Aufbruch ins Private als Hort der Hoffnung

Nach zwei Jahrzehnte der ökonomischen Euphorie und eines materialistischen Welt- und Menschenbildes melden sich in Zeiten der wirtschaftlichen Unsicherheit soziale und emotionale Bedürfnisse zurück. Die weltwirtschaftliche Euphorie ist als Illusion geplatzt, die grossen politischen Konzepte haben sich nicht als Visionen bestätigt –konsequenterweise rücken die Menschen näher zusammen und suchen Vertrauen und Hoffnung im unmittelbaren sozialen Umfeld. Wem bin ich nahe genug, dass ich ihm vertrauen kann? Wer ist mir nahe genug, so dass er mir in Not helfen wird? Die traditionellen Vorstellungen von Ehe, Partnerschaft, Familien und Freunden und gewinnen wieder an Bedeutung. 64% hoffen auf eine glückliche Ehe bzw. Freundschaft. Wenig überraschend: diese Hoffnung ist bei Frauen (67%) verbreiteter als bei Männern (62%). Doch eher erstaunlich: Diese Hoffnung nimmt mit steigendem Bildungsniveau zu.

Auf Platz 1 der grössten persönlichen Hoffnungen rangiert die „glückliche Ehe, Familie und Partnerschaft“ (64%) noch vor der persönlichen Gesundheit (55%) oder dem beruflichen Erfolg (39%).



Bei der Frage nach den grossen Hoffnungsträgern belegen das Selbstvertrauen in die eigene Person (44%), der Ehepartner (32%) und die eigenen Kinder (20%) Spitzenplatzierungen unter den Top 6. Und als Hoffnungsvermittler in schwierigen Zeiten werden unter den Top 3 die Menschen des unmittelbaren sozialen Umfelds gesehen: Ehepartner und Familie (71%), Freunde (62%) und die Eltern (47%) – weit vor religiösen oder professionellen Funktionsträgern. So stammen auch die wichtigsten hoffnungsvermittelnden Erfahrungen aus dem engsten Umfeld: für 61% in guten Beziehungen zur Familie, für 53% in guten Beziehungen zu Freunden – der Erfolg im Beruf wird nur von 28% genannt. So erstaunt es auch nicht, dass das eigene Zuhause (46%) und die Gemeinschaft mit Freunden (48%) unter den Top 3 der symbolischen Orte der Hoffnung rangieren – der Arbeitsplatz wurde nur von 3% genannt.

Kommentar von Stefan Schwarz, Coach für Logotherapie und Existenzanalyse:
Der Mensch hat eine Sehnsucht nach Einheit mit sich selbst, dem Du, der Welt, mit Gott. Nach Viktor Frankl ist der der Wille zum Sinn der Wunsch des Menschen, die Zerrissenheit des Lebens zu überwinden – denn da, wo Beziehung, Einheit hergestellt ist, wird Sinn erfahren.“ Gesunde Menschen sind trotz ihrer hohen Selbstachtung nicht übermässig nachsichtig gegen sich selbst, und nicht nur mit der eigenen Person oder dem eigenen Wohlergehen beschäftigt. Vielmehr setzen sie sich Ziele, die über ihr persönliches Wohl hinausgehen. Die Ziele können weit gesteckt oder ganz bescheiden sein, entscheidend ist jedoch, dass sie ihrer Natur nach nicht egoistisch sind, sondern anderen nützen. Gesunde Menschen sind mitfühlend und haben einen ausgeprägten Gemeinsinn. Sie versuchen erst zu verstehen und dann, verstanden zu werden. In unsicheren Zeiten geben beständige Beziehungen Sicherheit und bieten Hoffnung. Denken Sie nur daran, welche unzerreissbaren Bindungen in Notzeiten zwischen Kindern oder zwischen Erwachsenen schon immer entstanden sind! Joachim Bauer hat in seinem Buch „Das Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren“ darauf verwiesen, dass wir weiter kommen, wenn wir füreinander da sind, als wenn wir uns gegenseitig übervorteilen.




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