Glaubens- und Religionsgemeinschaften vergleichen zu können, muss zudem berücksichtigt werden, wie stark das Verständnis von Hoffnung kulturell, historisch und sprachlich geprägt ist. In einem späteren Kapitel weisen wir auf die Bandbreite der Synonyme und Antonyme für das Wort „Hoffnung“ in der deutschen Sprache hin. So darf ein fundierter interreligiöser Vergleich nicht zu schmal auf das Wort „Hoffnung“ fokussieren, sondern muss auch in einer linguistischen Analyse der entsprechenden Sprachen der religiösen Schriften die Vielzahl an verwendeten Worten, Begriffen und Konzepten berücksichtigen.

Hoffnung im Judentum

Der jüdische Rabbi und Präsident des World Council of Religions for Peace, ALBERT FRIEDLANDER (2000) betont bei FINSTERBUSCH das konstituierende Verständnis der Hoffnung für den jüdischen Glauben. So schreibt er (FRIEDLANDER: 83): „Es ist demnach ganz einfach: Kein Glaube besteht ohne Hoffnung und keine Hoffnung ohne den Glauben. Der Mensch kann nur hoffen, wenn er an Gott glaubt.“ Das Judentum sei seit seinen Anfängen eine Religion der Hoffnung gewesen, sonst wäre es gar nicht in der Lage gewesen, die zahlreichen Verfolgungen zu überleben.

Hoffnung im Islam

Der Imam SIDIGULLAH FADAI erwähnt, dass die arabischen Begriffe für Hoffnung im Koran und in der islamischen Überlieferung nur selten vorkommen, trotzdem sei das Phänomen Hoffnung nicht unbedeutend. Namentlich weist er auf folgende Aspekte der Hoffnung im Islam hin:

  • Hoffnung auf Sündenvergebung durch Allah,
  • Hoffnung auf Frieden,
  • Gewissheit, „dass alles im Leben nach Allahs weiser Voraussicht bestimmt ist. Diese Gewissheit geht einher mit der Hoffnung, dass niemandem in seinem Leben etwas Sinnloses widerfahren wird. Besonders in ausweglosen Lagen vertrauen wir Muslime auf Allah und hoffen auf einen guten Ausgang.“ (FADAI, S: 61)
  • Hoffnung, dass sich die Wahrheit in der Welt durchsetzen wird
  • und zuversichtliche Hoffnung auf Heil und Heilung.

Hoffnung im Hinduismus

Der Indologe und vergleichende Religionswissenschafter MARTIN CHRISTOF-FÜSSLE erläutert, dass Hoffnung im Hinduismus keine zentrale theologische oder philosophische Kategorie sei. So gäbe es zwar Worte, „die mit Hoffnung zu übersetzen sind, und auch Hindus kennen Hoffnung als Phänomen der auf die zukünftige Erfüllung eines Wunsches gerichteten Erwartung; aber im Bereich der Eschatologie, der Heilserwartung und der Erlösungslehren spielt Hoffnung als Begriff entweder keine Rolle, oder sie wird als Zeichen der Unwissenheit und Unerlöstheit gewertet“ (CHRISTOF-FÜSSLE: 101). Der Hinduismus verstehe Hoffnungen für diese Welt als „Zeichen einer Weltverhaftetheit“, „die es zu überwinden gilt“ (CHRISTOF-FÜSSLE: 102). Zwar gibt es auch Strömungen in den hinduistischen Religionen, die weltzugewandt sind, in diesen spielt das Phänomen Hoffnung die Rolle einer „Hoffnung auf Heil und auf Erlösung.“ (CHRISTOF-FÜSSLE: 103).

Hoffnung im Buddhismus

Der frühere Vorsitzende der Deutschen Buddhistischen Union, Meditationslehrer und Ordensmitglied KARL SCHMIED, hält fest, dass der Buddhismus ein „Prinzip Hoffnung“ nicht kennt und dass Gedanken einer auf Zukunft ausgerichteten Hoffnung dem Buddhismus fremd sind. Gemäss SCHMIED (SCHMIED: 46) ist der Buddhismus „eine Religion des Friedens und der Achtsamkeit im Hier und Jetzt“ und fokussiert auf „die Lebensgestaltung in der Gegenwart“.

Hier ist jedoch zu ergänzen, dass das erlösungsmethodologische Streben nach dem Nirwana im Theravada-Buddhismus ebenfalls von Hoffnung geprägt ist, wenn wir von einem breiten Hoffnungsverständnis ausgehen.

Hoffnung – eine theologische Einführung – Hoffnung im Christentum

Hoffnung im Alten Testament

Für „Hoffnung“ und „hoffen“ wird im Alten Testament ein Vokabular verwendet, das synonym mit

  • auf etwas gespannt sein, warten, harren,
  • vertrauen, sich verlassen

verwendet werden kann (vgl. Evangelisches Kirchenlexikon EKL, 4.999; und Religion in Geschichte und Gegenwart – Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft RGG3, 3/415). Auffallend ist bei diesem Vokabular die Dominanz der Verbalstämme: der Akzent liegt auf dem Vorgang des Hoffens (Theologisches Handwörterbuch zum Alten Testament THAT, 2/619; RGG3, 3/415).

Die Grundlage des Hoffens besteht dabei in der Persönlichkeit des alttestamentlichen Gottes (JHW) und in der Zuversicht auf seine Bundestreue und auf seine Verheissungen. Hoffnung ist kein abstraktes Prinzip und keine Methode sondern hat einen stark personalisierten Charakter im Hoffen auf Gott. Der Gläubige und Betende im Alten Testament hofft „auf das Wort Gottes“, „auf seinen Arm“, „sein Heil“. Im Mittelpunkt steht dabei derjenige, von dem man es erhofft: Gott ist der, „dessen Wesen Retten und Helfen ist, für Israel ist Gott die Hoffnung geworden.“ Dabei wird dieses Hoffen als Abhängigkeit von Gott verstanden, diese Abhängigkeit geschieht ohne Angst – Hoffen und Vertrauen liegen eng beisammen. Andere Hoffnungskonzepte und Hoffnungsträger stehen im Alten Testament im Gegensatz zu diesem Glaubensverständnis, sei dies die Hoffnung auf andere Götzen, auf Anführer, auf die Grösse des Heeres, auf religiöse Symbole, auf falsche Propheten, auf Menschen oder auf sich selbst. Wer auf Gott hofft, steht unter dem Segen, wer sich auf Menschen verlässt, steht unter dem Fluch (RGG4: 1823). Gott ist die personifizierte Hoffnung. Dieses Verständnis von Hoffen ist charakteristisch für das Gottesverständnis im Alten Testamentes (EKL, 4.898).

Im Alten Testament wird dabei das Hoffen auf „Heil, Rettung, Licht, Wende der Not“ gerichtet (EKL, 4.899). Hoffen ist qualitativ bestimmt, Hoffen ist stets „eine gute Hoffnung, die mit Vertrauen und Glauben das Gute, ja das Heil schlechthin erwartet“ (RGG3 3.416). Die Aspekte der Hoffnung können dabei sehr konkret sein und äusserliche Lebensnotwendigkeiten wie beispielsweise Familie, Gesundheit, Fruchtbarkeit, Reichtum und Besitz, Friede, Schutz vor Krieg oder vor Hunger betreffen – die Erfüllung dieser Hoffnungen werden als Gaben und Segen Gottes verstanden (RGG3, 3.416 und HWBP, 1159).

Hoffnung im Neuen Testament

Neben der alltäglichen Verwendung des Begriffs gewinnt Hoffnung im Neuen Testament vor allem in den Briefen des Paulus eine wichtige theologische Bedeutung, wo beinahe die Hälfte der neutestamentlichen Nennungen zu finden sind (Theologische Realenzyklopädie TRE 1986: 484). Auch im Neuen Testament gründet diese Hoffnung nicht im Menschlichen, Irdischen oder Berechenbaren. Hoffnung ist die „positive Erwartung des Heils von Gott“ und steht darin in der jüdischen Tradition (RGG3: 3.417.) Hoffnung weist dabei einen positiven emotionalen Aspekt auf, der Hoffende ist „guten Mutes, erwartet zuversichtlich, sogar mit Freude“ (RGG4: 1825). Hoffnung wird vom Ziel her verstanden, sie ist „Beharren auf das Ziel hin und wirkt Geduld und Aushalten“ (EKL: 4.900 und 4.902). Auch die neutestamentliche Hoffnung enthält die Elemente „des Vertrauens, der Geduld, des Durchhaltens“ (RGG3: 3.417 und RGG4: 1825). Dabei gehören Glaube und Hoffnung eng zusammen, Hoffnung „bezeichnet ein ständiges Moment des Gottesverhältnisses“ (RGG3: 3.418), gehört zur „Wesensstruktur“ des christlichen Daseins (RGG4: 1825) und kann sogar als ein Status und Zustand der Hoffnung verstanden werden (TRE: 484). Gottlosigkeit und Hoffnungslosigkeit werden einander gleichgesetzt (TRE: 489). Die Hoffnung gründet dabei im christlichen Glauben an die österliche Auferweckung Jesu und an die noch ausstehende Wiederkunft, die Parusie. Wie schon im Alten Testament wird Hoffnung personalisiert: Jesus Christus als Mensch gewordener und vom Tode auferweckter Gottessohn ist der Inbegriff der christlichen Hoffnung, Jesus Christus ist die personifizierte Hoffnung. Dabei ist die christliche Hoffnung nicht nur „ein unbestimmtes Offensein für die Zukunft, sondern die konkrete Erwartung Jesu Christi“ – die Parusie: theologische Hoffnung verknüpft mit der zukünftigen Wiederkunft Christi (RGG3: 3.419) Ebenso wird im Neuen Testament die Tradition des Alten Testamentes fortgesetzt, als dass die Hoffnung auf Gott selbst ruht, der einerseits christologisch andererseits schöpfungstheologisch gedeutet wird (TRE: 488).

Hoffnung in der Theologie des 20. und 21. Jahrhunderts

Eine Theologie der Hoffnung hat sich nicht kontinuierlich entwickelt, vielmehr ist der Hoffnungsbegriff in wechselnden Beziehungen theologisch immer wieder aufgegriffen worden, sei dies bei Augustinus, Thomas von Acquin, Luther oder Kierkegaard (TRE: 491 ff). Herausgefordert durch Ernst Blochs „Prinzip Hoffnung“ entwickelte sich im 20. Jahrhundert unter dem Einfluss des französischen Jesuiten Teilhard de Chardin, des deutschen evangelischen Theologen Jürgen Moltmann und des deutschen katholischen Theologen Johann Baptist Metz eine ökumenische „Theologie der Hoffnung“.

Die zweite Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1954 in Evanston stand unter dem Thema „Jesus Christus, die Hoffnung der Welt“, die Kommission für Glauben und Kirchenverfassung arbeitete von 1971–1978 an einer „Rechenschaft über die Hoffnung“ und die achte Vollversammlung 1998 in Harare stand unter dem Thema „Kehret um zu Gott – seid fröhlich in Hoffnung“

Die Theologie der Hoffnung des 20. Jahrhunderts versucht dabei drei Dimensionen der Hoffnung zu berücksichtigen (ELK 4.911 – 4.913):

  • Politische Dimension der Hoffnung: Da Hoffnung in der modernen Gesellschaft stark privatisiert und spiritualisiert wurde, galt es, die politische Dimension der christlichen Hoffnung zu erkennen und zu praktizieren. Wie Metz geht es Moltmann um eine konkrete Umsetzung eschatologischer Hoffnung in die christliche Praxis. Moltmann fordert eine politische Theologie, da christliche Hoffnung aktivieren soll (HONECKER: 46)
  • Personale Dimension der Hoffnung: Christentum geschieht nie im Sinne eines anonymen Kollektives, sondern meint immer auch den einzelnen Menschen. So haben bereits Augustin, die Scholastiker und der Pietismus Hoffnung immer mit dem personalen Anliegen der menschlichen Seele verbunden.
  • Theologische Dimension der Hoffnung: Christliche Hoffnung ist immer untrennbar mit Christus, Ostern und Parusie verbunden. Dies sind die zentralen Begründungen christlicher Hoffnung im theologischen Sinne.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts veröffentlichte der römisch-katholische Papst Benedikt XVI. 2007 als seine zweite Enzyklika die „Spe Salvi“, in der er sich mit dem Begriff der Hoffnung auseinandersetzt. Die Enzyklika befasst sich dabei mit der Hoffnung als christlicher Tugend und setzt sich kritisch mit den gesellschaftlichen, philosophischen und psychologischen Umwandlungen des Hoffnungsglaubens der letzten Jahrhunderte auseinander. Die Enzyklika beleuchtet verschiedene Hoffnungsbegriffe und die Praxis der christlichen Hoffnung. Diese Praxis wird als Gebet, als persönliche und gemeinschaftliche Begegnung mit Gott verstanden (s. a. TRE: 494). Auch Benedikt XVI betont, dass das Fundament der christlichen Hoffnung immer nur Gott sein kann, der sich in Jesus Christus als Liebe gezeigt hat, Grundlage der christlichen Hoffnung sind Ostern und (die faktisch noch ausstehende aber gemäss Bibel verheissene) Parusie. Christliche Hoffnung hat somit einen stark eschatologischen Charakter.

Hoffnung – eine theologische Einführung – Vorbemerkung

Vorbemerkung

Gemäss den Daten der letzten eidgenössischen Volkszählung zählten sich im Jahr 2000 noch 79% der schweizerischen Bevölkerung zu christlichen Kirchen und Gemeinschaften, 5% zu anderen Glauben- und Religionsgemeinschaften, 11% waren ohne Zugehörigkeit und 4% gaben keine Auskunft zu ihrem Glauben (vgl. BOVAY 2004). Die anderen Religionsgemeinschaften sind insbesondere die stark wachsenden aber in der Schweiz nicht öffentlich-rechtlich anerkannten islamischen Gemeinschaften. So haben 1970 noch 16‘300 Muslime in der Schweiz gewohnt, für 2007 schätzt BAUMANN (2007) 440‘000 Muslime. In einzelnen Kantonen sind die jüdischen Gemeinschaften öffentlich-rechtlich anerkannt, wobei im Jahr 2000 nur in den Kantonen Zürich, Genf, Waadt und Basel-Stadt jeweils mehr als 1‘000 Angehörige dieser Gemeinschaften lebten. Zudem gibt es in der Schweiz zahlreiche weitere Gemeinschaften unterschiedlichster Herkunft und Ausprägung, wobei diese im Jahr 2000 weniger als 1% der Bevölkerung ausmachten. Dazu zählen etwa Buddhisten und Hindus, die in der Volkszählung 2000 erstmals als eigene Religionen aufgeführt worden sind. BAUMANN erwähnt über 500 verschiedene religiöse Strömungen in der Schweiz. Die Grössenverhältnisse der verschiedenen Glaubens- und Religionsgemeinschaften verändern sich dabei seit 50 Jahren, insbesondere die beiden grossen traditionellen Kirchen sind am schrumpfen[1]:

Angehörige der evang. ref. Landeskirche Angehörige der röm. kath. Landeskirche Andere
1950 56% 42% 2%
1970 46% 49% 5%
1980 45% 48% 7%
1990 41% 46% 13%
2000 35% 42% 23%

Als Trends für das letzte Jahrzehnt nimmt BAUMANN an, dass die beiden grossen Kirchen weiter schrumpfen, dass die religiöse Vielfalt zunimmt, dass der Islam weiter an Boden gewinnt und dass der Anteil an Personen ohne Religionszugehörigkeit wächst. Die eidgenössische Volkszählung 2010 wird aktuelle Zahlen liefern, die wir in zukünftigen Studien berücksichtigen können.

Vergleichende und analysierende Untersuchungen, welche Bedeutung Hoffnung in den verschiedenen Religionen hat, sind kaum bekannt. Eine Vorreiterinnenrolle spielt FINSTERBUSCH (2000), die Vertretungen und Fachleute der fünf Weltreligionen in ihrem Sammelband in selbst darstellender Weise zu Worte kommen lässt.

Sowohl was die vergleichende Untersuchung von Hoffnung im speziellen als auch was die vergleichende Untersuchung von positiven und negativen Zukunftsvorstellungen im allgemeinen in den grossen Religionen betrifft, und welchen Einfluss diese Vorstellungen auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft und auf die Religionsgemeinschaften selbst in einer zunehmend globalisierten Welt nehmen, besteht grosser Forschungsbedarf. Die einzige uns bekannte Plattform im Bereich der Zukunftsforschung ist das World Network of Religious Futurists (http://www.wnrf.org). Das WNRF arbeitet nach unserer Einschätzung primär unter den verschiedenen US-amerikanischen Kirchen, bietet aber gemäss Mission Statement „networks for Jewish, Christian, Muslim or Esoteric futurists“ an, im Leadership Council sind Zukunftsforschende aus USA, Israel, Pakistan und China vertreten.

In dieser Studie soll aufgrund der statistischen Bedeutung der Religionen in der Schweiz zuerst anhand anerkannter theologischer Handbücher das Hoffnungsverständnis des Christentums skizziert werden.

Anschliessend sollen auf der Grundlage von FINSTERBUSCH (2000), die in ihrem Sammelband Vertretungen und Fachleute der fünf grossen Weltreligionen zu Worte kommen lässt, kurze Einblicke in das Hoffnungsverständnis verschiedener grosser Weltreligionen gegeben werden.

Bei dieser kurzen Einführung in die Bedeutung von Hoffnung in den fünf Weltreligionen muss aber beachtet werden, dass diese Religionen im Detail betrachtet aus einer Vielzahl von religiösen Schulen, Bekenntnissen und Strömungen bestehen, die sich jeweils auf unterschiedliche geistliche Lehrer und zahlreiche Interpretationen ihrer religiösen Schriften berufen.

Um die Bedeutung von Hoffnung in den verschiedenen Glaubens- und Religionsgemeinschaften vergleichen zu können, muss zudem berücksichtigt werden, wie stark das Verständnis von Hoffnung kulturell, historisch und sprachlich geprägt ist. In einem späteren Kapitel weisen wir auf die Bandbreite der Synonyme und Antonyme für das Wort „Hoffnung“ in der deutschen Sprache hin. So darf ein fundierter interreligiöser Vergleich nicht zu schmal auf das Wort „Hoffnung“ fokussieren, sondern muss auch in einer linguistischen Analyse der entsprechenden Sprachen der religiösen Schriften die Vielzahl an verwendeten Worten, Begriffen und Konzepten berücksichtigen.

In Anbetracht der teilweise sehr heterogenen grossen Religionen und der Megatrends der Individualisierung und Globalisierung und unter Berücksichtigung des Pluralismus im religiösen Bereich in der Postmoderne hat gerade in der Schweiz die Bedeutung von Katechismus und Lehramt auch im religiösen Bereich in den letzten Jahrzehnten stark an Bedeutung verloren. So muss damit gerechnet werden, dass eine Person in der Schweiz sich durchaus aktiv zu einer der genannten fünf Weltreligionen zählt, aber die geschilderten Hoffnungskonzepte der eigenen Religion eventuell gar nicht kennt oder sie individuell anders interpretiert.


[1] http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/01/05/blank/key/religionen.html

Hoffnung – philosophische Einführung

Hoffnung in der Antike

Bereits in der Antike sind Begriffe und Konzepte von Hoffnung thematisiert worden. Hesiod schilderte Hoffnung „als zu den Bedingungen menschlicher Existenz gehörig“ (Religion in Geschichte und Gegenwart – Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft RGG4: 1822). Dabei war „elpis“ im griechischen Altertum eine ambivalente Zukunfts­erwartung: sie konnte positiv oder negativ sein, entsprach dem neutralen Begriff „Erwartung“ und hatte nicht die positive Bedeutung von Hoffung in der deutschen Sprache (Historisches Wörterbuch der Philosophie, HWBP, 1974: 1157). Hesiod warnte vor der „leeren Hoffnung eines untätigen Mannes, dessen optimistische Zukunftserwartung durch nichts gerechtfertigt ist und sich als Täuschung erweisen muss“ (HWBP: 1157). Seit Aristoteles und den Stoikern wird diskutiert, dass der mit Hoffnung verbundenen positiven Gemütslage immer auch unbeständige, wenig rationale und illusionäre Erwartungen gegenüber stehen (Theologische Realenzyklopädie TRE: 480).

Die verschiedenen Interpretationen des „elpis“ Begriffes im antiken Griechenland zeigen sich auch in den verschiedenen Fassungen der Sage der Pandora: Als erste Frau der Menschheit erhält Pandora von Göttervater Zeus das trügerische Geschenk eines verschlossenes Gefässes (Die Büchse der Pandora) – trotz Warnungen gegenüber einem Geschenk von Zeus öffnet sie dieses Gefäss und die darin versteckten Plagen und Übel entweichen, so dass die Erde fortan zu einem trostlosen Ort wird. Im letzten Moment verschliesst Pandora das Gefäss wieder, so dass die Hoffnung als letzter Inhalt darin gefangen bleibt. Für Hesiod und Aischylos zählt die Hoffnung auch zu den Übeln, mit denen Zeus die Menschen plagen wollte. Für Theognis ist die Hoffnung die einzige gute Gottheit, die den Menschen geblieben ist, nachdem die anderen Götter die Menschheit betrogen und verlassen haben, für Babrius ist die Hoffnung das einzige Gut, das zurück bleibt, um die Menschheit in all dem Übel zu trösten (HWBP: 1158).

Hoffnung in Judentum und Christentum

Eine zunehmende Bedeutung spielte Hoffnung im Judentum und Christentum, in denen Hoffnung und Glaube an Gott gleichgesetzt wurden. Hoffnung war die Erwartung einer guten Zukunft, sie entsprach der Verheissung und den Heilszusagen des alttestamentlichen Bundverständnisses zwischen Gott und Mensch. Dabei war die Hoffnung keine Extrapolation der Gegenwart sondern eine Antizipation der verheissenen Zukunft (HWBP: 1159).

Dieses theologische Verständnis verbreitete sich auch in der christlich geprägten Philosophie des Mittelalters. Aufgrund der statistisch und kulturell immer noch grossen Bedeutung des Christentums und der Kirchenzugehörigkeit für die Schweiz wird im folgenden Kapitel die biblische und theologische Bedeutung separat eingeführt.

In der auslaufenden Antike und im Mittelalter war die Entwicklung des Hoffnungsbegriffes vom Spannungsfeld zwischen dem griechischen und dem jüdisch-christlichen Verständnis geprägt. Augustinus, Thomas von Acquin oder Luther setzten sich damit auseinander.

Eine detaillierte Beschäftigung mit dem Verständnis von Hoffnung in der christlichen Theologie findet sich in einem separaten Kapitel.

Hoffnung in der Aufklärung

In der Aufklärung wurde der Begriff der Hoffnung im philosophischen Sinne relevant: Wie können vernünftiges und unvernünftiges Begehren und Hoffen unterschieden werden? Wie ist die widersprüchliche Situation zu verstehen, dass Hoffnung gerade da die stärkste Kraft entwickelt, wo die Situation ausweglos scheint? Wie kommt es, dass dieses irrationale Moment ein zielorientiertes und problemlösendes Handeln fördern kann? (TRE: 480) In Kants Argumentation erhielt der Begriff Hoffnung erstmals einen philosophisch-systematischen Stellenwert und führte zu den Grundfragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? (TRE: 480)

Hoffnung im 19. Jahrhundert

Die Religions- und Ideologiekritik des 19. Jahrhunderts führte zu einer Wende zur Gegenwart und, wie Nietzsche es formulierte, einem Glück in der Hoffnungslosigkeit. Diese Preisgabe der Hoffnung wurde dabei aber nicht als Fatalismus oder Resignation, sondern als gesteigerte Handlungsfähigkeit und als Schicksalsüberlegenheit in der Gegenwart verstanden. Die Lebensphilosophie des 19. Jahrhunderts verstand Hoffnung und Erwartung nicht mehr als antizipierende Bewusstseinsakte, sondern sah sie als dem Leben immanente Funktionen (TRE: 481).

Blochs Prinzip Hoffnung

Im 20. Jahrhundert entwickelte Ernst Bloch einen anderen, stark politisch ausgerichteten Typus des Hoffnungsdenkens – das Prinzip Hoffnung (TRE: 482 ff). Dieses wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem zentralen Gegenstand des philosophischen und theologischen Denkens (HWBP: 1165). Bloch wies darauf hin, „dass der Mensch im Kern nicht von seinem Wissen und auch nicht von seinem Tun her zu verstehen sei, sondern eben im Hoffen seine Auszeichnung finde“, der Mensch ist ein utopisches Wesen, seine Kraft und sein Schicksal liegen in der Antizipation (TRE: 483). Hoffnung war das Verständnis des Noch-Nicht-Seins und des Noch-Nicht-Gewordenen, die biblische Reich-Gottes Erwartung wurde zur Idee einer „zukünftigen Gottwerdung des Menschen, der sich auf Erden das Land der Verheissung selbst schafft“ (HWBP: 1165).

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Zitate und Sprichwörter zu Hoffnung als Selbstkompetenz

Möge Deine Hoffnung nie sinken und möge die Deine zur Sonne Deines Lebens werden. (Ralf Isau)

Die Hoffnungslosigkeit ist schon die vorweggenommene Niederlage. (Karl Jaspers)

Du kannst nicht alle Not der Welt lindern, aber du kannst einem Menschen Hoffnung geben. (Albert Schweitzer)

Niemals und unter keinen Bedingungen dürfen wir verzweifeln. Zu hoffen und zu handeln, das ist unsere Pflicht im Unglück. Tatenlose Verzweiflung bedeutet so viel wie die Pflicht vergessen und sich ihr entziehen. (Boris Pasternak)

Nur durch die Hoffnung bleibt alles bereit, immer wieder neu zu beginnen. (Charles Péguy)

Und ich habe mich so gefreut! sagst du vorwurfsvoll, wenn dir eine Hoffnung zerstört wurde. Du hast dich gefreut – ist das nichts? (Marie von Ebner-Eschenbach)

Vom Tischdecken wird der Magen nicht satt, aber er bekommt Hoffnung. (Sprichwort)

Was eine Kinderseele aus jedem Blick verspricht! So reich ist doch an Hoffnung ein ganzer Frühling nicht. (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben)

Was wäre das Leben ohne Hoffnung? Es lebte nichts, wenn es nicht hoffte. (Friedrich Hölderlin)

Weil moderne Erziehung so selten von großer Hoffnung beseelt ist, wird so selten ein großes Resultat erreicht. (Bertrand Russel)

Welch ein Anker ist die Hoffnung! (Sully Prudhomme)

Wenn der Jäger die Hoffnung verliert, gibt es keine Beute. (Lappländisches Sprichwort)

Wenn Hoffnung nicht wär, so lebt‘ ich nicht mehr. (Sprichwort)

Wenn wir zu hoffen aufhören, kommt, was wir befürchten, bestimmt. (Ernst Bloch)

Wer den Glauben verbraucht hat, lässt sich durch die Hoffnung erlösen. (Billy)

Wer die Hoffnung vor seinen Wagen spannt, fährt doppelt so schnell. (Polnisches Sprichwort)

Was ist das Letzte im Leben? – Die Hoffnung. (Diogenes von Sinope)

Wir hoffen immer auf den nächsten Tag. Wahrscheinlich erhofft sich der nächste Tag einiges von uns. (Ernst R. Hauschka)

Wir hoffen immer, und in allen Dingen ist besser hoffen als verzweifeln. (Johann Wolfgang von Goethe)

Wir können wohl das Glück entbehren, aber nicht die Hoffnung. (Theodor Storm)

Wir stärken, solange wir jung sind, unsere Seelen mit Hoffnung; die Stärke, die wir so erwerben, befähigt uns später, Verzweiflung zu ertragen. (Thornton Wilder)

Hoffnung ist die kindlichste aller Eigenschaften, gleichzeitig die fundamentalste des Ichs; ohne die das Leben weder richtig anfangen noch sinnvoll enden kann. (Erik Erikson)Es ist gesünder, zu hoffen und das Mögliche zu schaffen, als zu schwärmen und nichts zu tun. (Gottfried Keller)

Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen. (Ernst Bloch)

Es trifft gewiß zu, daß die Hoffnung eine Gnade ist. Aber fraglos ist sie eine schwierige Gnade. Sie fordert zuweilen unsere Bereitschaft, auch im Scheitern eine Chance zu sehen, in der Niederlage eine neue Möglichkeit. Vielleicht ist die Hoffnung die letzte Weisheit der Narren. (Siegfried Lenz)

Geduld ist das Ausdauertraining für die Hoffnung! (Gerhard Uhlenbruck)

Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott. (Deutsches Sprichwort)

Hoffe nicht ohne Zweifel und zweifle nicht ohne Hoffnung. (Lucius Annaeus Seneca)

Hoffnung ist eben nicht Optimismus, ist nicht Überzeugung, daß etwas gut ausgeht, sondern die Gewißheit, daß etwas Sinn hat – ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht. (Václav Havel)

Hoffnung ist eine Art von Glück; vielleicht das größte Glück, das diese Welt bereit hält. (Samuel Johnson)

Hoffnung ist eine schöne Erinnerung an die Zukunft. (Gabriel Marcel)

Hoffnung ist wie der Zucker im Tee: Auch wenn sie klein ist, versüßt sie alles. (Chinesisches Sprichwort)

Hoffnung und Freude sind die besten Ärzte. (Wilhelm Raabe)

Hoffnungen steigen zum Himmel wie Luftballons gefüllt mit Wünschen. (Erhard H. Bellermann)

Ich glaube es, weil ich es hoffe. (Leon Blum)

Ich weigere mich, ohne Hoffnung zu sein. (Nadine Gordimer)

Im Reich der Hoffnung wird es nie Winter. (Russisches Sprichwort)

Irgendeine Hoffnung muss der Mensch haben, soll er nicht verdorren und verwelken. (Paul Busson)

Jede Hoffnung ist eigentlich eine gute Tat. (Johann Wolfgang von Goethe)

Was ist Hoffnung? Ein Überblick über Definitionen, Zitate und Sprichwörter

Es trifft gewiss zu, daß die Hoffnung eine Gnade ist.
Aber fraglos ist sie eine schwierige Gnade.
Sie fordert zuweilen unsere Bereitschaft,
auch im Scheitern eine Chance zu sehen,
in der Niederlage eine neue Möglichkeit.
Vielleicht ist die Hoffnung die letzte Weisheit der Narren.
(Siegfried Lenz)

Der Begriff „Hoffnung“ wird sowohl umgangssprachlich wie auch in Medien und Publikationen häufig und dabei in sehr allgemeiner Form verwendet. Insbesondere die umgangssprachlichen Unterscheidungen zwischen Hoffnung, Erwartung, Wunsch und Optimismus sind schwierig und werden je nach subjektivem Sprachempfinden sehr unterschiedlich und häufig auch willkürlich und situativ gemacht.

SCHNOOR (1988: 15) liefert einen kurzen Überblick über die geisteswissenschaftliche Bedeutung der Hoffnung:

  • Seit Sophokles ist die Bedeutung der Hoffnung als eines vom subjektiven Interesse geleiteten Vertrauens auf positive zukünftige Möglichkeiten nachweisbar.
  • Das frühe Christentum begründete die Hoffnung als optimistische Erwartungshaltungen durch den Glauben an Gott als Fundament dieser Hoffnung. Letztlich handelt es sich um ein personifiziertes Hoffen auf Gott bzw. auf Jesus Christus und steht immer in Bezug zu Ostern und Parusie[1]. Auch 2007 wurde diese Tradition durch Papst Benedikt XVI. durch die Enzyklika „Spe Salvi“ wieder aufgegriffen.
  • Die bedeutendste neuzeitliche Arbeit zur Philosophie der Hoffnung ist das „Prinzip Hoffnung“ von ERNST BLOCH. Es spannt den Bogen von den fünf berühmten Fragen „“Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wohin gehen wir? Was erwarten wir? Was erwartet uns?“ im Vorwort bis hin zu den grossen Utopien einer besseren Welt im vierten Teil. Hoffnung ist dabei für Bloch nicht nur der zukunftsorientierte Erwartungsaffekt des Selbsterhaltungstriebes, diese Hoffnung verbindet sich bewusst und reflektierend mit der Ratio, um ihre Inhalte auch tatsächlich und praktisch zu realisieren. Hoffnung wird aktiv, setzt sich mit dem Problem und dem Mangel auseinander, sucht Veränderungswege und leitet Handlungsschritte ein (vgl. SCHNOOR: 78-79) Die starken Bezüge dieses Werkes zur Eschatologie und Religion hatten einen grossen Einfluss auf die Befreiungstheologen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
  • Bei der psychoanalytischen Literatur fällt ein immanenter Widerspruch auf: Einerseits wird der Hoffnung in den psychosomatischen Theorien ein zentraler Stellenwert eingeräumt, andererseits ist dieser metapsychologische Begriff kaum in systematischer Weise behandelt oder definiert worden. Nur wenige Autoren haben sich explizit mit Hoffnung auseinandergesetzt. Die Psychoanalyse hat bis auf SCHNOOR (1988) keine umfassende Theorie der Hoffnung erarbeitet. In der Sozialpsychologie werden Hoffnungen seit den Sechzigerjahren erforscht – vor allem im Zusammenhang mit den Pflegewissenschaften (vgl. LIPPS/HUPPMANN 2006: 201-211).

Es kann festgehalten werden, dass die verschiedenen aktuellen Definitionsversuche sich im Kern einig sind:

Hoffnung ist

  • ein positiv besetzter Begriff,
  • auf eine bessere Zukunft ausgerichtet,
  • und ihre Erfüllung ist in der Vorstellung des Hoffenden realistisch – auch wenn die Eintreffenswahrscheinlichkeit gering ist, sehr grosse Anstrengungen oder Hilfe von aussen erfordert.

Unterschiede bestehen bezüglich der Frage, welche Kräfte für die Erfüllung der Hoffnungen zuständig sind:

  • Ist Hoffnung eher eine zwar ausdauernde aber eigentlich passive Haltung, die auf positive Veränderungen und Hilfe von aussen wartet, oder soll eigenverantwortliche Hoffnung als Selbstkompetenz die Quelle eigener grosser Anstrengungen sein soll, das heisst das Individuum soll selbst in der Lage sein – oder ist sogar dazu aufgefordert, sich selbst für die Erfüllung seiner Hoffnungen zu engagieren (im Sinne des Voluntarismus), was William James auf protestantische Mind-cure-Bewegungen zurückführt (vgl. James 1997: 110-151).
  • Gründet diese Hoffnung auf Hilfe bzw. auf Verbesserung von aussen auf menschlichen Autoritätspersonen (Eltern, Vorgesetzte, Obrigkeit, etc.)?
  • Oder gründet diese Hoffnung auf einer transzendenten Macht, wobei hier eine grosse Bandbreite bezüglich der Qualität dieser Mächte besteht: vom Glaubensverständnis der alten Religionen an personifizierte Götter bis zu erstaunlich konkreten Erwartungen an eigentlich abstrakte Konzepte wie Schicksal, Vorhersehung, Gerechtigkeit, Natur, Fortschritt oder die Zukunft an und für sich.
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm[1] Erwartung, Hinsicht auf etwas Künftiges, das Streben nach etwas Künftigem, zu Erlangendem
Duden-Bedeutungswörterbuch Vertrauen in die Zukunft, Erwartung, dass etwas Gewünschtes geschieht
Friedhelm Zubke, Pädagogik der Hoffnung[2] Eine Vision von einem Ziel haben, auf ein Ziel ausgerichtet sein, ohne sich auf Dauer von nicht ausbleibenden Enttäuschungen entmutigen zu lassen.
Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jh.[3] Zuversichtliche Erwartung, dass etwas geschehen wird, zuversichtliche Annahme, jemand, auf den man grosse Erwartungen setzt
Friedrich Kümmel Hoffnung (ἐλπίς) meint im griechischen Altertum die menschliche Zukunftserwartung im guten wie im schlechten Sinne.

ALEXANDER (2008: 7 und 8 ) erstellte einen umfangreichen Überblick über Hoffnungsdefinitionen (Hope) in den Sozialwissenschaften:

Stotland 1969 An expectation greater than zero of achieving a goal
Gottschalk 1974 A measure of optimism that a favorable outcome is likely to occur not only in one’s personal earthly activities but also in cosmic phenomena and even in spiritual or imaginary events.
Erickson, Post und Paige, 1975 A combination of the importance of goals and the probability of attaining them (expectancy x value) – based on Scotland’s hope theory
Obayuwana und Carter, 1982 Future expectancies
Stoner, 1982 Probability of attaining future-oriented goals (based on Scotland’s theory)
Grimm, 1984 Future orientation, planning of goals, taking action, and relationships
Dufault and Martocchio, 1985 A multidimensional life force characterized by a confident yet uncertain expectation of achieving good, that, to the hoping person, is realistically possible and personally significant.
Miller and Powers, 1988 Characterized by an anticipation for a continued good state, an improved state, or a release from perceived entrapment
Staats, 2001 An interaction between particular wishes and expectations of their occurrence (i.e. expectancy x value)
Nowotny, 1989 A multidimensional dynamic attribute of an individual, involving: active involvement, confidence, relating to others, spiritual beliefs, comes from within, future is possible
Averill et al., 1990 Emotion-focused theory based on four “rules” of hope:

  1. Probability of goal attainment is realistic (prudential rule)
  2. What is hoped for is deemed to be personally or socially acceptable (moralistic rule)
  3. Outcomes and events are appraised as important (priority rule)
  4. There is a willingness to take appropriate action (action rule)
Hinds and Gattuso, 1991 The degree to which an adolescent possesses a comforting or life-sustaining, reality-based belief that a positive future exists for self or others
Snyder et al., 1991 A reciprocally-derived sense of successful agency (goal-directed determination) and successful pathways (planning of ways to meet goals)
Morse and Doberneck, 1995 Seven components:

  • A realistic initial assessment of the predicament or threat
  • The envisioning of alternatives and the setting of goals
  • A bracing for negative outcomes
  • A realistic assessment of personal resources and of external conditions and resources
  • The solicitation of mutually supportive relationships
  • The continuous evaluation for signs that reinforce the selected goals
  • A determination to endure
Bruiniks and Malle, 2005 An emotion that occurs when an individual is focused on an important future outcome that allows for little personal control, so the person is unable to take much action to realize the outcome

[1] http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemid=GH10931&mode=linking

[2] ZUBKE FRIEDHELM (1996) Pädagogik der Hoffnung, Würzburg, S. 73

[3] http://www.dwds.de/?kompakt=1&qu=Hoffnung


[1] Parusie ist ein Fachbegriff der christlichen Theologie und bezeichnet die noch ausstehende aber im Glauben erwartete und in der Bibel und dem apostolischen Glaubensbekenntnis thematisierte Widerkunft Jesu Christi am Jüngsten Tag.

Auch in den verschiedenen geisteswissenschaftlichen Disziplinen herrscht kein einheitliches Verständnis zur inhaltlichen Fassung des Begriffes „Hoffnung“, entsprechend vielfältig sind die Definitionen.

Hoffnung ist ein mehrdeutiger Begriff im Sinne der Polysemie.

Im Rahmen dieses Kapitels soll näherungsweise aufgezeigt werden, welche verschiedenen Definitionen bestehen und welche verschiedenen Konzepte in verschiedenen Disziplinen wie Philosophie, Theologie, Psychologie und Soziologie bestehen.

Zukunft – eine Dimension der Angst oder der Hoffnung?

Gemeinsam mit Francis Müller zusammen habe ich mir im Winter 2009/2010 Gedanken gemacht, ob Zukunft eine Dimension der Angst oder Hoffnung sei. In dieser Kategorie meines Blogs werde ich unsere damaligen Gedanken veröffentlichen. Das vollständige Original haben wir unter http://www.hoffnung2010.ch publiziert.

Schlechte Nachrichten, Tag für Tag: Die bad news über Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen, Bankenpleiten, Pandemien, Terrordrohungen und Kindsmissbrauch verunsichern. Der Ausgang der Krisen ist ungewiss. Wir erfahren Irritation und Kontingenz. „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, schreibt Hölderlin. Ist die Hoffnung das Rettende? – Durchaus. Weil die Hoffnung personale, soziale und auch ökonomische Ressourcen freisetzt, kann sie zur self-fulfilling prophecy werden.

Im Themenheft „Hoffentlich! Warum wir trotz allem an die Zukunft glauben“ der deutschen Fachzeitschrift „Psychologie Heute“ schreibt Annette Schäfer, dass Hoffnung als einer der wichtigsten Faktoren für Wohlbefinden, Erfolg und Resilienz in der psychologischen Forschung erkannt wird. „Hoffnungsvolle Menschen sind selbstbewusster, konzentrierter und achtsamer als hoffnungsarme Menschen. Hoffnung hilft, schwierige Situationen und Lebensprüfungen zu überstehen.“

Was aber ist Hoffnung? Der Sozialpsychologe Ezra Stotland definiert Hoffnung als die Erwartung eines Ziels, die grösser als Null ist. Die Definition zeigt zweierlei: Erstens ist die Zukunft der Hoffnung inhärent, weil Hoffnung sich in einer temporalisierten Dimension bewegt: Sie richtet sich in eine Zukunft, deren Ungewissheit sie reduziert. Hoffnung setzt Reflexion über die Zeitlichkeit des Seins voraus. Zweitens ist Hoffnung intentional. Man kann nicht einfach so hoffen, sondern man hofft immer etwas Bestimmtes.

In unserer Pilotstudie zum Jahreswechsel 2009/2010 wird dieses etwas Bestimmte der Hoffnung in der Schweiz empirisch untersucht. Mittels einer Internet-Umfrage, an der über 2’700 Personen teilgenommen haben, untersuchen wir, auf welche Felder sich Hoffnungen – und somit auch Zukunftserwartungen – beziehen. Wer sind die bedeutendsten Hoffnungsträger und in welchen Feldern sind sie angesiedelt? In der Wirtschaft, der Politik oder der Religion? Welches sind die Grundlagen unserer Hoffnungen und wie gehen wir mit Enttäuschungen um? Gibt es dabei spezifische Unterschiede? Zwischen den Geschlechtern? Ist Hoffnung abhängig von Alter, Bildungsniveau oder Einkommen?

Unser vorliegender Forschungsbericht führt in verschiedene Definitionen und Konzepte von Hoffnung in Philosophie, Theologie, Psychologie und Soziologie ein, gibt einen kurzen Überblick über Studien zu Zukunftsängsten und Sorgen und erläutert die Methodik, die wir in der Internet-Umfrage Ende 2009 und in der Auswertung und Beschreibung im Winter/ Frühling 2010 angewendet haben. Den Hauptteil dieser Studie bildet eine breite Darstellung der Resultate unserer Internet-Umfrage und unserer Analyse der Print­medien in der Schweiz. Die vollständigen Daten, Tabellen und Grafiken publizieren wir zusätzlich in zwei umfangreichen Anhängen. Die wissenschaftliche Arbeit wird zur Illustration ergänzt durch Interviews mit verschiedenen Persönlichkeiten aus der Schweiz und durch eine umfangreiche Sammlung von Sprichwörtern und Aphorismen zum Thema Hoffnung.

Diese Studie soll ein erster Schritt sein, um eine transdisziplinäre Hoffnungsforschung ergänzend zur Zukunftsforschung, Innovationsforschung, Glücksforschung, Sinnforschung und Risikoforschung zu begründen. Die Realisierung dieser ersten Studie wurde dank der Unterstützung durch die Schweizerische Akademie der Sozial- und Geisteswissenschaften (Bern), durch die Stiftung für Bildung und Forschung (Zürich) und durch erhebliche Eigenleistungen der Autoren ermöglicht.